Coronavirus breitet sich aus

Notstand im Pflegeheim: 66 Infizierte und zwei Tote in Gudensberg

Im Altenzentrum Eben-Ezer in Gudensberg gibt es einen massiven Ausbruch des Coronavirus: Bislang haben sich 26 der insgesamt 152 Bewohner und 40 der 100 Pflegekräfte nachweislich mit dem Virus infiziert. Zwei Bewohner sind am Wochenende gestorben.

Es handelt sich dabei um eine 81-Jährige und einen 79-Jährigen, die beide schwere Vorerkrankungen hatten und bei denen ebenfalls das Coronavirus festgestellt wurde. Drei weitere Bewohner des Altenzentrums Eben-Ezer liegen mit schwereren Verläufen im Krankenhaus – alle weiteren Patienten zeigen milde bis mittelschwere Verläufe.

Die Anzahl der Corona-Toten im Schwalm-Eder-Kreis ist auf zehn Menschen gestiegen. 282 Personen sind insgesamt im Landkreis infiziert, damit ist die Ausbreitung des Virus im Schwalm-Eder-Kreis hessenweit am zweitstärksten. Auch im DRK-Seniorenheim „Am Schwalmberg“ in Treysa ist das Virus ausgebrochen: 22 der 29 Bewohner sind infiziert. Auch dort sind Mitarbeiter betroffen.

Das Altenzentrum Eben-Ezer, das insgesamt 180 Mitarbeiter hat – wendet sich nun mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit. Um das Haus weiterhin am Laufen zu halten, braucht es vor allem eines: Pflegepersonal. „Wir stehen mit dem Rücken an der Wand“, sagt Leiter Walter Berle und schildert, dass die Mitarbeiter schon jetzt jede Menge Überstunden machten. „Sie sind ähnlich gefordert wie die Pflegekräfte in Italien“, zieht er einen drastischen Vergleich, um die große Belastung zu verdeutlichen. Sie könnten nur durch neue Kollegen entlastet werden. 30 Pflegekräfte brauche man deshalb „recht rasch“, um den Betrieb kurzfristig zu sichern. „Besser gestern als heute“, sollte das neue Fachpersonal in der Gudensberger Einrichtung mit der Arbeit beginnen, sagt Pflegedienstleiter Marcus Schütz. Denn das mit dem Virus infizierte Stammpersonal befände sich mindestens noch eine Woche in Isolation. „Sie dürfen erst wieder arbeiten, wenn sie symptomfrei und zwei Mal negativ auf das Virus getestet wurden“, erklärt Berle. Die Sicherheit aller gehe vor.

„Das Virus ist gnadenlos. Es schmerzt ungemein, dass man nicht helfen kann, wie man möchte. Wir sind angetreten, um ein Leben in Würde und Geborgenheit zu bieten“, so Berle bewegt. Schuld habe keiner, sagt er. Doch hätte eine bessere Ausstattung der Altenheime mit Schutzkleidung und eine frühere Testung der Verdachtspersonen vielleicht Schlimmeres verhindert. 

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