Logistik-Branche boomt in Nordhessen

Im Minutentakt: Von Gudensberg aus gehen die Manufactum-Bestellungen ins ganze Land und ins Ausland. Verpackt wird per Hand. Foto: Regionalmanagement/nh

Gudensberg/Kassel. Die Logistik-Branche boomt in Nordhessen. Das ist vor allem der zentralen Lage in Deutschland zu verdanken.

Bei der "Nacht der Logistik" trafen sich jetzt 70 hochkarätige Besucher und schauten sich auch das Manufactum-Lager in Gudensberg an. In der Halle der Rudolph Logistik- Gruppe in Gudensberg - dem Zentrallager des exklusiven Warenhausbetreibers und Versandhändlers Manufactum - herrscht bis spät in die Nacht rege Geschäftigkeit. Die Mitarbeiter wuseln durch lange Gänge und nehmen Waren aus den Regalen, die der Zentralrechner ihnen über Headsets - Kopfsprechhörer - vorgibt.

Sie legen die Utensilien in blaue Kisten, die ein Förderband durch die Regallandschaft auf verschiedene Ebenen fährt. Wenn die Bestellung komplett ist, wird sie gewogen. Denn das System weiß genau, was jeder der 8500 Artikel wiegt. Stimmt also das Gewicht nicht mit der Bestellung überein, schlägt es Alarm. Nach dem Verpacken fahren die Pakete zur Verladung.

61 Beschäftigte sorgen dafür, dass die 2500 bis 9000 täglichen Bestellungen der hochpreisigen Tochter des Hamburger Otto-Konzerns am nächsten Tag beim Kunden ankommen. Was bis 18 Uhr telefonisch oder online geordert wird, ist am nächsten Tag da.

In den zwölf Wochen vor Weihnachten wird es hektisch. Dann schnellt die Zahl der Bestellungen auf täglich 19.000 empor. 60 Saisonkräfte sind nötig, um den komplexen Umschlag zu bewältigen.

650.000 Bestellungen arbeitet das Rudolph-Team jährlich ab. Besonders schwierig wird es, wenn ein Kunde völlig verschiedene Dinge gleichzeitig ordert, die in ein Paket müssen: eine teure Gartenbank, ein paar exklusive Schuhe, eine schicke Winterjacke und eine zerbrechliche Lampe.

„Aber das können wir“, erklärte der Chef der Halle, Reinhard Braun, den 70 hochkarätigen Besuchern - allesamt Entscheider in der Logistik-Branche, die am Freitag zur sechsten „Nacht der Logistik“ des Regionalmanagements sowie der Partner Goldbeck (Bauunternehmung), Rudolph-Logistik, IDI Gazeley (Projektentwicklung) und Jungheinrich (Förder- und Lagertechnik) kamen. Sie trafen sich in Kassel, um sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen, neue Trends zu erörtern und Geschäfte anzubahnen.

Regionalmanager Holger Schach und dessen Mitarbeiter bringen die Logistiker regelmäßig zusammen, und das durchaus eigennützig. So lernen die Entscheider eine der interessantesten Logistikregionen Europas näher kennen und investieren idealerweise.

Dass die Branche gerade in der Region boomt, hat nicht nur mit der vorausschauenden Ausweisung großer Logistikflächen zu tun, sondern vor allem auch mit der zentralen Lage in Deutschland und Europa.

So hat die Region die längste „Cut-off-Zeit“ in Deutschland. So nennt der Logistiker den spätesten Annahmezeitpunkt für Sendungen, die garantiert am nächsten Morgen beim Kunden sein müssen - ganz gleich wo. „Eine Alleinstellung“, wie Schach unterstreicht.

Logistik boomt: 10.000 neue Jobs in der Region

Die Logistik ist eine der dynamischsten Branchen in Nordhessen. Nach Angaben des Regionalmanagements sind seit 2002 10.000 neue Jobs in diesem Wirtschaftszweig entstanden. In diesen Zahlen nicht enthalten sind die indirekten Jobs wie etwa im Dienstleistungsbereich rund um die Logistik. Das könnten nochmals so viele sein. Bei 90 Einzelprojekten wurden rund drei Milliarden Euro verbaut. Größte Projekte in diesem Jahr waren die zwei neuen Gazeley-Hallen im Industriepark Kassel sowie eine weitere für den Reifenproduzenten Conti in Korbach. In Kassel gibt es so gut wie keine großen Logistikflächen mehr, Malsfeld ist ebenfalls voll, in Homberg und Breuna geht noch einiges, und richtig viel Platz gibt es in Neu-Eichenberg bei Witzenhausen sowie Mecklar-Meckbach.

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