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Deutscher Fachwerktag in Homberg: Ein Gang durch die Geschichte

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Von: Claudia Brandau

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Eine große Baustelle: Architekt Albert Hess führte beim Deutschen Fachwerktag am Sonntag durchs Homberger Gasthaus Krone.
Eine große Baustelle: Architekt Albert Hess führte beim Deutschen Fachwerktag am Sonntag durchs Homberger Gasthaus Krone. © Claudia Brandau

In Homberg nutzten viele Menschen den Deutschen Fachwerktag, um alte Gebäude zu erkunden. Das weckte so manche Erinnerung.

Homberg – Jeder Besucher brachte großes Interesse, die meisten aber auch persönliche Erinnerungen mit: Der Baustellenbesuch im Homberger Gasthaus Krone löste bei den einen Neugier, bei den anderen Nostalgie aus.

Viele Homberger hatten am Sonntag den Deutschen Fachwerktag genutzt, um sich über Ideen, Konzepte und Pläne zu stadtbildprägenden Gebäuden zu informieren. Die Stadt Homberg hatte Veranstaltungen und Führungen zu stadtbildprägenden Gebäuden angeboten – und der Ansturm war groß. Die Architekten Albert und Christine Hess führten mehr als 80 Menschen in zwei Gruppen durch Hessens ältestes Lokal, das bis ins nächste Jahr hinein zum „Kulturzentrum Gasthaus Krone“ umgebaut werden soll.

Besucher berichteten beim Deutschen Fachwerktag in Homberg von eigenen Erlebnissen

Und es war längst nicht die neue Technik, die es den Besuchern angetan hatte, sondern auch alte Geschichten, die sie dort selbst erlebt hatten. „Hier hatte ich 1964 meine erste Tanzstunde“, sagte Barbara Beyer im Saal der Krone. Auch wenn dort ungezählte Kabel hängen und liegen, die Brandmeldeanlage und Akustikdecke eingebaut sind, erinnern doch viele Details an alte Zeiten. So wie das Parkett im Saal, das aufgearbeitet wird und das Wandbild des „Romantischen Hombergs“, das ungeachtet aller modernen Finessen erhalten bleiben soll.

„Wir akzeptieren und respektieren das Alte, verbinden es aber mit unserer neuen Zeit, Architektur, Technik und Sprache“, so Architektin Christine Hess. „Diese beiden Kontraste zu vereinen, das ist die hohe Kunst.“

Albert Hess berichtete von der Historie der ehemalige alten Posthalterei von 1480, die den Dreißigjährigen Krieg überstand, weil General Tilly in einem Schutzbrief verfügte, dass das Gebäude mit dem Walmdach und den Erkern nicht angetastet werde. Eine glückliche historische Fügung - soll doch fast 500 Jahre später aus der Posthalterei ein Kulturzentrum werden, in dem die Einwohner zusammenkommen.

Deutscher Fachwerktag in Homberg: Frühere Renovierungen haben Schäden hinterlassen

Als weniger glücklich aber habe sich die Renovierung aus dem Jahr 1972 erwiesen, so Albert Hesse: „Damals hatte man noch nicht mit der Denkmalpflege am Hut: Das Lokal war gemütlich, aber alles nur vorgeblendet, nichts echt.“ Sein Fazit: Jetzt gelte es, die schnelle und schlechte Sanierung von damals wieder gut zu machen.

Es ist ein hoher Anspruch, den Stadt und Architekten an die behutsame Erneuerung des alten Hauses haben. Es soll im unteren Stockwerk eine Gastronomie, im oberen Kultur bieten. Die Krone soll barrierefrei werden, einen neuen Sanitär- und Küchenbereich erhalten, die hohen Auflagen des Brandschutzes einhalten, und so für Pächter, Künstler, Einwohner, Vereine gleichermaßen interessant sein.

Romantisches Homberg, ist auf der Wandbemalung im Saal der Krone zu lesen. Barbara Beyer vor dem Bild, das erhalten bleiben soll.
Romantisches Homberg, ist auf der Wandbemalung im Saal der Krone zu lesen. Barbara Beyer vor dem Bild, das erhalten bleiben soll. © Brandau, Claudia

Die Architekten hatten Antworten auf fast alle der vielen Fragen der Besucher – bis auf zwei. Weder ließ sich die Frage nach den Kosten beantworten – in diesen besonderen Bauzeiten ist alles in Bewegung – noch die nach dem Fertigstellungstermin. Vater und Tochter Hess gehen als verantwortliche Architekten von einer Fertigstellung im frühen nächsten Jahr aus. Aber genau wie die Preise verschwimmen die Lieferzeiten und Fristen.

„Wir wollen das Gebäude gut hinbringen und fertigstellen – aber natürlich gibt es auch finanzielle Grenzen“, so Albert Hess.

Die Besucher hörten es, schwärmten aus, erkundeten die alte Krone, ob mit oder ohne alten Erinnerungen. Genauso soll es nach Fertigstellung sein: Die Krone wartet darauf, als Kulturzentrum von den Hombergern wieder erobert zu werden. Nächstes Jahr ist das Gebäude dafür bereit. Und so, wie es am Sonntag aussah, sind es die Homberger auch.

Stadtexperten hatten viel Publikum beim Deutschen Fachwerktag in Homberg

Viele der ehrenamtlichen Stadtführer und Geschichtskenner, die am Sonntag Führungen anboten, zeigten sich zufrieden mit der Resonanz. „Die Menschen waren motiviert“, berichtet Türmer Mike Luthardt. Das muss tatsächlich jeder sein, der die 217 Stufen zur Türmerwohnung erklimmen will.

Weniger sportlich, aber mindestens genauso interessant war die Führung durchs Hochzeitspförtchen, die Alfred Uloth anbot: Die Besucher drängten sich im engen Gebäude, das im 30-jährigen Krieg erstmals zerstört wurde und dann im Strudel der Geschichte noch oft in Trümmern lag. 1952 wurde der Durchgang zum Burgberg wieder auf aufgebaut.

Die Frage nach dem Namen sei bei seinen rund 60 Besuchern oft aufgetaucht, sagt Alfred Uloth, immerhin habe ja kein einziges Paar im Hochzeitshäuschen geheiratet. Doch nicht die Zahl der Ja-Worte, sondern der Lage zählt: Das Pförtchen liegt in der Hochzeitsgasse und am Hochzeitshaus.

Stadtführer Eckhard Böth hatte bei seinen beiden Touren Teilnehmer aus Homberg und auch aus Kassel, die er auf dem Weg durch die Stadt mit vielen Informationen versorgte. Der Tag des Fachwerks bot vieles. Vor allem Wissen. (Claudia Brandau)

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