Dr. Werner Seibel will Menschen erreichen

Zeilen, die Mut machen sollen: Gudensberger schreibt Buch über die Coronakrise

Dr. Werner Seibel sitzt in seinem Arbeitszimmer und hält sein Buch „Jahresringe: Randloses Schweigen – über das Ich und Du“ in den Händen.
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Der ehemalige Schulleiter einer Gesamtschule in Kassel: Dr. Werner Seibel aus Gudensberg hat sein Buch „Jahresringe: Randloses Schweigen – über das Ich und Du“ herausgegeben.  

Die Corona-Pandemie fordert der Gesellschaft viel ab. Wegen der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen leben die Menschen zunehmend isoliert. Was also tun, um nicht in ein tiefes Loch zu fallen?

Gudensberg - Diese Frage hat sich auch der Gudensberger Autor Dr. Werner Seibel gestellt. Für ihn liegt die Antwort im Schreiben und einer der großen philosophischen Ansätze: der Frage nach dem eigenen Ich.

Der ehemalige Dozent für Erziehungswissenschaften hat bereits vor der Corona-Pandemie mit dem Verfassen eines autobiographischen Buches begonnen. Die Pandemie lenkte Seibels Gedanken im vergangenen Jahr beim Schreiben noch einmal in eine andere Richtung. „Die Menschen haben wenig Kontakt untereinander, sitzen zunehmend alleine zuhause. Für mich war es deshalb beispielsweise wichtig, sich in dieser Zeit mit der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen, um nicht an Lethargie zu leiden“, erzählt der 74-Jährige.

Entstanden ist ein Buch mit dem Titel „Jahresringe: Randloses Schweigen – Über das Ich und Du“. Es ist gefüllt mit lyrischen, prosaischen und philosophischen Abschnitten. Die niedergeschriebenen Zeilen würden gerade in diese schwierige Zeit passen, sagt Seibel. „Ich habe Bekannte, die sich wegen dieser Krise nicht mehr einsam und verloren fühlen, sondern den kompletten Boden unter den Füßen verloren haben“, sagt er. Das Buch solle vor allem einen Anreiz für all diejenigen schaffen, die einen Sinn darin sehen, sich in dieser Zeit ebenfalls mit Lebensfragen auseinanderzusetzen.

„Wir hatten eine unbeschwerte Zeit, in der wir uns frei bewegen konnten – jetzt müssen wir uns demütig zurückziehen in der Hoffnung, dass diese Zeiten wieder kommen“, sagt Seibel. Deshalb sei es ratsam, gerade jetzt neue Ansätze für Lebenswege zu finden, glaubt der Pädagoge im Ruhestand. Achtsamkeit und die eigene Wahrnehmung von sich und der Gesellschaft nehmen einen großen Teil des Buches ein.

Aber der Gudensberger möchte nicht nur sein Buch an den Mann und die Frau bringen. „Ich würde Menschen gerne gewinnen, die sich ähnliche Fragen stellen. Wenn sich daraus ein Forum gründet, das Halt und Zuversicht ermöglichen kann, ist das etwas ganz Tolles“, findet Seibel. Denn der Pensionär ist seit Jahren daran interessiert, einen fairen, kultivierten Umgang mit der Sprache aufrechtzuerhalten, wie er erzählt.

Seit einem Jahrzehnt betreibt er die Schreibwerkstatt in Gudensberg, die in der Coronakrise auch pausieren musste. Geplant waren im vergangenen Jahr literarische und musikalische Abende über die frühen Jahre von Johann Wolfgang Goethe, die ausfallen mussten. Um so mehr sei dem Gudensberger daran gelegen, dass die Zeilen seines neuen Buches die Menschen erreichen – trotz der Distanz in dieser Krise. (Linett Hanert)

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