Kritik an Abstandsregeln

SPD-Wahlkampfveranstaltung in Gudensberg: Volle Tische trotz Coronakrise

Beim SPD-Wahlkampfauftakt in Gudensberg sitzen die Menschen trotz Coronakrise dicht bei dicht beieinander.
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Gut besucht war der Wahlkampfauftakt von Dr. Edgar Franke am Freitag. Doch wurde dabei nicht immer auf den coronabedingten Abstand geachtet, wie man auf diesem

Abstand halten in Coronazeiten – dazu rufen die Politiker die Menschen immer wieder auf. Bei einer SPD-Wahlkampfveranstaltung im Gudensberger Bürgerhaus haben Spitzenpolitiker aus dem Landkreis, gemeinsam mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, am Freitagabend selbst kein gutes Beispiel gegeben.

Gudensberg – Dicht an dicht saßen mindestens zehn Personen an einem Tisch, dem sogenannten Promi-Tisch. Auch in der Tischreihe dahinter hatten die Gäste der sehr gut besuchten Veranstaltung von Dr. Edgar Franke, der im Gesundheitsausschuss der Bundesregierung ist und für den Bundestag kandidiert, deutlich unter 1,5 Meter Abstand. Erst danach war der Abstand zwischen den Menschen größer.

Dabei empfiehlt die Landesregierung auch bei der derzeitigen vergleichsweise noch geringen Inzidenz von 18,9 im Landkreis (21,9 in Hessen), in ihren Informationen zum „pandemiegerechten Verhalten“, das Tragen von medizinischen Masken: „Wenn sich Personen unterschiedlicher Hausstände gemeinsam in einem geschlossenen Raum aufhalten oder wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu Personen anderer Hausstände nicht eingehalten werden kann.“ Dazu wird empfohlen, geschlossene Räume zu belüften – daran hielt man sich bei der Veranstaltung. „Im Hinblick auf die Aerosole gab es eine absolute Durchlüftung“, so Franke auf HNA-Anfrage.

Mehr als 200 Menschen kamen zu der Veranstaltung, 140 bis 160 waren im Saal, so Franke. „Dann haben wir niemanden mehr reingelassen.“ Der Rest verfolgte den Auftakt an den Seitentüren. „Wir haben alle formalen Regeln eingehalten; lediglich am Promi-Tisch saßen einige zum Teil ein wenig enger zusammen, da sich noch Leute dazugesetzt hatten“, rechtfertigt Franke. Der Gesundheitspolitiker betont, dass an dem Tisch alle geimpft waren. Das Foto (stammt von Frankes Facebook-Seite), sei von der Bühne aus gemacht worden und habe eine sehr komprimierende Wirkung.

Am Promi-Tisch saß auch Landrat Winfried Becker. Er war privat dort, um Franke zu unterstützen. Becker betont auf HNA-Anfrage, dass die AHA-Regeln und die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts unbedingt eingehalten werden sollten. Es sei an diesem Abend aber nicht immer gelungen, und man habe auch nicht gleich zur Maske gegriffen, als es enger wurde, räumt er ein. „Es war eine sehr aufgeweichte Situation.“

200 Gäste bei Wahlkampauftritt von Dr. Edgar Franke

Optimistisch und kämpferisch präsentierten sich die heimischen Sozialdemokraten am Freitagabend im Bürgerzentrum Gudensberg zum Auftakt des Bundestagswahlkampfes. Dazu hatte Dr. Edgar Franke – seit 2009 bereits dreimal direkt in den Bundestag gewählt – den ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck geladen.

Auf die Frage nach einem Wahlerfolg riet er den Genossen: „Arbeiten, kämpfen, ringen. Ich bin zuversichtlich, dass es eine Mehrheit jenseits der CDU/CSU geben kann.” Viele der über 200 Gäste, in und vor der Halle, waren von Becks Rede begeistert. Der ehemalige VW-Betriebsratsvorsitzende Karl-Heinz Mihr: „Ich habe schon lange nicht mehr solch eine gute politische Rede gehört.”

„In Gudensberg sind meine Wurzeln”, sagte Franke. Von Kurt Beck hat er das Amt des Opferbeauftragten der Bundesregierung übernommen: „Wir beide waren uns immer einig, dass Sozialdemokraten eine besondere Verantwortung für unsere Demokratie haben. Opferschutz ist immer auch Demokratieschutz.” Das sei auch bei der Hochwasserkatastrophe deutlich geworden.

„Es kann nicht sein, dass Konzerne wie Amazon und Google in Coronazeiten Milliardengewinne machen, aber bei uns keine Steuern zahlen”, erklärte Franke zum Thema Steuergerechtigkeit.

Als ein Herzensanliegen bezeichnete Franke die flächendeckende medizinische Versorgung. Wichtig seien neben einer guten Hausarzt-Versorgung die Krankenhaus-Standorte Melsungen, Fritzlar, Schwalmstadt und Frankenberg: „Sie waren das Krisenpolster in der Pandemie.”

Er habe, so Franke, in dieser Legislaturperiode wieder Fördergeld des Bundes für Projekte im Schwalm-Eder-Kreis und Frankenberger Land „extra organisiert”.

Auch um Umweltpolitik ging es: „Wir müssen den Klimawandel stoppen und die globale Erderwärmung auf möglichst 1,5 bis zwei Grad Celsius begrenzen”, forderte Franke. Nachhaltiger, ökologischer Umbau unserer Industriegesellschaft könne nur dann gelingen, „wenn wir die Menschen mitnehmen, wir müssen Innovation, ökologische Erneuerung immer mit wirtschaftlicher Vernunft und sozialem Ausgleich verbinden”.

Die SPD stehe „für ein soziales Gesicht in Deutschland”, betonte Beck. Man müsse sich auch „um die groben Ungerechtigkeiten kümmern”, unter denen tausende von Lastwagenfahrern zu leiden hätten. (Maja Yüce und Manfred Schaake)

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