Ehemalige Heimkinder erheben Vorwürfe

Hephata plant Erklärung zu Missbrauch

Schwalmstadt. Ein weiteres Kapitel in der Folge von Missbrauchsfällen in Heimen ist seit gestern öffentlich aufgeschlagen: Das Hessische Diakoniezentrum Hephata will am Montag eine öffentliche Erklärung zu Vorfällen in Treysa abgeben.

Es geht, so die Einladung zu einem Pressegespräch, um die „Aufarbeitung der Heimkindererziehung in den 1950er bis 1970er-Jahren in Einrichtungen des damaligen Hephata“. Hintergrund: „In den vergangenen Monaten haben 15 ehemalige Heimkinder teilweise schwere Vorwürfe gegen die Heimerziehung des damaligen Hephata erhoben.“

Die Einrichtung wolle den Betroffenen bei der Bewältigung ihrer Vergangenheit helfen. Sie sollen die Gelegenheit bekommen, den Kontakt zu weiteren ehemaligen Heimkindern zu knüpfen.

Seit 100 Jahren gibt es innerhalb der Hephata-Diakonie auch Jugendhilfe. Im jüngsten Jahresbericht wird das Jubiläumsjahr 2008 ausdrücklich gewürdigt: „Natürlich gehört auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Einrichtungsgeschichte dazu.“

Hephata-Direktor Peter Göbel-Braun schreibt auf der Homepage des Diakoniezentrums, dass in Deutschland schätzungsweise 800 000 Kinder und Jugendliche zwischen 1950 und den 1970er-Jahren in Erziehungsheimen untergebracht waren, etwa zwei Drittel davon in Einrichtungen der kirchlichen Wohlfahrt oder von Ordensgemeinschaften. In allen herrschten „für heutige Verhältnisse indiskutable materielle und pädagogische Rahmenbedingungen“. Viele dieser Kinder und Jugendliche wurden „misshandelt, entwürdigt und zur Arbeit gezwungen“. Göbel-Braun weiter: „Auch die Heimerziehung in Hephata litt unter den miserablen Finanzierungs- und Personalbedingungen.“

Dem wolle sich die Einrichtung stellen und verantwortungsvoll damit umgehen. Auf seiner Homepage ruft Hephata seit Monaten ehemalige Heimzöglinge auf, sich zu melden. Sechs Ehemalige der Jugendhilfe, „denen damals Leid zugefügt wurde“, hätten sich gemeldet, ist auf hephata.de zu lesen.

„Wir hoffen, dass sich möglichst viele ehemalige Heimkinder mit uns in Verbindung setzen und uns ihre Lebensgeschichte und Erfahrungen erzählen“, schreibt Göbel-Braun. Die Bedingungen von damals seien heute nicht mehr vorstellbar, seit den 70er-Jahren habe sich die Jugendhilfe grundsätzlich gewandelt. „Längst nicht alle Heimkinder erlitten Gewalt.“

Direktorin Barbara Eschen erklärte gestern, aus Rücksicht auf die Betroffenen werde man vor dem Pressetermin keine Einzelheiten nennen.

Von Anne Quehl

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