Wirtschaftsfaktor

Holz ist das Gold der Region

Kostbare Ware: Das Forstamt Jesberg versteigerte am Wertholzplatz am Obersten Holz solch mächtige Baumstämme wie die auf dem Foto. Foto:  Rohde

Fritzlar-Homberg. Es gibt beinahe nichts, was nicht aus einer nordhessischen Eiche werden könnte. Wenn das einer weiß, dann Karl-Gerhard Nassauer.

Der Leiter des Jesberger Forstamts hat gerade die 21. Verkaufsauktion auf dem Wertholzplatz bei Niedermöllrich hinter sich. Und dabei festgestellt, dass Eichenholz nach wie vor der ganz große Renner ist.

Denn die Kunden fertigen aus den dort gekauften Eichenstämmen längst nicht nur Massivholzmöbel: Sie werden zu Fußböden, Furnieren, Dekoren verarbeitet. Und da die Eichen-Vorräte in Frankreich anscheinend nicht mehr ausreichen, kaufen mittlerweile auch viele französische Fasshersteller nordhessische Eichen, um daraus jene Barrique-Fässer zu fertigen, in denen dann hochwertige Weine reifen.

Die Nachfrage ist ungebrochen hoch. Kein Wunder also, dass die Preise steigen. Kostete der Kubikmeter Eiche im vorigen Jahr noch 500 Euro, so zahlten die Kunden in diesem Jahr bereits 530 Euro. Mit 650 000 Euro lag der Erlös der Auktion so hoch wie nie.

Holz scheint also das Gold unserer Region zu sein. Das gilt längst nicht nur für die Eiche: Der Stamm eines Riegelbergahorns brachte bei einer früheren Auktion 20 000 Euro ein. Es war eine der teuersten Hölzer, die je in Hessen verkauft wurden.

Eine besondere Maserung, eine spezielle Holztextur, der Jahrringaufbau - es sind viele Merkmale, die für die Kunden von Belang sind, wenn sie das Angebot auf den Wertholzplatz unter die Lupe nehmen.

„Die meisten Interessenten haben ganz spezielle Aufträge vor Augen, wenn sie einen Stamm untersuchen“, sagt Forstmann Nassauer. „Sie picken sich also die Rosinen aus dem Angebot heraus.“ Das sei notwendig, denn wenn aus einem Bergahorn später ein Geigenboden werden solle, müssen alle Kriterien stimmen.

Deshalb wolle das Forstamt den Bietern die oft schwierige Auswahl so einfach wie möglich machen. Deshalb werden die Stämme am Wertholzplatz nach Baumarten getrennt gelagert und sortiert. „Auch das ist ein Merkmal, das unsere Submission ausmacht.“ Dazu gehört auch der beheizte Bauwagen, in dem sich die Bieter beim Sichten aufwärmen können - nicht selten sind sie dort oben mindestens einen Tag unterwegs, um alle Stämme zu sichten. Für das Jesberger Forstamt ist die Auktion übrigens nicht nur eine reine Dienstleistung: „Sie ist ein besonderes Ereignis“, sagt Nassauer.

Die jährliche Auktion ist eine Verkaufsplattform, die alle Waldbesitzer aus der Region nutzen können, die aber auch Privatvermarktern offen steht.

Das Jesberger Forstamt sammelt und sortiert das Holz, stellte es auf dem Wertholzplatz aus und bietet es an. Interessenten geben ein schriftliches Angebot im verschlossenen Umschlag ab, der erst am Stichtag geöffnet wird - es handelt sich damit um einen „verdeckten Meistgebotstermin“. Damit ist es keine Auktion, bei der der Auktionator mit dem Hämmerchen dem Meistbietenden den Zuschlag erteilt. In diesem Jahr ging das Holz komplett weg: 2016 will das Forstamt eine noch größere Holzmenge anbieten.

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