Sprachperlen in Zartbitter im Bürgersaal Gudensberg

Max Uthoff sezierte feinsinnig den Politikbetrieb

Brillanter Analytiker: Max Uthoff brachte im Bürgersaal vieles auf den Punkt. Foto: Köcher

Gudensberg. In Zeiten, in denen die Politik keine Antworten mehr gibt und die Menschen nach Orientierung suchen, kommt die Satire zu neuer Blüte.

Das zeigte das ausverkaufte Bürgerhaus in Gudensberg, in dem am Freitagabend 400 Gäste Max Uthoff sehen und vor allem sprechen hören wollten. Der aus der ZDF-„Anstalt“ bekannte Politik-Kabarettist sezierte über zweieinhalb Stunden hinweg messerscharf den Politikbetrieb und das Betriebssystem Kapitalismus, das denselben am Laufen hält. Vom CSU-Größenwahn bis zum Pegida-Protest, von Gauck-Schelte bis Wirtschaftswahnsinn – Uthoff brillierte mit feingedrechselter Rhetorik, die im Mindesten schon durch die komplett freie Rede beeindrucken musste.

Die große Kunst des 48-Jährigen besteht darin, scheinbar mühelos mit scharfen Konturen auf die Auswüchse und Missstände in der Politik hinzuweisen – in der der Langzeitarbeitslose ein stabiles Feindbild geworden ist und Armenspeisungen in Tafeln willkommen sind, „während sich Riester, Rürup und Maschmeyer die Taschen vollstopfen“.

Uthoff zeigte, wo Politiker Äpfel mit Birnen vergleichen oder vielmehr Elefanten mit Mäusen, nur weil beides Tiere sind – „und den Unterschied merkst du erst, wenn sie dir auf die Füße scheißen“.

Dabei, auch das wurde im Bürgerhaus deutlich, kann der Kabarettist Thema und Tempo virtuos variieren. Vom Politik- und Wirtschaftswahnsinn ging es geschmeidig hinüber zum Trash-Fernsehen, zum seltsamen Freizeitverhalten des Mittelstandes, und dann zurück zu Angela Merkel, der „Hosenanzug-Heidi“.

Feine Exkurse

Uthoff versteht sich auf die kleinen und feinen Exkurse ins Alltagsleben, den Stich ins Gewissen der Zuschauer, den feinsinnigen Spaß, der auch mitunter bitter daherkommt und gerade zum Ende des regulären Programms nachdenklich statt mit Schenkelklopfen endete.

Aber und vor allem: Die wörtlich zu nehmende „Gegendarstellung“ war beste Unterhaltung und möglicherweise die einzige Art, das große Gerede in Berlin und sonstwo noch zu verstehen – und zwar als eine große Satire.

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