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Hamsterer leeren die Regale

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Von: Claudia Brandau

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Die Regale fürs günstige Öl sind oft leer: Ehrenfried Schorn, Mitglied der Geschäftsleitung, und Marktleiterin Michaela Embers im Edeka-Markt Remsfeld.
Die Regale fürs günstige Öl sind oft leer: Ehrenfried Schorn, Mitglied der Geschäftsleitung, und Marktleiterin Michaela Embers im Edeka-Markt Remsfeld. © Claudia Brandau

Ein Blick in viele Supermärkte zeigt, dass Produkte wie Speiseöl, Haferflocken und Mehl immer noch knapp sind. Aber nicht nur die großen Lücken fallen auf, sondern auch die immens gestiegenen Preise.

Remsfeld - Die weltweit überlasteten Lieferketten seit der Coronapandemie, steigende Transportkosten sowie der Ukraine Krieg gelten als Ursachen. Hinzu kommen Hamsterkäufe als Folge der Ausnahmesituationen.Es sei eine regelrechte „Öl-Manie“ ausgebrochen, sagt Hans-Richard Schneeweiß von Edeka Hessenring (Melsungen): „Die Nachfrage ist weit überdurchschnittlich und hält länger an als vermutet.“ Das betreffe jedoch nur preisgünstige Öle. Die Nachfrage von Olivenölen sei dagegen normal. „Sonnenblumenöl wird für bis zu einem Jahr knapp bleiben und wohl zu einem Premiumprodukt ähnlich Olivenöl werden“, vermutet Schneeweiß.

Trotz ausreichender Rohware gibt’s Lücken im Angebot

Für Thorsten Hellwig, Inhaber des Edeka-Markts in Remsfeld, stellen die Hamsterkäufe ein Grund dafür dar, dass die Regale mit günstigen Ölen so oft leer sind. „Die Leute werden verrückt gemacht und kaufen deshalb große Mengen.“ Auch die reduzierte Abgabe – Kunden dürfen höchstens zwei Flaschen kaufen – löse dieses Problem nicht: „Wenn wir Öl-Lieferungen haben, rufen sich Familienmitglieder gegenseitig an, alle kommen und kaufen – und die Regale sind wieder leer.“ Dann stehen die Diskussionen mit den Kunden an der Kasse an, was das tägliche Geschäft nicht gerade erleichtere: „Wir bitten sie höflich, sich an die reduzierte Abgabemenge zu halten, damit auch etwas für andere Kunden übrig bleibt“, sagt Michaela Embers, Marktleiterin des Remsfelder Markts. „Die meisten zeigen Verständnis.“

Thorsten Hellwig sieht aber noch einen weiteren Grund für die Verknappung: „Es muss jede Menge Öl vorhanden sein: Die Industrie hält es zurück, um die Preise hochzujagen“, ist sich Thorsten Hellwig sicher. „Das ist in der Autoindustrie und in vielen anderen Bereichen ja nicht anders.“ Alle Branchen würden auf den Zug der Preiserhöhungen aufspringen: „Kaffee, Molkereiprodukte, Kunstdünger – was haben diese Produkte mit dem Ukrainekrieg zu tun? Nichts – dennoch ziehen die Preise massiv an.“

In der Lebensmittelbranche sei es gerade beim Weizenmehl so: Die Industrie halte günstige Ware zurück, um teuere Marken zu verkaufen. Hellwig will gegensteuern, habe gerade Geld draufgelegt: „Wir haben Mehl teuer eingekauft, um es billig zu verkaufen – das ist der Wahnsinn, aber der Kunde würde es sonst konsequent im Discounter einkaufen.“

Hans-Richard Schneeweiß Edeka Hessenring
Hans-Richard Schneeweiß Edeka Hessenring © Pinto, Jose

Die Versorgung mit Weizenmehl sei sicher, unterstreicht Hans-Richard Schneeweiß: „Es ist genügend Rohware vorhanden, die Mühlen produzieren viel, und die Ware kommt auch in den Handel.“ Dass die Mehlregale doch ab und zu Lücken aufweisen, liege eben an den Hamsterkäufen und daran, dass im Frühling mehr als sonst gebacken werde. Auch die Rapsölversorgung werde sich beruhigen. Schneeweiß geht davon aus, dass mehr Raps für Öl vermahlen werde.

Thorsten Hellwigs Prognose: Die Lage, die unter Krieg, Corona, fehlenden Lastwagen-Fahrern, hohen Energiepreisen und drohender Knappheiten angespannt sei, werde sich irgendwann entspannen. „Die Preise aber bleiben so hoch, wie sie jetzt sind,“ ist sich der Remsfelder Edeka-Chef sicher. (Von Claudia Brandau)...

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