Corona-Pandemie

Kreisverwaltung Homberg: Behörde zur Hälfte homeoffice-fähig

Angesichts der weiter hohen Corona-Infektionszahlen rufen Politiker und die Spitzen von Arbeitgebern und Gewerkschaften gemeinsam zu mehr Arbeit im Homeoffice auf. Doch wie wird diese von einer Behörde wie der Kreisverwaltung selbst umgesetzt?
+
Angesichts der weiter hohen Corona-Infektionszahlen rufen Politiker und die Spitzen von Arbeitgebern und Gewerkschaften gemeinsam zu mehr Arbeit im Homeoffice auf. Doch wie wird diese von einer Behörde wie der Kreisverwaltung selbst umgesetzt?

Trotz Corona-Pandemie hat sich der Büroalltag für viele Angestellte in Behörden offenbar kaum verändert. Wie sieht es in der Kreisverwaltung in Homberg mit der Umsetzung der Heimarbeit aus?

Homberg – Aufgrund der Corona-Pandemie lautet die Devise derzeit: Homeoffice nutzen, wo immer es geht, um auch in der Arbeitswelt Kontakte zu reduzieren. Politiker fordern immer eindringlicher dazu auf, mehr als bisher von zu Hause zu arbeiten. Unternehmen sollten noch mehr als bisher Homeoffice für ihre Mitarbeiter anbieten. Doch wie weit ist man eigentlich in der Kreisverwaltung in Homberg – als großer Arbeitgeber von insgesamt rund 1220 Mitarbeitern – mit der Umsetzung der Heimarbeit?

Aktuell gebe es für über die Hälfte der rund 700 PC-Arbeitsplätze der Kreisverwaltung die Möglichkeit für die Mitarbeiter, im Homeoffice zu arbeiten. Die Anzahl werde stetig weiter ausgebaut, so Stephan Bürger, Sprecher der Kreisverwaltung. Eine hundertprozentige Abdeckung an Telearbeitsplätzen sei aber weder Ziel noch erstrebenswert. „Es wird nach Bedarf und Notwendigkeit vorgegangen.“

Die Zahl der Mitarbeiter im Homeoffice schwankt

Die Zahl der Mitarbeiter, die dieses Angebot nutzten, schwanke in Abhängigkeit der Anwesenheit anderer Kollegen. Im Dezember hätten rund 100 Beschäftigte der Kreisverwaltung im Homeoffice gearbeitet. Sollte es nach dem heutigen Bund-Länder Treffen zu einer Heimarbeit-Pflicht kommen, könne der Landkreis die Kapazitäten entsprechend hochfahren.

Telearbeit und mobiles Arbeiten hätten durch die Corona-Pandemie deutlich an Fahrt aufgenommen, so Landrat Winfried Becker. Man habe Investitionen vorgezogen, um den Ausbau voranzutreiben. Mit der Technik, die dazu genutzt wird, stehe der PC-Arbeitsplatz im Homeoffice eins zu eins wie am Präsenzarbeitsplatz zur Verfügung und sie mache es möglich, dass der Beschäftigte auch zu Hause unter seiner dienstlichen Telefonnummer erreichbar sei.

Homeoffice: Voraussetzungen werden ausgebaut

Damit begonnen, die technischen Voraussetzungen für Telearbeit sowie mobiles Arbeiten zu schaffen, habe man bei der Kreisverwaltung Ende 2019. Der Kreisausschuss hatte beschlossen, die technische Ausstattung für die neuen Arbeitsformen um- und aufzurüsten. „Dieser Prozess hätte bis 2023 vollständig für die Kreisverwaltung abgeschlossen sein sollen“, erklärt Landrat Winfried Becker. Aufgrund der Corona-Pandemie habe man die Ausbaustufe, die ursprünglich für Ende 2021 vorgesehen war, erreicht. „In den nächsten Wochen werden weitere Arbeitsplätze umgerüstet, sodass wir davon ausgehen, dass der Gesamtprozess deutlich früher abgeschlossen wird.“ Für die technische Umrüstung seien bislang rund 250 000 Euro investiert worden.

Neben den Arbeitsplätzen seien für Videokonferenzen Besprechungsräume mit einer entsprechenden Konferenztechnik ausgestattet worden. So stünden aktuell drei Besprechungsräume mit digitaler Konferenztechnik zur Verfügung. Weitere Räume sollen folgen.

In einigen Bereichen ist ein Schichtmodell möglich

Es gebe die Möglichkeit, dass die Mitarbeitenden einen vollen Zugriff auf die gewohnte PC-Arbeitsumgebung und auch auf die persönliche Bürotelefonnummer haben. In einem weiteren, etwas reduzierten Modell, könne auf die vollständige E-Mail-Struktur und den persönlichen Kalender zugegriffen werden. „Darüber hinaus haben wir den Arbeitszeitrahmen erweitert, so dass in einzelnen Arbeitsbereichen auch im Schichtmodell gearbeitet werden kann.“

In der Verwaltung selbst habe man außerdem Schutzmaßnahmen ergriffen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. „Bei allen technischen Möglichkeiten hat sich aber auch gezeigt, dass der fachliche und persönliche Austausch unerlässlich ist. Auch wenn wir sicher nach der Pandemie weiter mit Videokonferenzen und der Telearbeit arbeiten werden, muss es Raum für physische Treffen und den persönlichen Austausch geben“, so Becker.

Bestimmte Bereiche benötigen die Anwesenheit der Mitarbeiter

Es gibt in der Kreisverwaltung auch Aufgaben, die nicht im Homeoffice erledigt werden können und auch solche, bei denen die verantwortlichen Mitarbeiter im Büro anwesend sein müssen, erklärt Becker. „Als dienstleistende Kreisverwaltung seien bestimmte Arbeitsbereiche von uns zwingend vorzuhalten.“ Hierzu zählten zum Beispiel die Mitarbeiter in der Zentralen Leitstelle des Landkreises, aber auch Arbeitsbereiche wie Gesundheitsamt, Sozialamt, der Fachbereich Jugend- und Familie sowie die Zulassungsstelle und einige mehr.

Auch Hausmeister und Raumpflegerinnen könnten ihre Aufgaben nicht im Homeoffice erledigen. „Besonders die Bekämpfung der Corona-Pandemie mit den vielschichtigen Aufgaben, wie zum Beispiel die Kontaktpersonennachverfolgung und die Organisation sowie Durchführung der Impfung gegen das Coronavirus lassen sich nicht im Homeoffice erledigen“, so Becker. (Maja Yüce)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.