"Kunden lassen Bon liegen"

"Niemand nimmt seinen Bon mit" Händler von neuer Kassenbon-Pflicht genervt

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Müssen jedem Kunden einen Zettel ausstellen: Bäckereifachverkäuferin Sarah Rohde und Sergio Capano vom Pasta & Co in Hom berg.

Seit dem 1. Januar sind Einzelhändler gesetzlich dazu verpflichtet, immer einen Kassenbon herauszugeben. Wir haben bei Händlern in der Region gefragt, wie sich der Zwang  für sie auswirkt.

Fritzlar-Homberg - Auch Bäcker und Imbissbuden sind ab sofort von der sogenannten Beleg-Ausgabepflicht betroffen, denn die gilt ohne Ausnahme, also auch, wer nur ein Brötchen kauft, bekommt einen Bon ausgehändigt.

Mit dem Gesetz möchte die Bundesregierung Steuerhinterziehung eindämmen.

Kassenbon-Pflicht: „Fast niemand nimmt seinen Bon mit“

„Fast niemand nimmt seinen Bon mit“, sagt Lydia Ackermann, Filialleiterin des Backhauses Schwarz in Gudensberg. Ihre ernüchternde Bilanz nach den ersten Stunden im Verkauf mit Bonpflicht: „Es ist mehr Aufwand und viele Kunden lachen nur, wenn wir ihnen den Bon anbieten“, sagt sie. Die Folge, die meisten Bons werden für jeden Einkauf ausgedruckt und landen daraufhin gleich im Papiermüll. „Bislang haben wir zwei Papierrollen pro Monat verbraucht, jetzt werden es vermutlich mindestens vier Rollen werden“, so Ackermann.

Laut Florian Hetzler vom Café Hetzler in Fritzlar ist das neue Gesetz „im Prinzip eine gute Sache.“ Durch die Kassenbon-Pflicht seien alle Abrechnungen einheitlich und ordentlich geregelt.

Kassenbon-Pflicht: Da gehe es ja ab und an nur um Centbeträge 

„Vor allem im Café-Bereich kommen teilweise ja etwas größere Summen zusammen“, sagt Hetzler. Im Bäckerladen beispielsweise könne es schon etwas nerviger werden, vermutet er. Da gehe es ja ab und an nur um Centbeträge.

Hetzler musste sich eine neue Kasse anschaffen. „Bei der wird nun jeder Bon automatisch gedruckt.“ Früher habe er einstellen können, ob ein Beleg herauskommt oder nicht. Genau so sieht es auch bei Sarah Rohde aus. Sie ist Bäckereifachverkäuferin in der Bäckerei Glanz in Homberg. Wurde früher nur auf Nachfrage das Knöpfchen für den Beleg gedrückt, ist die Kasse nun umgestellt – und druckt ganz automatisch. Interesse haben die Kunden an den Kassenzetteln aber nicht, sagt Rohde. „Ich lege den Bon immer zu der Ware, aber er wird nie mitgenommen.“ Ein Kunde fragt sogar scherzhaft, ob sie denn schon einen Ordner für die vielen Bons angelegt habe.

Sergio Capano von Pasta & Co im Modehaus Sauer sieht eine Menge Arbeit auf sich zu kommen, besonders wenn die Schüler der angrenzenden Theodor-Heuss-Schule auf der Suche nach ihrem Mittagessen sind: „Wenn alle auf einmal kommen, dann wird es lustig.“

Er hofft, dass er und seine Mitarbeiterin daran denken, die Bons auszugeben. Sie sind zwar nicht gegen die Bon-Pflicht, sehen sie aber kritisch: Kleine Unternehmen würden mit der neuen Regelung unter Generalverdacht gestellt und unter Druck gesetzt.

Auch ein Streitpunkt auch in Eschwege

Bonpflicht nervtdie Händler: In Eschwege entpuppt sich die neue Bonpflicht als großer Streitpunkt. Zu Recht?

Auch in Kassel wurde nachgefragt, wie die Händler zur Einführung der Kassenbon-Pflicht stehen. Viele beklagen die zusätzliche Belastung. 

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