Robin Haratik

"Ich bin das Gesicht dahinter": 20-Jähriger aus Gudensberg hilft bei Wahl-O-Mat-Entwicklung

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Vor der Märchenbühne in seinem Heimatort Gudensberg: Der 20-jährige Robin Haratik hat die Thesen für den ersten Wahl-O-Mat in Hessen mitentwickelt. Foto: Thomas Schlenz

Gudensberg. Zur Landtagswahl in Hessen im Oktober gibt es erstmals einen Wahl-O-Mat. Ein Team aus Wissenschaftlern und jungen Menschen aus ganz Hessen arbeitet an den Thesen. Einer von ihnen ist Robin Haratik aus Gudensberg.

„Ich habe im Betrieb davon erfahren, dass die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) junge Leute sucht, die beim Wahl-O-Mat mitarbeiten möchten. Da ich mich für Politik interessiere, habe ich mich beworben und wurde ausgewählt“, sagt der 20-Jährige, der gerade eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei VW in Baunatal macht.

Bei einem Seminar in Seeheim-Jugenheim im Landkreis Darmstadt-Dieburg arbeitete Haratik an den Thesen mit. „Wir wurden in Gruppen eingeteilt, beispielsweise zum Thema Verkehr und haben nach kontroversen Thesen gesucht“, erklärt der Auszubildende. Als Hilfe hätten sie die vorläufigen Wahlprogramme erhalten.

Er habe einen anderen Blick auf viele Themen als junge Erwachsene aus Südhessen: „Die Frankfurter interessiert, wie oft ein Bus fährt, hier auf dem Land ist die Frage eher, ob überhaupt einer fährt“, sagt Haratik, den die Themen Mobilität und schnelles Internet am meisten interessieren.

„Wir konnten gleichberechtigt diskutieren, wurden gehört und ernst genommen“, betont der 20-Jährige. Schließlich solle der Wahl-O-Mat vor allem junge Menschen zum Wählen motivieren. „Politikverdrossenheit entsteht, wenn sich Leute nicht informiert fühlen und orientierungslos sind“, glaubt er. „Deswegen haben wir die Thesen möglichst verständlich formuliert.“ An ein zunehmendes Desinteresse an Politik glaubt er aber nicht: „In meinem Freundeskreis werden Themen, die uns wirklich betreffen, auch angesprochen“, meint der Gudensberger.

Obwohl er selbst nicht in einer Partei ist, findet Haratik gesellschaftliches Engagement wichtig: „Ich war in der Schule Klassensprecher und mag es, mich im Betrieb einzubringen“, erzählt der Auszubildende. In seiner Freizeit sieht Haratik gerne Nachrichten und verfolgt, was in der Welt passiert. Da es zum ersten Mal einen Wahl-O-Mat für Hessen gibt, möchte er ihn bekannter machen: „Wir sind das Gesicht des Wahl-O-Mats, sollen und wollen dafür werben“, betont er.

Vor der letzten Bundestagswahl habe er den Wahl-O-Mat selbst genutzt: „Man darf es aber nicht als Wahlempfehlung sehen, sondern als Werkzeug, das Richtungen aufzeigen kann“, ist er überzeugt. Nun wartet er gespannt darauf, wie die Parteien zu seinen Thesen Stellung nehmen.

Zur Person: Robin Haratik (20), lebt in Gudensberg bei seinen Eltern. Sein Abitur legte er an der König-Heinrich-Schule (KHS) in Fritzlar ab. Er absolviert eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Volkswagen in Baunatal und kommt ins zweite Lehrjahr. Haratik hat einen älteren Bruder. In seiner Freizeit macht er gerne Sport, schraubt an Autos und trifft sich mit Freunden.

Das ist der Wahl-O-Mat

Der Wahl-O-Mat ist eine Internetanwendung, die als Entscheidungs- und Orientierungshilfe bei Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen gedacht ist. Er wird von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zusammen mit Jungwählern und Wissenschaftlern entwickelt. Interessierte Bürger können, wie bei einem Fragebogen, Thesen zu aktuellen Themen wie Verkehr, Familie oder Bildung beantworten und anschließend überprüfen, welche Parteien diese Positionen am ehesten in ihren Programmen vertreten.

Den Wahl-O-Mat gibt es bereits seit 2002. Vor der Landtagswahl geht er Mitte/Ende September erstmals in Hessen an den Start.

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