Gudensberg

„Es ist ein Unding“: Busfahrer lässt Kindergarten-Kinder stehen

Auf dem Foto sind Kinder zu sehen.
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An dieser Bushaltestelle in Gleichen sind die Kindergartenkinder sitzengelassen worden. Das

Mehrere Kinder einer Kita wurden von einem NVV-Busfahrer in Nordhessen einfach stehen gelassen. Die Eltern sind empört.

Gleichen – Eigentlich sollten die Kinder der „Grünen Gruppe“ des Kindergartens Regenbogen aus Gudensberg (Schwalm-Eder-Kreis) lernen, wie man mit dem Bus von einem Ort zum anderen kommt – und wieder zurück. Doch kam es dabei zu einem Problem: Ein Busfahrer der Linie 54 des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) hat die Kinder an der Haltestelle in Gleichen stehen gelassen.

Dieser Vorfall ereignete sich am Dienstag gegen 11.32 Uhr im Gudensberger Stadtteil, wie Eltern nun berichten.

Nicht genau geklärt ist, ob es der gleiche Busfahrer war, der die 19 Kinder der „Grünen Gruppe“ morgens vom Rathaus in Gudensberg nach Gleichen gebracht hatte. Nun fragen sich Mütter der Kinder, die zwischen drei und fünf Jahren alt sind, warum ihre Kinder nicht mitgenommen wurden.

Gudensberg: Zwei Mütter sind entsetzt und erzählen über den Vorfall an der Bus-Haltestelle in Gleichen

Für Natalie Alter aus Gleichen steht fest: „Es ist ein Unding!“ Sie hat ein Kind in der „Grünen Gruppe“ und ist über den Vorfall entsetzt. „Es war ein Schockerlebnis für die Kinder“, sagt sie. Das wäre das Erste gewesen, was die Jungen und Mädchen ihren Eltern erzählt hätten, als sie wohlbehalten – dank einzelner Fahrgemeinschaften – mittags nach Hause kamen.

„Das war alles ein riesengroßer Aufwand. Weil die Kinder stehengelassen wurden, mussten die Erzieher und Natalie Alter umgehend Eltern anrufen, um dafür zu sorgen, dass die Kinder auch nach Hause kommen“, berichtet Rilana Pippert, die als Mutter auch betroffen ist.

Für einige Kinder des Kindergartens Regenbogen steht im Sommer der Wechsel zur Schule an. Darauf werden sie mit verschiedenen Aktivitäten vorbereitet. Deshalb besuchen sie auch die Ortsteile aus denen die Kinder kommen, die im Sommer in die Schule wechseln werden.

Eine Mutter hat direkt den NVV angerufen – und bekam eine nicht zufriedenstellende Antwort

So auch am Dienstag, als die 19 Kinder und drei Erzieher auf den Hof zu Alters nach Gleichen fuhren. „Auf dem Hinweg hat alles geklappt“, sagt Alter. Da sei der Bus nicht voll gewesen und die Anzahl der Gruppe gleich gewesen. „Die Kinder saßen auf dem Hinweg ganz ruhig auf ihren Plätzen“, sagt Alter.

Wären sie jetzt lauter gewesen oder hätten gestört, hätte sie der Busfahrer auf dem Rückweg vielleicht nicht im Bus haben wollen, spekuliert sie. „Aber selbst dann könnte das doch kein Grund sein, sie nicht mitzunehmen“, so Alter weiter.

Das sagt der NVV: „Es war ein Missverständnis“

„Nach Rücksprache mit dem für die Buslinie 54 zuständigen Verkehrsunternehmen gehen wir davon aus, dass es ein Missverständnis gegeben hat: Der betroffene Busfahrer hat bestätigt, dass er die Kindergartengruppe wahrgenommen hat. Es sei für ihn jedoch nicht ersichtlich gewesen, dass die Gruppe mit dem Bus fahren wollte, da sie nicht direkt an der Haltestelle gestanden habe und auf den herannahenden Bus auch nicht reagiert habe – etwa durch Annähern an die Bushaltestelle.“

Alter habe nach dem Vorfall beim NVV angerufen, um auf das Fehlverhalten aufmerksam zu machen. „Dort wurde ich mit der lapidaren Aussage abgespeist. Gruppen über zehn Personen wären drei Tage vorher anzumelden, ansonsten läge es im Ermessen des Busfahrers, ob dieser eine Gruppe mitnimmt.“ Sie frage sich nun, was denn „im Ermessen des Busfahrers“ bedeute.

An Haltestelle in Gleichen hätten neben der Kindergartengruppe noch andere Menschen warten können

Pippert war am Donnerstag noch sehr getroffen. „Wie kann es sein, dass ein Busfahrer die Gruppe morgens mitnimmt und ein anderer es mittags seinem Ermessen nach offenbar nicht für nötig hält?“ fragt sie sich noch Tage nach dem Vorfall. Noch schlimmer sei aber, dass der Busfahrer noch nicht mal an der Haltestelle gehalten habe. Es hätten sich schließlich auch noch andere Fahrgäste dort aufhalten können.

„Wir hatten einen wirklich schönen Vormittag bei uns auf dem Hof mit vielen Tieren und einem Frühstück auf Strohballen in unserer Scheune. Schade, dass das Erlebnis nun für die Kinder mit dem Vorfall an der Haltestelle so negativ im Gedächtnis bleibt“, sagt Alter. (Cora Zinn)

Vor einigen Monaten gab es Diskussionen um eine Änderung beim NVV. Damals wurde „Schwarzfahren“ abgeschafft.

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