Erntegespräch mit dem Regionalbauernverband

Hitze und Regen mindern die Getreide-Erträge im Landkreis

Die Teilnehmer des Erntegesprächs: von links Frank Käufler vom Arbeitskreis Ackerbau, Karsten Schmal, Präsident des Regionalbauernverbands, Landwirt Jörg Kramm, Christine Weingarten, Öffentlichkeitsarbeit Regionalbauernverband, Julia Link, Fachbereich Landwirtschaft und Landentwicklung Schwalm-Eder-Kreis und Landwirt Philipp Rudolph.
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Die Teilnehmer des Erntegesprächs: von links Frank Käufler vom Arbeitskreis Ackerbau, Karsten Schmal, Präsident des Regionalbauernverbands, Landwirt Jörg Kramm, Christine Weingarten, Öffentlichkeitsarbeit Regionalbauernverband, Julia Link, Fachbereich Landwirtschaft und Landentwicklung Schwalm-Eder-Kreis und Landwirt Philipp Rudolph.

Regionalbauernverband und Landwirte im Schwalm-Eder-Kreis ziehen Bilanz zur Ernte. Mal wieder waren die Bedingungen, unter denen die Landwirte arbeiten mussten, nicht ideal.

Die Landwirte sind erleichtert, dass es nicht den vierten trockenen Sommer in Folge gab, das sagt Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbands beim Erntegespräch auf dem Hof von Philipp Rudolph in Niederurff.

Ganz zufrieden ist Rudolph wie viele seiner Kollegen mit der Getreideernte dennoch nicht. Denn im Frühjahr konnten sie noch auf bessere Erträge hoffen, als sie letztendlich bekamen.

„Die Pflanzen haben sich völlig übernommen“, sagt Rudolph. Das Getreide setzte im Mai viel Korn an, doch dann kam im Juni die erste Hitzewelle. „Der Juni war der wärmste seit Beginn der Messungen im Jahr 1881“, sagt Schmal. Die Folge: Die Körner wurden nicht voll ausgebildet. Sie blieben klein und leicht. Der Grund: Die Pflanzen stoppten den Stoffwechsel. An einigen Standorten schmälerte es den Getreideertrag um bis zu 20 Prozent, dies sei beispielsweise in Wabern der Fall gewesen.

Viel Regen minderte Getreideerträge im Landkreis

Das regnerische Wetter im Juli und August wirkte sich ebenfalls negativ auf Menge und Qualität aus. Unkräuter und -gräser wuchsen üppig und sorgten dafür, dass einige Biobauern, die keine Pflanzenschutzmittel einsetzen, ihre Felder nicht abernten konnten. Sie mussten alles mulchen, so Schmal.

Punktuell, beispielsweise in Jesberg, verzögerte und erschwerte Starkregen im August die Ernte, da Getreide und Boden erst trocknen mussten. Das führte zu Einbußen bei Weizen und Roggen, so Frank Käufler vom Arbeitskreis Ackerbau. „Die Gerstenerträge waren im Verhältnis ordentlich.“

Getreideernte dauerte extrem lang

Allerdings seien auch hier die Erträge unterdurchschnittlich. Überdurchschnittlich groß hingegen seien vielerorts die Stroh- und Heumengen. Die Getreideernte dauerte rund acht Wochen, so Käufler – von Anfang Juli bis Anfang September. „Das ist extrem lang.“ Ausgeglichen wird der geringere Ertrag vom Aufwärtstrend der Weizenpreise, so Käufler.

Während die Rapsernte unterdurchschnittlich gewesen sei, sieht der Silomais laut Schmal gut aus, ist aber später als gewöhnlich erntereif. Auch bei den Zuckerrüben sei guter Ertrag zu erwarten.

Klimawandel und seine Folgen stellt Landwirte vor Herausforderungen

Mal wieder waren die Bedingungen, unter denen die Landwirte arbeiten mussten, nicht ideal. Der Klimawandel sorgt für neue Herausforderungen. Für die Landwirte werden die Fragen: „Welche Kulturen baue ich an?“ und „Wie verändere ich die Fruchtfolge?“ immer wichtiger.

Die Erträge

Das Frühjahr ist laut Frank Käufler vom Arbeitskreis Ackerbau bis in den April extrem kalt gewesen. Dann folgte im Juni eine Hitzewelle. Der weitere Sommer war von Gewittern, Starkregen und fehlendem Sonnenschein geprägt. Das führte, so Käufler, dazu, dass Böden mit hohem Wasserhaltevermögen, wie in Fritzlar und Gudensberg und südlicher Schwalm, kaum bis gar nicht befahrbar waren. Stellenweise sei es zum vollständigen Abtrag von Ackerflächen und Lagergetreide (umgeknickte Halme) gekommen.

Leichte Böden waren in diesem Jahr im Vorteil

Im Vorteil waren hingegen Landwirte mit „leichten Böden“, da diese das Wasser drainieren – das heißt, es fließt ab ins Grundwasser. „Die Ernte dort fiel überraschend gut aus“, sagt Käufler. In schweren, fruchtbaren Böden, wie es sie beispielsweise bei Wabern, Besse und Kleinenglis gibt, staute sich das Wasser hingegen. Die Folge: große regionale Unterschiede bei der Erntemenge.

Dies zeigte sich besonders bei der für den Schwalm-Eder-Kreis wichtigsten Getreideart, dem Winterweizen, dessen Erträge zwischen 60 bis 90 Dezitonne je Hektar schwankten und damit ein Minus von neun Prozent zum Vorjahr mit sich bringt. Stellenweise sei der Proteingehalt so niedrig gewesen, dass es sich das Korn nur noch für Tierfutter eignete. Kartoffeln und Kohl litten vielerorts unter den starken Regenfällen. In vielen Kartoffelbeständen kam es zu Kraut- und Knollenfäule, beim Kohl sind vollgesogene, schwammige Blätter die Folge.

Die Bodennutzung

Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Hatte sich die Anbaufläche des Winterrapses aufgrund von Schwierigkeiten im Anbau und der Vermarktung in den vergangenen Jahren erheblich reduziert, kamen in diesem Jahr laut Käufler 100 Hektar Anbaufläche dazu.

Bodennutzung im Landkreis weiterhin vielfältig

Die Bodennutzung im Kreis ist laut Julia Link, vom Fachbereich Landwirtschaft und Landentwicklung weiterhin vielfältig. So habe der Anbau von Quinoa, auch unter der Bezeichnung Andenhirse bekannt, zugenommen. Erstmals wurde Hanf auf vier Hektar im Schwalm-Eder-Kreis angepflanzt. Außerdem sei im Landkreis hessenweit die größte Fläche an Honigbrachen in Hessen zu finden.

Die Ökobetriebe

Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betriebe ist im Vergleich zum Vorjahr um fünf gestiegen. 112 von ihnen gibt es inzwischen im Schwalm-Eder-Kreis. Sie bewirtschaften etwa 6655 Hektar nach den Richtlinien der ökologischen Landwirtschaft. Das sind 6,8 Prozent der Betriebe und 9,1 Prozent der landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen.

In Hessen wirtschaften 13,8 Prozent der Betriebe (14,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche) nach den Richtlinien des ökologischen Anbaus.(Christina Zapf)

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