Abgemagert und verfilzt

15 Rassekatzen einfach weggeworfen: Eine ist bereits gestorben

Wurden ausgesetzt: Die Katzen waren stark abgemagert - wogen nur zwischen 1,6 und 3,7 Kilogramm.
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Wurden ausgesetzt: Die Katzen waren stark abgemagert - wogen nur zwischen 1,6 und 3,7 Kilogramm.

Insgesamt 15 Edelkatzen in sehr schlechtem Zustand wurden in den vergangenen Wochen in Homberg und Borken gefunden.

  • Insgesamt 15 Edelkatzen wurden in Homberg und Borken in Nordhessen einfach weggeworfen.
  • Tierschutzverein Homberg-Borken hat die Tiere in den vergangenen Wochen aufgesammelt.
  • Die Polizei hat die Besitzerin mittlerweile ermittelt

Update, 03.01.2020, 15.06 Uhr: Die Besitzerin der ausgesetzten Rassekatzen ist ermittelt. Das teilt Polizeisprecher Volker Schulz der Polizeidirektion Schwalm-Eder in Nordhessen mit. 

Die Züchterin lebt in Stadtallendorf im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. 

Sie soll Tiere der Katzenrassen British Kurzhaar und British Langhaar bei Minusgraden rund um Homberg und Borken ausgesetzt haben. Die Polizei konnte die Besitzerin dank eines Chips ermitteln. Er war einer der Katzen unter die Haut implantiert. 

Hessen: Eine Katze ist an Hunger und Unterkühlung gestorben

Der Tierschutzverein Homberg/Borken betreut 15 Tiere. Das Tierheim Cappel drei weitere. Eine Katze ist bereits an Hunger und Unterkühlung gestorben, teilt die Polizei mit. Laut Polizei handelt es sich bei diesem massiven Verstoß gegen das Tierschutzgesetz nicht um eine Ordnungswidrigkeit - sondern um eine Straftat. 

Erstmeldung, 31.12.2019, 09.00 Uhr: Abgemagert, verfilzt, krank, ungepflegt – das sind Worte die einem normalerweise beim Gedanken an Edelkatzen nicht als erstes durch den Kopf gehen. Anders ist das in diesen Tagen bei Sonja Hentschel-Dörr vom Tierschutzverein Homberg-Borken.

Hessen: Katzen wurden bei Minusgraden in sehr schlechtem Zustand gefunden

Sie ist mittlerweile ratlos. „Jemand wirft diese Katzen einfach weg“, sagt sie mit Blick auf die 15 Tiere, die der Verein in den vergangenen drei Wochen aufgelesen hat. Die Katzen der Rassen Britisch Kurzhaar und Britisch Langhaar wurden bei Minusgraden in Homberger Ortsteilen und in Borken aufgefunden, wie etwa in Lendorf. Allesamt in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. 

Doch Hentschel-Dörr und ihr Team setzen gemeinsam mit der Hilfe von Tierärzten alles daran, dass es den Katzen bald besser geht.

Wer erkennt die Katzen und kann Hinweise auf den Besitzer geben? Der Tierschutzverein Homberg-Borken hofft auf Zeugen.

Tierschutzverein Homberg-Borken ist sicher: "Alle Katzen sind völlig verängstigt"

Doch: Die Tierschützerin ist sich sicher, „das kann kein Zufall sein“. „Die Katzen sind verwahrlost, litten Hunger“, beschreibt sie. „Zwei der Katzen haben wir dicht aneinander gekuschelt auf dem Sims eines Kellerfensters in Borken gefunden. Alle Katzen sind völlig verängstigt“, sagt sie.

Rassekatzen kosten ab 600 Euro - Eine Zeugin hat sich bereits gemeldet

Wie genau die wertvollen Katzen – in gutem Zustand kann man die Rassekatzen ab 600 Euro von Züchtern kaufen – an die Fundorte gelangten, ist zunächst noch unklar. 

Einen Hinweis von einer Hombergerin gibt es jedoch schon: Die Zeugin will gesehen haben, wie ein in Jogginghose gekleideter, großer und schlanker Mann mit einem auffälligen Katzenkorb die Salzgasse in Homberg passierte. Als sie den Korb später vor einer Haustür abgestellt fand, war der leer, jedoch übersäht mit weißen und grauen Katzenhaaren. 

„Die Haare passen zu den Fellfarben der Tiere, die in unmittelbarer Nähe gefunden wurden“, ist sich Hentschel-Dörr sicher. Und: „Es handelte sich um eine platzsparende Züchterbox“, sagt sie. 

Mögliches Motiv könnte Auflösung einer Zucht sein - die Katzen kennen sich

Genau das untermauert einen Verdacht der Tierschützer: Ein mögliches Motiv für die Taten könnte die Auflösung einer Zucht sein, da sich alle Katzen bereits kennen. „Wir haben getestet, wie die Katzen reagieren, wenn sie aufeinandertreffen“, erklärt sie. 

Die Katzen sind mittlerweile in Pflegestationen untergebracht und werden aufgepäppelt.

Die Katzen seien direkt aufeinander zugelaufen – ein Zeichen dafür, dass sie sich nicht fremd sind. „Sich fremde Katzen fauchen und sträuben sich gegen die unbekannten Tiere, diese hier kennen sich aber ganz eindeutig.“ Für Hentschel-Dörr steht fest: „Das ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft.“ Denn das Aussetzen sei eine Straftat.

Stark abgemagert: Ein Kater wog nur noch 1,6 Kilogramm

Die Edelkatzen sind derzeit in unterschiedlichen Pflegestationen untergebracht und werden aufgepäppelt. Ein Tier war zur Beobachtung in der Obhut einer Tierärztin. Auch ein weiterer Kater verbrachte mehrere Tage in der Praxis. „Er wog nur noch 1,6 Kilogramm und musste stationär behandelt werden.“ Das Normalgewicht der Britisch Kurzhaar liege bei fünf bis sechs Kilogramm, so die Expertin.

Tierschutzverein Homberg-Borken hofft nun auf weitere Zeugen

Sonja Hentschel-Dörr hofft nun auf die Unterstützung der Öffentlichkeit. Konkret: auf Zeugen. „Wir sind dankbar für jeden Hinweis, der uns ein Stück näher an die Täter bringt.“ 

Eng wird es, sollten weitere Tiere auftauchen. Die Plätze der Pflegestationen sind restlos besetzt. „Die meisten der Katzen können nicht schnell an neue Besitzer vermittelt werden, da sie sich erst einmal von den traumatischen Erlebnissen erholen müssen.“

Hinweise: Tierschutzverein Homberg-Borken, Tel. 06693/1477.

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