Die Kinder der Familie Schaum: Gute Schüler ohne Schule

Lernen im Familienkreis: von links Debora (22), Elisabeth (10), Mutter Marit und Vater Thomas Schaum sowie davor Maria (7), Damaris (16), Lydia (14) mit Kater Pit und Jael (12). Foto: Kasiewicz

Schwalm-Eder. Die Kinder der Familie Schaum sind hervorragende Schüler. Eine Schule haben sie allerdings meist nur von außen gesehen.

Thomas (48) und Marit Schaum (45) aus Hülsa unterrichten ihre Kinder selbst. Sie sind Homeschooler. Dies ist in Deutschland verboten, denn es besteht eine generelle Schulpflicht. Der Familie wird daher der Prozess gemacht.

„Wir können unsere Kinder nicht dubiosen Menschen in die Hand geben“

Im Januar müssen sich die Eltern vor dem Amtsgericht in Fritzlar verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, gegen das Hessische Schulgesetz zu verstoßen. Zum wiederholten Mal. Denn drei der neun Kinder absolvieren bereits mit Erfolg Ausbildungen. Bisher sind die Schaums immer mit Geldstrafen davon gekommen.

Aber das Gesetz sieht Haftstrafen vor. Dies zeigt der Fall der Familie Dudek. Den Eltern der Homeschooling-Familie aus dem Werra-Meißner-Kreis drohte unlängst jeweils eine dreimonatige Haftstrafe. Die Verhandlung wurde ausgesetzt.

Die Gründe, warum Eltern ihre Kinder nicht in einer öffentlichen Schule unterrichten lassen wollen, sind verschieden. Schulen seien zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet, sagt Thomas Schaum. Das sei auch gut so, aber eben nicht mit den Inhalten ihrer Erziehung in Einklang zu bringen. Auch eine christliche Schule stehe nicht für die Glaubensätze, die sie ihren Kindern vermitteln möchten.

„Wir können unsere Kinder nicht dubiosen Menschen an die Hand geben. Dort wird unseren Kindern etwas ganz anderes beigebracht, als wir es wollen.“

Als Beispiel nennt er die Abtreibung: Seiner Auffassung nach ist ein Mörder, wer ein Kind im Mutterleib tötet. „Mörder bekommen ihre Strafe, wenn nicht hier, dann im Jenseits. Unser Glaube hat eine Relevanz für uns im Diesseits.“ Man könne Menschen mit fragwürdigen Einstellungen nicht seine Kinder anvertrauen.

Konzept nicht weltfremd

„Unsere Kinder werden im Sinne des Neuen Testaments sicher eher streng erzogen. Manche würden uns vielleicht sogar fundamental nennen“, sagt Schaum.

Aber es sei ihnen wichtig, die Kinder optimal auf das Leben vorzubereiten. Es gehe nicht um eine religiöse Isolation. Die Kinder hätten selbstverständlich Freunde im Ort. Außerfamiliäre Aktivitäten würden gepflegt, aber eben mit Bedacht.

Unterrichtet werden die Kinder zu Hause. Das Homeschooling sei pädagogisch und didaktisch gut für die Kinder. Sie lernten früh, sich Stoff selbst zu erarbeiten und die Lerngruppe sei überschaubar klein. Meist unterrichte seine Frau die Kinder. Der Stoff richtet sich immer nach dem Lernplan. Dabei werde aber die Schöpfungsgeschichte zugrundegelegt.

„Das Bildungskonzept der Homeschooler ist nicht weltfremd, sondern effizient. Homeschooler schneiden meist besser ab als andere Schüler“, sagt Thomas Schaum.

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