Einsamkeit gibt Sicherheit

Hessentagspaar erlebt Coronakrise in Lappland

Anja und Jörg Hassenpflug
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Allein in der Wildnis: Anja und Jörg Hassenpflug haben im schwedischen Lappland in Zeiten von Corona keine Urlaubsgäste mehr. 

Anja und Jörg Hassenpflug haben einen anderen Blick auf das Leben in Zeiten der Coronapandemie:

Sorsele– Das ehemalige Homberger Hessentagspaar lebt im schwedischen Lappland. Dort herrscht ein etwas anderer Umgang mit dem Virus.

Hassenpflugs leben inmitten der Natur. Sorsele, das im Westen des Distrikts Västerbottens liegt, zählt zu den am dünnsten besiedelten Gegenden Europas. 2500 Menschen wohnen in einem Gebiet, das etwa dem zwischen Hamburg und Dortmund entspricht. „Wir treffen dort niemanden, wenn wir es nicht wollen“, sagen sie.

Trotzdem müsse man einkaufen und das Auto zur Werkstatt bringen. Das könne man in Schweden noch tun. Anja Hassenpflug arbeitet im Kindergarten in Sorsele. Die „Förskola“, die Vorschule, hat geöffnet, genauso wie die Schulen. Kinos, Restaurants und Kneipen seien noch geöffnet. Allerdings gebe es in Sorsele weder eine Kneipe noch ein Kino, da vermisse man nichts, was es ohnehin nicht gebe.

Coronavirus auch in Schweden Thema Nummer 1

Dennoch sei das Coronavirus auch in Schweden Thema Nummer 1. Im Kindergarten übe man das Händewaschen, und erkläre, warum es wichtig sei, die Großeltern zurzeit nicht zu besuchen, sagt Anja Hassenpflug. Auch persönlich ist das Paar betroffen. Die Wintersaison sei eingebrochen, die letzten Gäste seien Mitte März abgereist. Seitdem sei es auf dem Hof und in den Ferienhäusern still.

Menschenansammlungen von mehr als 49 Leuten seien verboten. Ansonsten gebe die Regierung nur Empfehlungen ab. Dazu gehöre es, im Homeoffice zu arbeiten, auf Reisen zu verzichten, zu Hause zu bleiben. „Die Schweden halten sich daran“, sagt Jörg Hassenpflug. Die Erklärung dafür sehen sie in deren Mentalität. Der Schwede sei ein gelassener Mensch. Entscheidungen in Schweden bedürften einer gründlichen Prüfung und würden meist im Einvernehmen gefällt. Das gelte für Wirtschaft und Politik, selbst in Familien finde man dieses Phänomen. Das sei typisch schwedisch und könne hin und wieder nerven – wenn auch das einer der Gründe gewesen sei, warum sie nach Schweden ausgewandert seien. Dennoch hat das Paar geteilte Meinungen zum Umgang mit Corona. Für Anja ist es ein schönes Gefühl, dass die Mitmenschen einen kühlen Kopf bewahren und einen eigenen Weg finden wollen. 

Einsam in der Coronakrise

Im Moment fühle sie sich noch wohl und sei froh, weit ab von anderen Menschen zu sein und Begegnungen kontrollieren zu können. In Jörg Hassenpflugs Brust schlagen zwei Herzen: Der Hof liegt einsam, selbst der Postbote lege die Briefe in den einen Kilometer entfernten Briefkasten. Infizieren könne man sich da nicht. Doch könne Lappland besonders betroffen sein, sollte sich der Umgang Schwedens mit dem Virus als falsch herausstellen. Es lebten viele alte Menschen dort. Das nächste Krankenhaus sei 160 Kilometer entfernt, qualifizierte Intensivpflege gebe es erst an der 300 Kilometer entfernten Küste. Die Ungewissheit, wann sie wieder nach Deutschland reisen können, um Familie und Freunde zu sehen, stimme ihn traurig. Sie lebten gern in Schweden, ihre Heimat sei aber immer noch Homberg.

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