Mehrere Vorfälle innerhalb weniger Wochen

Grausame Hühnermorde in Gudensberg: Besitzer äußern sich - Ermittlungsgruppe nimmt Arbeit auf

Grausamer Anblick: In Gudensberg haben unbekannte Täter Hühner getötet.
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Grausamer Anblick: In Gudensberg haben unbekannte Täter Hühner getötet.

Schon wieder eine Tat, die Hühnerhalter im ganzen Landkreis in Atem hält: Erneut haben unbekannte Täter in Gudensberg Hühner getötet. Das teilt die Polizei mit. Es ist bereits der dritte Fall innerhalb weniger Wochen.

Das teilt die Polizei mit. Es ist bereits der dritte Fall innerhalb weniger Wochen, bestätigt Markus Brettschneider, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder gegenüber der HNA. Eine spezielle Ermittlungsgruppe der Polizeistation Fritzlar ist im Einsatz, um den Tätern das Handwerk zu legen.

Im jüngsten Fall haben die Täter im Gudensberger Stadtteil Obervorschütz bereits in der Nacht zu Samstag zugeschlagen. Wie die Polizei erst jetzt mitteilt, haben die Täter in einer Stallung an der Gudensberger Straße insgesamt acht Hühner und einen Hahn getötet. Die Täter gingen dabei äußerst brutal vor: Sie köpften die Tiere. Die Köpfe waren am Tatort nicht auffindbar, die Körper wurden im Gehege zurückgelassen. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter die Köpfe stumpf abtrennten und mitnahmen. Hinweise auf die Täter liegen derzeit nicht vor.

Die Polizei schließt nach derzeitigem Ermittlungsstand aus, dass das Federvieh von einem anderen Tier getötet wurde, stattdessen geht sie davon aus, dass sich der oder die Täter in der Region auskennen, so Brettschneider. Denn es ist nicht der erste Fall in Gudensberg: Bereits in der vergangenen Woche wurden in einem Stall eines Schrebergartens am Ende der Herderstraße insgesamt 25 Hühner, Hähne und Enten getötet. In diesem Fall drehten die Täter den Tieren die Hälse um und ließen die leblosen Tiere zurück.

Und damit nicht genug: Ähnliches geschah schon im Januar in Gudensberg und bereits 2020 in Gilserberg: Im Januar brachen unbekannte Täter ebenfalls in einen Stall in Gudensberg ein und stahlen Federvieh, das später tot aufgefunden wurde. Zuvor hatten die Täter die Tiere noch gequält (HNA berichtete). Und bei dem Einbruch in einen mobilen Hühnerstall an der B 3 bei Gilserberg töteten Unbekannte im März 2020 bis zu 100 Hühner. Den Tieren wurde zum Teil der Kopf abgerissen. Ähnliches geschah wenige Wochen später in Jesberg. „Die Täter haben es auf Federvieh im Allgemeinen abgesehen“, so die Polizei weiter.

Die Polizei rät allen Federvieh-Halter nun zur besonderen Vorsicht, so Brettschneider. „Sie sollten ihre Stallungen regelmäßig kontrollieren, auf verdächtige Personen achten und diese auch melden.“

Ermittlungsverfahren auch wegen Einbruchs

Eine spezielle Ermittlungsgruppe der Polizeistation in Fritzlar habe die Arbeit bereits aufgenommen, heißt es von der Polizei. In den jüngsten Fällen in Gudensberg handelt es sich in den Ermittlungsverfahren um die Tötung von Wirbeltieren, Sachbeschädigung und Einbruch sowie Hausfriedensbruch, erklärt Markus Brettschneider. Das Strafmaß reiche von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe, so Brettschneider weiter. 

Hühner in Gudensberg getötet: Täter drehen Hälse um

Es sind Taten, die nicht nur die Bevölkerung in Gudensberg entsetzen: Unbekannte Täter brechen in Ställe ein und töten brutal – gar bestialisch – Hühner und anderes Federvieh. Das treibt jetzt vor allem Hühnerhalter um: „Über die Vorfälle in Gudensberg wird viel gesprochen, den Täter oder die Täter treibt wohl das bloße Töten an – das ist äußerst bedenklich“, sagt ein Hühnerbesitzer aus Gudensberg gegenüber der HNA.

Seinen Namen möchte er aus Angst um seine Tiere nicht in der Zeitung lesen. Aber er bestätigt: „Nach diesen Vorfällen hat man natürlich Sorge.“ Und: „Die armen Tiere sind bestimmt in völlige Panik ausgebrochen.“ Da sei der finanzielle Schaden eigentlich nur noch Nebensache – bedenke man, in welchem Zustand die Besitzer ihre Tiere auffinden mussten, so der Gudensberger weiter.

Einer, der offen darüber sprechen möchte, ist der Gudensberger Walter Berle. Seinen 25 Tiere sind in der vergangenen Woche die Hälse umgedreht worden. Und noch schlimmer: Seinem Cochin haben die Täter den Kopf abgeschlagen, und danach sichtlich auf einer angrenzenden Mauer seiner Voliere mit einem Holzkreuz in der Mitte drapiert. „Natürlich stelle ich mir die Frage, ob das eine Nachricht an mich sein soll, oder ob das irgendein Sektenkult ist“, sagt Berle, der in Gudensberg beruflich und ehrenamtlich oft in der Öffentlichkeit steht.

Bis heute ist er noch fassungslos über die Taten, die sich in Gudensberg häufen. Denn auch für Berle sind die Hühnermorde nichts Neues: Es ist bereits das dritte Mal, dass Berle so etwas miterleben muss. In einem Schrebergarten in Gudensberg züchtet er einige Tiere, lässt sie morgens vor Dienstbeginn auf das hektargroße Gelände frei laufen. In der Nacht befinden sich die Tiere dann wieder in der Voliere.

Als er vergangene Woche die Tiere wieder ins Gehege schicken wollte, musste er dann das Entsetzliche sehen. „Ein einziges Huhn lief noch draußen rum, alle anderen Tiere lagen tot rum“, schildert er. Die jüngsten Tiere habe er gerade einmal vor drei Wochen gekauft und mit der Zucht begonnen. Und weiter: Es sei nun wohl offensichtlich, dass weder Fuchs noch Marder oder Waschbär für den Tod der Hühner zuständig sei, so Berle weiter. „Als es die ersten beiden Male passierte, gab ich mir noch selbst die Schuld, weil ich die Tür offen ließ“, so Berle. „Wer denkt denn aber auch an solche Morde.“

Auf dem Hof Schlossberg-Langohren in Gudensberg sind erst jüngst Küken geschlüpft: Aber auch Simone Schmidt hat Angst um die Tiere, denn Hühnermörder treiben erneut ihr Unwesen.

Auch Simone Schmidt aus Gudensberg ist fassungslos, gar wütend. Bei ihr schlugen Täter im Januar dieses Jahres zu. Mehrfach wurde schon auf dem Gelände der Schlossberg-Langohren eingebrochen. Und immer wieder wurden dabei auch Tiere gestohlen, zuletzt auch gequält und brutal getötet. Schmidt setzt seither auf mehr Sicherheitsanlagen, Schlösser und Überwachungskameras sollen die Täter von den Tieren fernhalten. 

Von Linett Hanert

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