Harte Einschnitte im Landkreis

Alles auf Anfang: So reagieren Menschen aus dem Schwalm-Eder-Kreis auf neue Coronaregeln

Harry Apelt steht in seinem Fitnessstudio und stützt sich auf einem Trainingsgerät ab.
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Muss seinen Fitness- und Sportbereich schließen: Harry Apelt aus Fritzlar.

Die Bundesregierung hat einen zweiten Lockdown beschlossen. Ein Unterschied zum Frühjahr: Friseursalons dürfen geöffnet bleiben, Fitnessstudios beispielsweise müssen schließen. Wir haben uns bei Betroffenen umgehört.

Fritzlar-Homberg ‒ Die Corona-Infektionszahlen steigen im Schwalm-Eder-Kreis immer weiter an: 22 Neuinfektionen meldete der Landkreis am Donnerstag. 176 Menschen sind aktuell mit dem Coronavirus infiziert, 109 davon infizierten sich innerhalb der vergangenen sieben Tage. Die Inzidenz erreicht somit den bisherigen Spitzenwert von 60,56. Ab Montag gelten bundesweit massive Kontaktbeschränkungen über den November hinweg, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Im Griff habe das Fritzlarer Hospital die Lage noch, sagt Dr. Carsten Bismarck, medizinischer Geschäftsführer. Sieben Covid-19-Patienten seien derzeit in Behandlung, keiner von ihnen müsse intensivmedizinisch betreut werden. „Die Beschränkungen sind zwingend notwendig. Wir stehen der Entwicklung mit Sorge gegenüber.“ Von insgesamt 31 Intensivbetten im Schwalm-Eder-Kreis sind bereits 20 Betten belegt (Stand Donnerstag 12 Uhr). Das zeigt eine Übersicht des DIVI-Intensivregisters, die online abrufbar ist. Drei Covid-19-Fälle sind demnach derzeit in intensivmedizinischer Behandlung. Alle drei werden invasiv beatmet. Dies sei ein recht hoher Anteil, sagt Pressesprecherin Nina Meckel. Im Durchschnitt bräuchten nur die Hälfte der Corona-Intensivpatienten eine invasive Beatmung.

Abstand halten, Kontakte vermeiden: Beides kann bei Demonstrationen nur bedingt eingehalten werden. Doch: Trotz der neuen Corona-Einschränkungen kann die Raddemo auf der A 49 zwischen Wabern und Borken am Samstag stattfinden, sagt Katrin Walmanns vom Regierungspräsidium Kassel. Voraussetzung sei aber, dass bei Kundgebungen und immer, wenn der Abstand von mindestens 1,5 Meter nicht eingehalten werden könne, Maske getragen werde. Darauf werde die Polizei achten und gegebenenfalls, ähnlich wie bei den Demos in Berlin, diese auflösen, wenn gegen die Schutzauflagen verstoßen werde. Die A 49-Gegner halten an ihrer Raddemo auf der A 49 am Samstag fest. „Es gibt ein Hygienekonzept, das von den Behörden abgesegnet ist“, so Finn Becker von der Initiative. Die Brisanz des Themas sei so stark, dass die Demo stattfinden müsse.

Kultur

Im Sommer bot die Gudensberger Märchenbühne viel Platz, die Hygieneregeln konnten gut eingehalten werden. „Jetzt aber steht alles auf dem Prüfstand“, sagt Bürgermeister Frank Börner. So ist auch die Infoveranstaltung zum Alten Markt im Bürgersaal am 2. November vorerst verschoben. Die Stadt müsse auch prüfen, ob der Lebendige Adventskalender stattfinden kann.

Der Homberger Kulturring steht mit seinen Planungen wieder am Anfang, sagt Edith Köhler: „Dabei war es wieder gut angelaufen.“ Bis Ende des Jahres waren noch vier Veranstaltungen geplant. Ob das Konzert mit Clemens Bittlinger im November abgesagt oder verschoben wird, wird geprüft. Doch obwohl wieder schwierige Zeiten anstehen, macht Köhler klar: „Es ist viel wichtiger, dass alle gesund bleiben.“

Hotel/Gastronomie

Zusammen mit ihrem Mann Bhavnesh betreibt Kanchan Tangri das Bad Zwestener Hotel und Restaurant „Zum Kleinen König“. Ab Montag müssen sie ihren Betrieb schließen und dürfen keine Touristen mehr aufnehmen. „Seit Oktober ist es sehr ruhig geworden“, sagt Tangri, zu deren Gästen viele Angehörige von Patienten der Hardtwaldkliniken zählen. Nach Bekanntgabe der neuen Regeln habe sie bereits erste Absagen erhalten. Die Schließung sei fatal: „Wir haben eine Familie und die Kosten laufen weiter“, sagt Kanchan Tangri. Der Mitnahmeservice ihres Restaurants sei Anfang des Jahres kaum genutzt worden. „Wir wissen nicht, wie es dieses Mal laufen wird.“ Sicher sei nur, dass erneut eine schwere Phase bevorstehe.

Fitnessstudios

Als „tragisch und katastrophal“ bezeichnet Lutz Debus vom Homberger Fitnessstudio No Limits die Situation. Sein Betrieb habe seit Mai bewiesen, dass er Hygienekonzepte gut umsetzen könne, habe viel Geld dafür in die Hand genommen: „Jetzt fühle ich mich wie geohrfeigt.“ Sein Betrieb biete viele Rehakurse, stehe damit quasi für den Begriff Gesundheit. Die neuen Regeln entzögen nicht nur den Mitgliedern die Chance ihre Gesundheit zu verbessern, sondern auch die wirtschaftliche Grundlage.

Auch in Harry Apelts Fitness- und Sportbereich in Fritzlar geht ab Montag nichts mehr. „Wir leisten einen wesentlichen Beitrag und haben 10.000 Euro investiert, unter anderem in eine Luftreinigungsmaschine. Bis jetzt habe ich einen Einnahmeverlust von über 30 Prozent“. Betroffen von der neuen Zwangsschließung im Fitness- und Sportbereich sind neun Angestellte. Der einzige Bereich, der unter den bisherigen Auflagen noch weiterläuft, ist die Physiotherapie. (lhn/chm/ciz/bra/zzp/may/neu)

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