Zahl der Apotheken sinkt seit Jahren

Neue Betreiberin für Apotheken in Gudensberg und Homberg

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Generationswechsel am Medikamentenschrank: Erika Siebert (links) übergab ihre beiden Apotheken in Gudensberg und Homberg an Eliza Krause, bleibt aber als Filialleiterin in Gudensberg tätig.

Nach 39 Jahren ist Schluss für Erika Siebert. Zumindest als Chefin. Sie hat die Burgapotheke in Gudensberg und die Löwenapotheke in Homberg abgegeben an eine Jüngere.

Eliza Krause (32) heißt die neue Betreiberin der beiden Geschäfte – eine junge Frau, die bald zum zweiten Mal Mutter wird. Sie baut darauf, dass Erika Siebert sie tatkräftig unterstützt. Als Filialleiterin in ihrer angestammten Burg-Apotheke bleibt die 63-Jährige angestellt tätig, ist weiterhin vor Ort.

„Das ist eine gute Lösung“, sagt die Gudensbergerin. Viele Kunden hätten schon bedauert, dass sie künftig nicht mehr hinter dem Tresen stehe. Doch ihre Expertise bleibt zunächst erhalten, genau wie die zehn Beschäftigten, darunter ein Apotheker.

Dass es mit der Nachfolge geklappt hat, beruhigt Siebert. „Es ist heutzutage fast unmöglich, auf dem Lande einen Nachfolger für eine Apotheke zu finden“, sagt sie. Es sei schwierig, Personal zu bekommen, zudem werde es immer problematischer, gute Erträge zu erwirtschaften. Sie hatte mal auf einen Nachfolger aus der Familie gehofft: Ihr ältester Sohn Daniel, der ebenfalls wie sie Pharmazie studierte hat, lebt aber inzwischen mit seiner Familie und drei Kindern in Olpe in Nordrhein-Westfalen, betreibt eine Apotheke und will auch dort bleiben.

Ihr zweiter Sohn hat Medizin studiert – also keinen familiären Nachfolger. Auf Eliza Krause, die junge Frau aus Rumänien, die jetzt Chefin von insgesamt drei Apotheken sein wird, traf Erika Siebert mehr oder minder zufällig. Man habe sich gefunden und gut verstanden, jetzt seien die Verträge unter Dach und Fach. „Ich freue mich darauf, nicht mehr jede Woche mindestens 50 Stunden arbeiten und permanent Notdienste ableisten zu müssen“, sagt Erika Siebert. Noch wundere sie sich manchmal, dass sie plötzlich Zeit habe, um auch mal ein Buch zu lesen. Angst vor der vielen Arbeit, die jetzt auf sie zukomme, hat Eliza Krause nicht. „Ich weiß, dass es ein Risiko ist“, sagt sie.

Seit vier Jahren lebt sie in Deutschland, ist mit einem Bauingenieur verheiratet, der sich in Elternzeit um den kleinen Sohn Emil (14 Monate) und künftig das zweite Kind kümmert, das in wenigen Wochen zur Welt kommen wird.

Die 32-Jährige studierte in Bukarest, der rumänischen Hauptstadt, Pharmazie, arbeitete dann einige Jahre dort als Leiterin einer Apothekenfiliale. In Deutschland hat sie nach ihrer Heirat in einem schwierigen Prozess ihre Abschlüsse anerkennen lassen und die Sprache lernen müssen. Ohne das hätte sie auch die erste Apotheke in Hann. Münden nicht übernehmen können. Dort wohnt sie mit ihrer Familie. Jetzt hat Eliza Krause mit den Filialen in Gudensberg und Homberg drei Apotheken, die sie managen muss. „Mehr als eine Haupt- und drei Filialapotheken sind nicht erlaubt für einen Betreiber“, sagt sie.

Auch diese Möglichkeit gibt es erst seit 2003, damals wurde die Regelung festgelegt, zuvor war nur eine Apotheke pro Betreiber erlaubt. Ohne die Öffnung würden auf dem Land noch viel mehr Apotheken geschlossen, ist sich Erika Siebert sicher. Warum ist das so?

„Die Bedingungen für Apotheker werden schwieriger“, sagt die Gudensbergerin. Seit 1980 sei die Handelsspanne um 15 Prozent gesunken, Rabattverträge mit Krankenkassen schränkten ein, die geforderte Lagerhaltung sei problematisch.

Dass häufig bestimmte Medikamente nicht lieferbar seien, liege auch daran, dass die Kassen den Herstellern die Preise quasi diktierten.

„Wir sind für verschreibungspflichtige Arzneien inzwischen ein Niedrigpreisland“, sagt Erika Siebert. Die Hersteller lieferten dann eher in andere Länder, in denen sie besser bezahlt würden.

Zahl der Apotheken sinkt seit Jahren

In den Jahren 2011 bis 2018 ging in Hessen die Zahl der Apotheken von 1590 auf 1472 zurück. 227 Apotheken wurden in diesem Zeitraum in Hessen geschlossen, lediglich 85 neu eröffnet. Betroffen sind davon laut Hessischem Apothekerverband besonders Einzel-Apotheken ohne Filialen.

Die Zahl der Filial-Lösungen steigt dagegen langsam an. Seit 2004 erst dürfen neben der Haupt- noch drei Filialapotheken geführt werden. Das verbessert die Kostenstruktur. 

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