Corona befeuert Aggressionen

Schwalm-Eder: Häusliche Gewalt kennt keine Fest- und Feiertag

Das Bild zeigt den Homberger Schlossberg und die Altstadt  in orangefarbenes Licht getaucht zum Aktionstag Gewalt gegen Frauen
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Das Thema Gewalt gegen Frauen wurde im Schwalm-Eder-Kreis beim gleichnamigen Aktionstag mit orangefarbenen Schweinwerfern wirkungsvoll in Szene gesetzt. Das Bild zeigt die Homberger Hohenburg.

Das Thema Häusliche Gewalt bleibt ein gesellschaftliches Problem, auch im Landkreis: 2021 suchten 35 Frauen mit 38 Kindern Zuflucht im Frauenhaus.

Die Leiterin des Frauenhauses hat es bereits durchs zweite Jahr der Pandemie geführt. Ein weiteres Jahr, in dem die Bewohnerinnen nicht nur vor Gewalt, sondern auch vor dem Virus geschützt werden müssen, was das Team vor weitere Herausforderungen stelle. Denn Corona befeuere das Gewaltthema: Das Homeoffice sei für viele von Gewalt bedrohte Frauen zur Gefahr geworden. Wo Lebensräume enger, die Arbeitsbedingungen schwieriger, die Perspektiven trostloser würden, steige die Gefahr von Aggressionen und Gewalt im familiären System.

Was in diesem Jahr ebenfalls auffällig sei: Viele der der Frauen, die nach langer Überlegung den Schritt ins Frauenhaus wagten, wiesen psychische Belastungen und Erkrankungen auf – eine Tatsache, die der Arbeit im Frauenhaus mehr abverlange als die ohnehin schon vielschichtigen Herausforderungen, die mit dem Thema Gewalt verbunden sind, sagt Heidemarie Lange.

Im November wurde das Thema häusliche Gewalt im Landkreis zumindest für einen Abend sichtbar: Beim Aktionstag gegen Gewalt an Frauen wurden viele Bauwerke im Landkreis orangefarben beleuchtet, auch der Waberner Kulturbahnhof und die Stadtkirche Treysa. Es liege nur selten ein solcher Scheinwerfer auf dem noch oft von Tabus umgebenen Thema, sagt Lange.

Doch das sei dringend nötig: Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem aktuellen oder früheren Partner getötet: 2020 kamen 139 Frauen durch Femizide ums Leben, 2019 waren es 117 Frauen, die bei oft als „Familientragödien“ oder „Eifersuchtsdramen“ bezeichneten Taten ihr Leben ließen. Heidemarie Lange formuliert es deutlich klarer: „All diese Frauen wurden ermordet.“ Foto: Claudia Brandau

Gewalt kennt keine Ruhetage

Weihnachten und die Zeit bis Neujahr sind für viele Menschen mit gewaltbereiten Partnern alles andere als ein Fest der Liebe. Viele Frauen erleben die Feiertage als eine bedrückend-bedrohliche Zeit. Häusliche Gewalt kennt keine Ruhetage: Wer in der Nachbarschaft Streit, Schreie, Schläge hört, sollte die Polizei rufen. Betroffene Frauen können sich rund um die Uhr an das Frauenhaus des Landkreises wenden: Tel. 0 56 81/6170. Bundesweite Hilfe finden sie unter Tel. 08000/116 016. (Claudia Brandau )

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