Bürger wurden informiert

Kein Stunk mehr um Gestank: Durchbruch bei Verhandlung um Rindergeruch in Gudensberg

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Gudensberg: Verhandlung wegen Gestank

Vielen Gudensbergern stinkt es gewaltig. Der Geruch nach Silage und Gülle, der von zwei landwirtschaftlichen Betrieben am Ortsrand in Richtung Autobahn ausgeht, übersteige seit Jahren ein zumutbares Maß.

Wäsche Draußen trocknen zu lassen, gemütlich auf der Terrasse zu sitzen, die Zimmerfenster zu öffnen – all dies sei in den vergangenen Jahren, seit dem Bau der Ställe ab 2012 nicht mehr möglich gewesen, so die Anlieger einhellig.

Durchbruch in der Verhandlung um Gestank in Gudensberg

Bürgermeister Frank Börner: „Wir riechen es auch im Rathaus und auch manchmal auf der Freilichtbühne.“ Jetzt gab es einen Durchbruch bei der Verhandlung um den Gestank der landwirtschaftlichen Betriebe: Landwirte und Anlieger verständigten sich bei einem Bürger-Informationsabend am Mittwoch im Bürgerhaus Gudensberg auf konkrete Verbesserungen, die helfen sollen.

Nein, eine Wohlfühlveranstaltung war das nicht. Und doch fühlten sich am Ende viele der 50 Anlieger im Publikum und der zehn Beteiligten auf dem Podium sichtlich wohler. Keine Frage: Die Situation war nach Jahren des Ärgernisses angespannt. „Es ist ja wie in der Kirche hier“, raunte ein Anlieger kurz vor Beginn – Totenstille wie vor dem Glockenläuten.

Verhandlung: Landwirt aus Gudensberg entschuldigt sich  

Dann die beeindruckende Stellungnahme von Landwirt Martin Knaust, der ohne Umschweife zur Sache kam: „Zuerst muss ich mich entschuldigen, dass wir nicht früher das persönliche Gespräch mit ihnen gesucht haben“, sagte er. „Wir hätten es früher machen sollen. Wir nehmen ihre Beschwerden ernst“, erklärte er und weiter: „Uns liegt nichts ferner, als mit ihnen im Clinch zu liegen. Ich bin erst 30 Jahre alt und möchte in meinem Leben ein gutes Miteinander mit ihnen haben.“

Er habe den Stall in Gudensberg nach gutem Wissen und Gewissen nach dem ersten Gutachten aus dem Jahr 2011 gebaut. „Wir haben uns auf Grund des Gutachtens sicher gefühlt“, so der Rinderzüchter in der Verhandlung. „Wir sind nichtsdestotrotz bereit, die Maßnahmen umzusetzen.“ 170 Kühe und ihre weibliche Nachzucht – hält der Knausthof, der an der Besser Straße in Richtung Autobahn liegt und direkt an den Betrieb von Jörg und Christian Sölzer grenzt.

Gudensberg: Lösungsansatz in Verhandlung um Rindergeruch gefunden

Um die Luftströme und den Gestank zu verringern, soll unter anderem das Dach über dem Futtertisch verlängert, die Jalousie des Offenfrontstalles verbessert und eine Wasserverneblungsanlage im Stall installiert werden, die Geruchspartikel auffangen soll. Zudem hat der Junglandwirt aus Gudensberg vor, den offenen Güllebehälter zu überdachen. „Das wird für uns eine sechsstellige Investitionssumme werden, für die ich Kredite aufnehmen muss, aber wir werden das machen“, sagte Knaust und legte in der Verhandlung einen ehrgeizeigen Zeitplan noch für dieses Frühjahr vor. Auch der benachbarte Betrieb Sölzer an der Trift wird investieren, jedoch trifft es Sölzers weit weniger hart. „Wir haben schon beim Bau des Stalls in 2012 entschieden, die Güllebehälter ins Feld auszulagern“, sagt Jörg Sölzer (50), der den Rinderbetrieb mit rund 120 Kühen und weiblicher Nachzucht im Offenfrontstall gemeinsam mit Sohn Christian (26) führt. „Wir rechnen mit rund 15 000 Euro Investitionskosten“, so Sölzer. In Zeiten von niedrigem Erzeugerpreis für Milch, der noch immer weit unter den von Landwirten geforderten 40 Cent pro Liter liegt. „Das tut uns schon weh.“

Die Maßnahmen gehen aus dem dritten Gutachten hervor, das diesmal der Kreis bei einem externen Gutachter vom Institut für Umweltanalytik in Auftrag gegeben hat. Auch Gutachter Jens Förster aus Frankenberg bei Chemnitz war vor Ort. Die nachträglich gebaute Biogasanalge des Knausthofs sei in das Gutachten eingeflossen, habe jedoch keine direkten Auswirkungen auf die Geruchssituation, hieß es. Wenn die Maßnahmen greifen, und der Geruch zwar nicht völlig verschwunden, jedoch hoffentlich auf ein erträgliches Maß gemindert ist, sollen alle noch einmal zusammen kommen, so Kaufmann: „Ein Fest ist unentbehrlich.“

Von Kerstin Diehl

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