Hans Ewald: Ein richtig gutes Leben

Späte Liebe, großes Glück: Zwei Tage vor seinem 91. Geburtstag heiratete Hans Ewald aus Kleinenglis seine Frau Gerda (77). Die beiden hatten sich ein Jahr zuvor im Bad Zwestener Bewegungsbad kennengelernt. Foto:  Brandau

Kleinenglis. Es gibt Menschen, die erzählen unglaubliche Geschichten. Hans Ewald ist einer von ihnen.

Das Ungewöhnliche daran ist, dass seine Geschichten zum Teil in einer Zeit spielen, die sehr weit zurückliegt. Wie die Geschichte aus seinem Berufsleben.

Vor 77 Jahren begann Hans Ewald seine Lehre als Elektriker, vor 70 Jahren, im Sommer 1945, trat er seine Stelle als Elektriker im Borkener Kraftwerk an. Seit ebenfalls 70 Jahren ist er Gewerkschaftler, auch wenn er nun schon seit 30 Jahren Rentner ist. Aber erst seit einem Jahr ist Ewald glücklich verheiratet.

Im vorigen Jahr, genau zwei Tage vor seinem 91. Geburtstag, hat er seine zweite Frau Gerda geheiratet. „Ich dachte, wenn die Leute sonst keinen Grund zum Reden haben, gebe ich ihnen mal einen“, scherzt der Mann mit der tiefen Stimme und hat seinen Spaß am verblüfften Gesicht seines Gegenübers. „Ich hatte einfach Glück in meinem Leben“, sagt Ewald. „Richtig viel Glück.“

„Sie war viel jünger und ich hatte auch nur die Badehose an - ich habe sie trotzdem einfach angesprochen.“

Dazu zählt der Kleinengliser die erste Ehe mit seiner Frau Lisbeth, die er im Krieg in Schleswig-Holstein kennengelernt hatte. Nach Kriegsende habe er sie dort oben im Norden besucht und sie so abgemagert vorgefunden, dass er ihr ohne zu überlegen vorschlug: „Komm mit mir heim nach Borken, da hast du es gut und viel zu essen.“

Lisbeth zögerte nicht und kam nach Kleinenglis. Die beiden heirateten, bauten 1952 ein hübsches Haus, bekamen einen Sohn und eine Tochter. Hans Ewald arbeitete im Kraftwerk, 40 Jahre lang. Das war nicht nur ein Job, das war eine Herzenssache: Er stieg zum Meister und Obermeister auf, gründete den Kraftwerk-Gesangverein „Kabelsalat“ und sang bis vorige Weihnachten in der Chorgemeinschaft Kleinenglis/Arnsbach.

„Ich habe wirklich ein gutes Leben“, sagt Ewald immer wieder. Aber natürlich hatte auch das gute Leben seine Schattenseiten: 1990 verunglückte sein Sohn tödlich, vor neun Jahren starb seine Frau. „Aber was nutzt es, nur zu jammern und zu klagen? Nichts“, sagt er. In den schlimmen Zeiten kam ihm sein Talent zugute, das Glück zu erkennen, wenn er es sieht - und es dann auch am Schopfe zu packen.

So wie an dem Tag im Bad Zwestener Bewegungsbad, als ihm eine attraktive Frau auffiel. „Sie war viel jünger und ich hatte nur die Badeshose an - ich habe sie trotzdem angesprochen“, sagt er. Mit Erfolg: „Er hat einen unglaublichen Witz und Humor“, sagt die 77-Jährige, die erst kurz zuvor von Hamburg zu ihrer Tochter nach Bad Zwesten gezogen war. Dass Hans Ewald aber noch im selben Jahr 90 Jahre alt werden würde, das hätte Gerda Ewald bei ihrer ersten Begegnung wirklich nicht geglaubt. „Ich hätte ihn höchstens auf 80 geschätzt. Man sieht ihm das Alter einfach nicht an.“

Und auch nicht seine große Entscheidungkraft: Hans Ewald machte ihr bald einen Antrag, ein Jahr später waren sie verheiratet. „Wieder einfach nur großes Glück gehabt“, sagt Ewald zufrieden.

Vielleicht es es die Neugier aufs Leben, die den 92-Jährigen so wach und jung hält. Ewalds verreisen regelmäßig, am liebsten an die Ostsee, und unternehmen auch sehr gerne Ausflüge mit dem Auto. Das steuert dann immer Hans Ewald. „Er will nicht, dass ich fahre“, sagt Gerda Ewald. „Er sagt, ich wäre viel zu langsam unterwegs.“

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