Auftakt war erfolgreich

Tüftler geben Technik eine zweite Chance: Erstes Repair-Café in Gudensberg

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Sie suchen gemeinsam nach dem Fehler: von links Lothar Horstmann, Abdulrahman Alhilali, Karina Pohl und Edmund Kruhm. 

Gelungener Auftakt: Bei der Eröffnung des Repair-Cafés des Vereins Mach-Mit im F26 am Samstagvormittag haben die ehrenamtlichen Tüftler alle Hände voll zu tun. Vor allem in der Elektronik-Ecke stehen die Kunden nach und nach Schlange.

Eine der Ersten ist Karina Pohl. Sie hat ihre LED-Tischlampe von Ikea mitgebracht. Das schwedische Kaufhaus wollte die Lampe weder umtauschen noch reparieren, obwohl das Werk aus Chrom erst ein Jahr alt ist. „Sie lässt sich nicht mehr anschalten“, sagt die Gudensbergerin. So einfach das Problem auch klingt, müssen Lothar Horstmann, Edmund Kruhm und Abdulrahman Alhilali nach dem Fehler erst mal suchen.

Doch schließlich weiß „Abdu“, wie ihn alle hier nennen, Rat: „Der Stecker ist kaputt, doch der lässt sich nicht reparieren“, so der Iraker, der vor seiner Flucht einen eigenen Elektroladen betrieb und der nun in Deutschland eine Lehre zum Elektriker absolviert. Doch Alhilali wird einen neuen besorgen, und in vier Wochen, beim nächsten Repair-Café, damit die Lampe reparieren. Für Karina Pohl hat sich das Warten gelohnt.

„Das ist ein Angebot, von dem jeder in Gudensberg profitieren kann“, so die neue Ehrenamts- und Projektkoordinatorin des Vereins Mach-Mit, Sarah Schlitt, anlässlich der Eröffnung des Repair-Cafés in der Fritzlarer Straße 26 über dem Kaufhaus für alle und mit dem Café gleich nebenan. Jeder, der möchte, könne sich hier einbringen – ohne dabei Mitglied im Verein Mach-Mit zu sein, erklärt Vorsitzender Jochem Hamacher.

„Eine tolle Sache“, bringt Günther Mihr auf den Punkt, was an diesem Vormittag viele denken. Das Repair-Café sei sein gutes Angebot, um erst einmal nachschauen zu lassen, ob das defekte Gerät überhaupt reparabel ist. Mihr hat seinen über 40 Jahre alten Schallplattenspieler von Grundig dabei, der sei mal teuer gewesen. Burkhard Schrader und Wilko Vöge nehmen sich dem Gerät an – und es erst einmal auseinander.

Ob ein Tablet, bei dem eine bestimmte App nicht herunterzuladen geht, eine defekte Nähmaschine oder eine klemmende Fahrradschaltung: Die Ehrenamtlichen helfen weiter, und das ganz kostenfrei. In der Ecke steht ein Sparschwein für Spenden bereit.

Angefangen hatte alles mit der Fahrradwerkstatt gleich neben dem F26. Doch anstatt Fahrräder nur für Flüchtlinge fit zu machen, kann fortan jeder mit seinem Rad oder Roller vorbei kommen. Reimund Rüttger hat sich seit 2015 als Fahrrad-Doktor spezialisiert. „Nach der Schule zu Hause herumzusitzen lag mir nicht“, so der pensionierte Lehrer. Was in Gudensberg weit und breit einmalig sei: Die Ehrenamtlichen treffen sich hier einmal im Monat zur sogenannten Helfershilfe – einer Art Supervision, bei der mit einem Berater von außen die persönliche Ehrenamtsarbeit reflektiert werden kann. Rüttger: „Wir machen das auch für uns, haben Spaß daran und finden hier viele Kontakte.“

Öffnungszeiten: Das Gudensberger Repair-Café und das Kaufhaus für alle im F26 (Fritzlarer Straße 26) haben jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 13 Uhr im F26 geöffnet.

Zudem öffnet das Kaufhaus für alle dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr - parallel dazu auch das Café im Kaufhaus in der oberen Etage.

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