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Hilferuf des Stolin-Vereins in Homberg: „Ukrainer haben Hunger“

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Von: Maja Yüce

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Kleiderkammer des Partnerschaftsvereins Homberg-Stolin in Homberg: Was nun verstärkt und dringend benötigt wird, sind Lebensmittel und Getränke, so Tanja Fennel-Trieschmann, Valentina und Joachim Jerosch.
Kleiderkammer des Partnerschaftsvereins Homberg-Stolin in Homberg: Was nun verstärkt und dringend benötigt wird, sind Lebensmittel und Getränke, so Tanja Fennel-Trieschmann, Valentina und Joachim Jerosch. © privat

Einige aus der Ukraine Geflüchtete im Landkreis haben noch kein Geld vom Amt bekommen. Deshalb können sie sich keine Lebensmittel kaufen. Der Stolin-Verein in Homberg will helfen.

Homberg – Es ist ein Hilferuf, der nachhallt: „Die Menschen haben Hunger“, sagt Tanja Fennel-Trieschmann. Sie koordiniert für den Stolin-Verein die Versorgung von Flüchtlingen aus der Ukraine. Das Lager des Homberger Partnerschaftsvereins, der mittlerweile seit Monaten sehr aktiv ist, um Geflüchtete zu versorgen, sei noch immer recht gut gefüllt. Aber: „Woran es mangelt, sind Lebensmittel.“ Und die würden dringend benötigt. „Einige Geflüchtete haben noch kein Geld vom Amt bekommen und – Hunger. Sie können sich kein Essen und auch keine Getränke kaufen“, berichtet Fennel-Trieschmann von ihren Erfahrungen und Gesprächen. „Wir brauchen Hilfe!“, so ihr Aufruf. Denn es werden immer mehr Menschen, die nach Lebensmitteln fragen.

Es gebe zwar zur Überbrückung die Möglichkeit, pro Woche einen 30-Euro-Gutschein vom Landkreis zu bekommen, doch sei der bürokratische Aufwand recht hoch. „Wenn man dann weder Deutsch noch Englisch spricht, wird es ganz kompliziert“, sagt Fennel-Trieschmann. Hinzu komme, dass die Gutscheine eigentlich eine Art Vorschuss seien, den man dann wieder zurückzahlen müsse. „Wir haben mit Frauen gesprochen, die 105 Euro im Monat bekommen und Gutscheine für vier Wochen zurückzahlen mussten. Dann ist man einen Monat ohne Geld“, sagt sie.

Stolin-Verein in Homberg: Haltbare Lebensmittel werden dringend benötigt

Fennel-Trieschmann betont, dass die Hilfesuchenden längst nicht nur aus Homberg kommen. „Die Leute reisen aus dem ganzen Landkreis mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Homberg.“ Dass Geflüchtete kommen und auf der Suche nach Kleidung, Hygieneartikeln und mehr seien, ist für das Team des Stolin-Vereins fast schon Alltag. Doch dass nun auch Menschen dabei sind, die hungern, das geht den Helfern besonders nah.

Dann erzählt Tanja Fennel-Trieschmann von drei Männern, die täglich zur Kleiderkammer des Vereins kommen, um nach Essen für den jeweiligen Tag zu fragen. „Damit sie über die Runden kommen“, sagt sie und schweigt. „Ich bin lösungsfixiert“, sagt sie dann und spricht davon, dass es bereits eine Liste gebe mit Dingen, die dringend benötigt werden (siehe Hintergrund). Wichtig sei, dass es vorwiegend haltbare Lebensmittel seien. „Aber natürlich können wir auch frische Waren kühlen und gezielt verteilen“, sagt sie.

Was dringend benötigt wird

Konserven aller Art, Reis, Nudeln, Tütensuppen, Dosensuppen, Haferflocken, Müsli und Ähnliches werden gebraucht. „Aber auch Eingemachtes wie Marmelade oder Wurst im Glas“, sagt Tanja Fennel-Trieschmann. Zucker, Knäckebrot, Zwieback, Mehl, haltbare Milch, Tee, Getränke wie Schorle, Wasser und vieles mehr. „Es können auch frische Sachen abgegeben werden, wie Äpfel und anderes Obst und Gemüse. Aber bitte keine Erdbeeren, die halten sich nicht lange“, sagt sie. Abgabe: Montag und Mittwoch 10.30 bis 18 Uhr, Freitag (heute) 16 bis 19 Uhr und Samstag, 10 bis 13 Uhr. Dörnberg-Kaserne, Hans-Scholl-Straße, Gebäude A1, Homberg. may

Und dann betont sie noch, dass das Angebot des Stolin-Vereins keine Konkurrenz zum Tafel-Laden der Diakonie sei. „Wir sind eine Ergänzung. Auch die Teams des Tafel-Ladens und des Ein-Ladens seien derzeit sehr stark gefordert. „Wir arbeiten Hand in Hand, um zu helfen“, so Fennel-Trieschmann.

Stolin-Verein in Homberg: Hilfe für hungrige Ukrainer

Das sieht auch der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Joachim Jerosch, so. Auch er ist betroffen von den Gesprächen mit einigen Menschen aus der Ukraine, die von Hunger erzählten und davon, keinen Cent zu haben, um sich Lebensmittel zu kaufen.

„So etwas geht einem nicht mehr aus dem Kopf“, sagt Fennel-Trieschmann. „Es ist erschreckend und besorgt uns ehrenamtliche Helfer extrem, dass die Menschen nicht genug zu essen haben“, sagt sie. Doch fehlten dem Stolin-Verein die Kapazitäten, um zum Beispiel auch noch zusätzlich regelmäßig zu kochen. „Vielleicht gibt es aber einen Landfrauenverein – oder mehrere – die sich das vorstellen und den Menschen helfen könnten“, sagt Fennel-Trieschmann und hofft auf Unterstützung.

Der Stolin-Verein hat seine Kleiderkammer mittlerweile in „Alles-Laden“ umbenannt. „Weil man bei uns alles bekommt“, sagt Fennel-Trieschmann. Und sie setzt sehr darauf, dass ihr Hilferuf laut nachhallt und es möglichst schnell auch ausreichend Lebensmittel in dem „Alles-Laden“ des Stolin-Vereins gibt.

Das sagt der Landkreis: Schiere Masse von Anträgen sorgt für längere Bearbeitungszeiten

2119 Menschen aus der Ukraine sind bei der Ausländerbehörde des Kreises registriert. 1100 Anträge wurden bislang von der Betreuungsstelle für Flüchtlinge des Kreises erstellt. Hinter jedem Antrag stehen oft mehrere Personen im Sinne von Familien, so der Landkreis auf HNA-Anfrage. 1025 der Anträge seien bearbeitet, 75 noch nicht erfasst.

Die Betroffenen könnten aber mit Kostenübernahmescheinen versorgt werden. Dass es eine längere Bearbeitungsdauer gebe, liege an der anfangs schieren Masse von Anträgen. Durch den Rechtskreiswechsel zum SGB II (Jobcenter) ab Juni nehme die Zahl der Neuanträge und damit die Bearbeitungsdauer bei der Betreuungsstelle des Kreises ab. Allerdings ist der Umkehrschluss, dass sie beim Jobcenter entsprechend zunimmt.

Durch die Ausgabe der Kostenübernahmescheine sei die Versorgung mit den wichtigsten Dingen sichergestellt, sofern Registrierung und Antragstellung erfolgt sind. Es sei aber nicht auszuschließen, dass es auch Personen gibt, die sich im Landkreis aufhalten und sich weder bei der Ausländerbehörde des Kreises noch beim Sozialamt oder dem Jobcenter gemeldet haben. (Maja Yüce)

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