Bürgermeisterwahl

„Wir alle sind Gudensberg“: Gerd Fröhlich kandidiert für Bürgermeisteramt

Gerd Fröhlich sitzt mit seinem Hund an seinem Lieblingsplatz in seinem Wohnzimmer: einem gelben Sessel.
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Gerd Fröhlich will Bürgermeister von Gudensberg werden. Als Ort für das Treffen mit der HNA hat er sich sein Zuhause in Gudensberg ausgesucht. Der Sessel im Wohnzimmer ist dort sein Lieblingsplatz.

Wäre das Wetter in diesen Tagen nicht so unbeständig, dann hätte Gerd Fröhlich sich zum Termin mit unserer Zeitung am Obersten Holz verabredet. Von dort aus hat man einen guten Blick auf Gudensberg und seine Ortsteile. Die wolle er alle im Blick haben, wenn die Wahl am Sonntag, 7. November, so ausgeht, wie er es sich wünscht, sagt Gerd Fröhlich.

Gudensberg - Denn dann wäre er der nächste Bürgermeister von Gudensberg. Der 60-Jährige tritt als unabhängiger Kandidat an, das ist ihm wichtig. Es sei an der Zeit, dass in Gudensberg eine „neutrale Größe“, wie er es nennt, das Votum der Bürger in das Parlament trage.

Das Ergebnis der Kommunalwahl im März habe gezeigt, dass die Menschen ein „weiter so“ nicht wollen. Dieses Gefühl habe er auch gehabt – daraus entstanden sei dann seine Motivation zur Kandidatur. „Ich wollte verhindern, dass es wieder nur einen Kandidaten oder eine Kandidatin gibt“, sagt er. Die Menschen sollten die Wahl haben. Etwas, was in Gudensberg in den vergangenen Jahren nicht selbstverständlich war. Nun tritt Fröhlich gegen zwei Mitbewerber an. Gegenkandidaten nennt er sie nicht, denn es gehe ihm um einen fairen Umgang – auch im Wahlkampf, den er deshalb als Wettbewerb bezeichnet.

In dem befindet sich Gerd Fröhlich bereits. Seine Wahlplakate hängen, seine Flyer sind gedruckt und ein großer Teil davon auch schon unter die Leute gebracht. Er geht von Haustür zu Haustür. Dabei kennen ihn bereits viele Menschen in Gudensberg, denn er lebt in der Stadt, ist Vorstandsvorsitzender der FSG Gudensberg. Doch wofür er politisch steht und für was er sich als Bürgermeister starkmachen würde, das wissen längst nicht alle Menschen. Transparenz ist ein Wort, das im Gespräch mit ihm oft fällt. Vor allem, weil er sie von den politischen Entscheidungsträgern immer stärker vermisst habe.

„In der Kommunalpolitik werden oft grundsätzliche Entscheidungen getroffen. Die Leute müssen aber wissen, warum sich die Politiker für etwas entschieden haben und auch, warum sich gegen etwas entschieden wurde“, so Fröhlich. Beides sei in den vergangenen Jahren nicht wirklich transportiert worden. Schnell nennt er Beispiele: Hallen vor den Toren der Stadt, die Versiegelung von hochwertigem Ackerland. „Was bedeuten solche Entscheidungen langfristig für Gudensberg? Wie viele Arbeitsplätze entstehen? Mit welchen Gewerbesteuereinnahmen kann die Stadt rechnen?“, diese und weitere Fragen gelte es zu beantworten. Durch mehr Offenheit erreiche man die Menschen und könne so auch eine höhere Akzeptanz erzielen, selbst für kontrovers diskutierte Themen wie die Baugebiete, davon ist Fröhlich überzeugt.

Die Kommunikation sei aber sowohl im Rathaus als auch bei den Fraktionen ins Stocken geraten. „Sie hätten die Informationen ins Volk tragen müssen“, sagt er. Sollte es mit seiner Wahl klappen, dann wolle er unter anderem Bürgergespräche anbieten. Politik und Verwaltung müssten in Gudensberg das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen. Dabei gehe es nicht nur um Informationen: Klar sei für ihn, dass die Bürger mehr in die Entscheidungen eingebunden werden müssten, sagt Fröhlich. „Bürgerentscheide bei Grundsatzentscheidungen“, fügt er an.

Vor allem den etablierten Parteien, die bei der Kommunalwahl herbe Verluste verbuchen mussten, habe es zuletzt an Selbstreflexion gefehlt. Es gebe in Gudensberg viele Themen, die die Menschen bewegten. Das schwindende Sicherheitsgefühl in der Innenstadt zähle dazu. „Ich vermisse, dass die Stadt keinen Einfluss darauf hat, wer wie und wo wohnen darf“, sagt er. So sei gerade in der Altstadt eine ausgewogenere Durchmischung wichtig, um Verständigung uns sozialen Frieden zu fördern. Dabei müsse die Stadt künftig mehr Einfluss auf Immobilienverkäufe nehmen. „Da gab es in der Vergangenheit Versäumnisse, die uns heute einholen.“

Es sei zwar eine Herausforderung, dies alles zu steuern, doch gebe es Lösungsmöglichkeiten. „Wir müssen das angehen“, betont er. „Im Rathaus arbeiten hoch qualifizierte Leute, sie gilt es zu motivieren“, sagt er.

Er wolle als Bürgermeister Visionen und Strategien entwickeln, um Gudensberg voranzubringen. Dabei sieht er sich aber nicht als Ein-Mann-Show. Fröhlich spricht von der Arbeit im Team und vom Entwickeln von gemeinsamen Ideen – mit den Gudensbergern, den Fraktionen und den Mitarbeitern der Stadt. „Wir alle sind Gudensberg.“

Damit die Stadt – samt Ortsteilen – noch lebenswerter werde, müsse sich auch im Bereich Klima- und Umweltschutz einiges tun. Dabei könne die Verwaltung die Bürger unterstützen – durch Beratung sowie durch die Hilfe bei Projekten. Erste konkrete Ideen habe er bereits.

Gestärkt werden müsse das Ehrenamt. „Die Vereine sind das Herzstück der sozialen Gemeinschaft“, sagt Fröhlich. In der FSG Gudensberg und im Kinder- und Jugendhospizverein arbeitet er mit – ihm sei es nicht nur wichtig, Gudensberg im Blick zu haben, sondern aktiv etwas für die Menschen zu tun. (Maja Yüce)

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