Der Heilige Abend im Wohnwagen: Ehepaar verbringt Weihnachten auf dem Campingplatz

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Ein Camperherz und eine -seele: Michael Rost (links) ist der neue Ansprechpartner auf dem Jesberger Campingplatz. Werner Kock ist sein Stellvertreter. Für den Mann aus dem Harz und dessen Frau Hildegard ist Jesberg längst ein zweites Zuhause.

Jesberg. Weil sie die Ruhe und die freundlichen Menschen so mögen, verbringen Werner und Hildegard Kock aus Clausthal-Zellerfeld viel Zeit auf dem Campingplatz in Jesberg. Auch das Weihnachtsfest verleben sie dort.

Werner Kock hat in diesem Jahr den Albtraum eines jeden Wohnmobilisten erlebt: Er stand im Schlafanzug vor seinem lichterloh brennenden Fahrzeug.

Das war in einer kalten Nacht im März wegen eines technischen Defekts auf dem Jesberger Campinplatz in Flammen aufgegangen. Zusammen mit vielen Dingen, an denen Werner und Hildegard Kock hingen - sie hatten am nächsten Tag auf eine dreimonatige Reise durch Kroatien gehen wollen. „Wir haben wirklich viel geweint in jener Zeit“, sagte Hildegard Kock.

Weihnachten am Lieblingsort

Dennoch hat das Erlebnis die Begeisterung für Jesberg nicht gedämpft. Das Paar verbringt viele Wochen im Jahr auf dem Campingplatz, hat dort längst eine feste Parzelle gemietet. Eigentlich wohnen die Kocks in Clausthal-Zellerfeld, doch ist das Leben im Wohnwagen zurzeit einfach: Hildegard Kock hatte gerade erst eine Rücken-Operation, sie darf keine Treppen steigen. Die Wohnung im Harz aber liegt im zweiten Obergeschoss - ist also mit all den Stufen quasi unerreichbar für die 65-Jährige. Deshalb stand für die beiden schnell fest, wo sie Weihnachten feiern würden: an ihrem Lieblingsort, dem Jesberger Campingplatz.

Himmlische Ruhe

Vor sieben Jahren landeten sie auf einem Zwischenstopp in den Süden per Zufall dort. Statt wie geplant nur eine Nacht blieben die beiden eine ganze Woche dort. Und kommen seitdem immer wieder. „Es ist einfach himmlisch ruhig hier“, sagt Hildegard Kock.

„Der Platz ist für viele Camper längst eine zweite Heimat.“

Kocks haben sich häuslich eingerichtet auf dem Platz, selbst ihr Kater Obelix fühlt sich im muckelig warmen Wohnwagen wohl, der das ganze Jahr über in Jesberg steht. Der rot-weiße Kater liegt im obersten Regalbrett und beobachtet das Treiben in der winzigen Küche. Doch trotz ihrer überschaubaren Größe ist sie ein prima Partyraum: Neulich haben die Kocks dort zu zehnt gesessen und Rippchen gegessen.

Die Nachbarschaft auf dem Platz sei ausgesprochen gut, die Menschen in Jesberg ungewohnt freundlich: „Man fühlt sich hier richtig willkommen“, sagt der 56-Jährige. Längst ist er nicht nur mehr Camper, sondern auch Stellvertreter des neuen Platzwarts.

Michael Rost (58) ist seit Juli Ansprechpartner für Camper und Verwaltung. Er verbringt die Vormittage auf dem Platz, an dem über Weihnachten zwar nur wenig, ab dem zweiten Feiertag dafür jede Menge los ist.

„Der Platz ist für viele Camper längst eine zweite Heimat, da wollen sie natürlich auch von hier ins neue Jahr starten“, sagt Michael Rost. Kocks nicken. Das Wetter macht ihnen nichts aus: Als echte Camper kennen sie keine Kälte.

Natürlich sei es im Sommer auch schön, sagt Hildegard Kock und verweist aufs Schwimmbad und auf die vielen Feste am Platz. Aber auch im Winter sei Jesberg super.

Noch immer kämpfen die Kocks mit ihrer Versicherung, suchen nach einem Weg, wieder ein Wohnmobil anschaffen zu können.

In Kroatien waren sie in diesem Jahr übrigens nicht. Dafür aber den ganzen Sommer über in Jesberg. „Und das war auch richtig schön“, sagt Hildegard Kock bestimmt. Für sie ist Nordhessen vor allem eines: ein Urlaubsparadies. Michael Rost hört‘s und nickt. Der gebürtige Franke sieht es genauso.

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