Gesund leben und schlank bleiben 

Heilpraktikerin Bettina Hauenschild ist Expertin für Kräuter und gute Ernährung

Ein Leben ohne Kräuter ist für Heilpraktikerin Bettina Hauenschild aus dem Borkener Stadtteil Nassenerfurth undenkbar. Wer gesund leben und schlank bleiben will, braucht aus ihrer Sicht unbehandelte, frische Nahrungsmittel und erstaunlicherweise viel Fett.

Braucht die Welt mehr Kräuter?

Die Welt braucht vor allem mehr Menschen, die sie auf den Tisch bringen und sie einsetzen: Die Kräuter sind doch schon alle da, sie wollen heilen und ernähren.

Die Wenigsten wissen aber, wie man sie anwendet. Warum ist das so?

Das Wissen um gute Ernährung ist mit dem Darben und Hungern im Krieg verloren gegangen: Früher hat man Obst gedörrt, Bucheckern gesammelt, Kräuter getrocknet – im Optimismus der Nachkriegsjahrzehnte hielt man das nicht mehr für notwendig. Man ging irgendwann nicht mehr in den Keller, sondern in den Supermarkt.

Weil?

Weil wir in diesen farbenfrohen 1970er-Jahren die Verantwortung über unsere Ernährung an die Industrie abgegeben haben. Gewiefte Werbung spricht seit Jahrzehnten unsere Instinkte an, redet uns Bedürfnisse ein, die wir gar nicht haben. Man sieht es ja, dass es funktioniert und was gerade passiert ist: Wir greifen immer wieder zu Fast Food, obwohl uns doch eigentlich klar ist, dass es uns nicht guttut.

Aber ist denn Fast Food wirklich so schlimm?

Ja. Ist es. Die Transfettsäuren und künstlichen Stoffe machen nicht nur dick und süchtig, sondern auch die Gefäße über Stunden hinweg hart und dicht. Irgendwann wird das Phänomen chronisch – und dann wundert man sich, dass man Diabetes oder Arteriosklerose hat. Wir haben vergessen und verlernt, wie gut einfache Dinge tun. Wie lecker frische Brennesseln, Giersch oder Kapuzinerkresse schmecken.

Das muss man sich ja erst einmal trauen, Blumen und Unkraut zu essen.

Genau darum geht es doch: Dass wir vergessen haben, dass man so viele Pflanzen und sogar „Unkraut“ essen kann. Die Leute sammeln oft keine Blaubeeren mehr, weil sie das Vertrauen verloren haben: Der Fuchsbandwurm könnte schließlich an den Beeren haften. Aber wieso sollte das bei Beeren in der Plastikbox anders sein? Auch sie sind nicht im Labor, sondern auf Feldern gewachsen. Aber mit genau solchen Verdachtsmomenten unterhöhlt man das Vertrauen in gute, natürliche Lebensmittel.

Aber es gibt doch auch immer mehr Bio-Obst.

Als Nischenprodukte! Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre es, dass das System im Supermarkt genau anders herum wäre. Bio-Produkte müssten als das Maß aller Dinge gelten. Obst und Gemüse dagegen, die mit Pestiziden und Giften behandelt wurden, bevor sie ins Regal sortiert wurden, müssten als konventionelle, also behandelte Ware ausgewiesen werden. „Konventionell“ wären dann im Wortsinn die traditionell, also ohne Chemie-Einsatz hergestellten Lebensmittel.

Das würde vielen Erzeugern wohl nicht besonders gut gefallen.

Wir müssen alle umdenken. Mit Giftstoffen Nahrung zu produzieren, war einfach keine gute Idee, das wird durch die vielen Krankheiten immer deutlicher. Wir müssen sozusagen Ernährung neu erlernen. Es gibt so viele stark übergewichtige Menschen wie nie zuvor. Und wie sollen sie abnehmen? Indem sie auf Fette verzichten. Das ist das Credo der Diätindustrie – und totaler Unsinn. Der Körper braucht gute Fette.

Mein Opa hat immer gesagt „Essen muss glänzen“. Hatte er damit wirklich Recht?

Hatte er. Kohlehydrate ziehen eine Insulinreaktion nach sich, und die löst Hunger aus. Essen aber, das mit Leinöl, Walnussöl oder Rapsöl versehen ist, das macht nicht nur lange satt, sondern auch glücklich. Denn diese Öle enthalten viel Omega-3-Fettsäuren, die unser Körper braucht und die antientzündlich wirken.

Das hat man aber auch nicht immer dabei, wenn man zum Beispiel auf der Autobahn unterwegs ist.

Das ist aber gar nicht schlimm: In solchen Fällen, das ist mein Rat, sollte man lieber gar nichts essen, als am Rasthof zu stoppen, um Burger zu bestellen. Das viel zitierte Intervall-Fasten ist wirklich gut für den Körper: Wenn man 16 Stunden auf Nahrung verzichtet, hat der Körper Zeit, Speicher leer zu räumen und ein Selbstreinigungsprogramm zu starten. Das ist gesund: Der Mensch ist gar nicht auf ständiges Essen ausgelegt.

Wer sich gesund ernähren will, der sollte also...

... so lokal und saisonal wie möglich essen. Den Verzehr von Eiweiß und Fleisch reduzieren und vor allem zu Bioprodukten greifen. Neben vielen anderen Vorteilen ist bei ihnen der Anteil an Antioxidantien besonders hoch. Die brauchen wir, um gesund alt werden zu können.

Ein Tipp, wie man jeden Tag ohne logistischen Aufwand etwas für seine Gesundheit tun kann?

Ja. Einen ganz simplen: Immer wieder mal kalte Kartoffeln essen. Oder kalten Reis. Wenn die Kartoffel kalt geworden sind, hat sich die Stärke so verwandelt, dass sie erst im Enddarm aufgenommen wird: und das ist hervorragend für die Darmflora.

Was ist noch wichtig, um gesund zu bleiben?

Kräuter. So viele wie möglich. So oft wie möglich. Ganz gleich welche. Jedes Töpfchen Schnittlauch oder Basilikum auf dem Balkon, jedes Sträußchen Petersilie ist gut für die Gesundheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.