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Plukon: Häusling fordert Vernichtung von Keimen im Abwasser

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Von: Cora Zinn

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In den Goldbach fließt noch bis 2025 das geklärte Abwasser des Geflügelschlachtbetriebes Plukon aus Gudensberg. Da der Bach aber für das Programm „100 Wilde Bäche“ nominiert wurde, ist das bald nicht mehr möglich.
In den Goldbach fließt noch bis 2025 das geklärte Abwasser des Geflügelschlachtbetriebes Plukon aus Gudensberg. Da der Bach aber für das Programm „100 Wilde Bäche“ nominiert wurde, ist das bald nicht mehr möglich. © Cora Zinn

Die Keime im Abwasser müssten komplett vernichtet werden, das fordert Martin Häusling (Grüne), im Zuge der Diskussion um die Abwasserentsorgung des Geflügelschlachthofes Plukon.

Gudensberg – Der Einsatz von Antibiotika in Schlachtbetrieben müsse endlich gestoppt werden. Das fordert Martin Häusling (Grüne), im Zuge der Diskussion um die Abwasserentsorgung des Geflügelschlachthofes Plukon in Gudensberg: „Völlig gesunde Tiere werden damit behandelt“, sagt der Europaabgeordnete.

Das Problem: Wenn Hühner solche Antibiotikarückstände in sich haben und Menschen ihr Fleisch essen, wirkten Antibiotika bei Personen, die schwer erkrankt sind, in absehbarer Zeit nicht mehr. Häusling geht auch davon aus, dass im Plukon-Abwasser antibiotikaresistente Keime sind.

Plukon filtert Abwasser mehrfach

Diese Kritik will Frank Grundl, Geschäftsführer von Plukon, nicht auf sich sitzen lassen: „In unserem Betrieb ist die Qualität des Abwassers deutlich besser als bei anderen Schlachthöfen, die in leistungsfähige Vorfluter einleiten.“ Plukons betriebliche Kläranlage verfüge neben den üblichen drei Reinigungsstufen – mechanische Reinigung, biologische Reinigung und Denitrifikation – mit einem nachgeschalteten Sandfilter über eine vierte Stufe, die zusätzlich Stickstoff und Phosphor filtere.

Bei Plukon würden täglich Proben von den Tieren genommen. Dabei seien keine Rückstände von Antibiotika festgestellt. „Das ist Schwachsinn“, kontert Häusling. Sobald Antibiotika an Hühner verabreicht werden, seien Rückstände im Abwasser enthalten. Die Gefahr durch diese Keime habe zugenommen: „Es gibt 33 000 Todesfälle pro Jahr in der EU, die im Zusammenhang mit antibiotikaresistenten Bakterien stehen“, so Häusling. Und 670 000 Menschen infizierten sich laut Häusling jährlich.

RP muss nicht auf Antibiotika kontrollieren

Die Obere Wasserbehörde des Regierungspräsidiums (RP) Kassel kontrolliert unangekündigt bis zu vier Mal pro Jahr die Kläranlage von Plukon in Gudensberg. Das RP muss aber keine Wasserproben für die Untersuchung auf Antibiotika oder Keimbelastung nehmen, weil diese laut der Oberflächengewässerverordnung nicht als „Schadstoffe“ gelten. Daher kontrolliert das RP vorwiegend auf Nährstoffe und biologischen sowie chemischen Sauerstoffbedarf. (czn)

Häusling fordert: „Keime durch Hitze komplett vernichten“

Da Plukon nur bis 2025 in den Goldbach ableiten darf (HNA berichtete), plant das Unternehmen eine direkte Ableitung in die Eder. „Das löst das Problem nicht“, so Häusling. Er sieht keinen anderen Ausweg, als das Abwasser zuvor mit dynamischen Verfahren zu reinigen. „Plukon müsste die Keime durch Hitze komplett vernichten.“

Grundl hält diese Forderung für absurd: „Experten beschreiben zur Keimreduktion verschiedene Verfahren, unter anderem mit Sandfiltern.“ Diesen setze Plukon ein. (Cora Zinn)

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