Familie Xhemaili ist geflohen und lebt jetzt in Homberg

Flucht aus dem Kosovo: Angst vor Abschiebung ist groß

Hoffen auf Sicherheit: von links Lavdi, Mutter Minire, Leona und Valdona Xhemaili. Es fehlen Arbin, Leonora und Senad. Sie bekommen Unterstützung von Tanja Fennel-Trieschmann (2. von links) und Birgit Kieburg (rechts) von der Stellbergschule. Foto: Yüce

Homberg. Minire Xhemaili und ihre 6 Kinder aus dem Kosovo sind zum zweiten Mal in Homberg gelandet. Auf der Flucht vor Blutrache in ihrer Heimat. Hier hoffen sie auf Sicherheit.

Ein Händedruck sagt manchmal mehr als Worte. Wer Minire Xhemaili besucht, bekommt eine Hand gereicht, die so kraftlos ist, dass man Angst hat, sie entgleitet einem. Die Mutter von sechs Kindern stammt aus dem Kosovo. Sie hat mit ihren Kindern vor vier Jahren die Heimat verlassen, weil ihr Leben dort nicht mehr sicher war - Blutrache drohte ihnen. Den Vater haben sie verloren. Vor allem die Söhne Arbin (17 Jahre) und Senad (10) schwebten in Lebensgefahr.

Doch der Weg nach Deutschland war auch nicht sicher: Minire Xhemaili wurde vergewaltigt, schwanger und ist seitdem psychisch krank. „Selbstmordgefährdet“, wie ihr Anwalt Wim Mischok sagt. Ärztliche Gutachten aus der Psychiatrie bestätigen das. Jetzt lebt die Familie in Homberg - in ständiger Angst vor Abschiebung. Erneut. Denn es ist das zweite Mal, dass die Familie in Homberg angekommen ist. Sie wurde bereits einmal abgeschoben.

Mutter brach zusammen 

Unsicherheit und Angst nagen an ihren Nerven. Jederzeit kann es wieder an der Tür klingeln: „Sie kamen am frühen Morgen, um 5.30 Uhr. Wir sollten wieder zurück in den Kosovo“, sagt der 17-jährige Arbin und erinnert sich gut an den Tag im November. Die Polizei habe vor der Tür gestanden. Da sei seine Mutter zusammengebrochen. „Weil sie sich um uns Kinder sorgte“, sagt Arbin. Doch das habe die Beamten nicht zurückgehalten. Die Familie wurde in einen Flieger gesetzt. Ziel: Pristina. Es sei viel schief gelaufen bei der Abschiebung der Familie, sagt Anwalt Mischok. „Sie war völlig verfehlt und nicht rechtens“, betont er.

„Im Kosovo sind wir nicht sicher“, sagt Arbin. Das habe auch sein Onkel befürchtet und postwendend dafür gesorgt, dass Mutter und Kinder zurück nach Deutschland gebracht werden. Mit einem Schleuser versuchten sie erneut, nach Deutschland zu kommen. Diesmal gelang es ihnen ohne gewaltvolle Übergriffe. Vor zwei Wochen kamen sie in Homberg an. Bekamen eine Wohnung gestellt. Dass es darin an vielem mangelt und es anfangs nicht mal Betten für die Kinder gab, das störte sie nicht. „Hauptsache in Sicherheit“, sagt Arbin.

Erneut wurde ein Asylantrag gestellt. Darüber sei noch nicht entschieden, sagt der Junge und hofft darauf, dass seine Familie diesmal bleiben darf. „Hier passiert uns nichts“, sagt der hagere 17-Jährige, der sich um Mutter und Geschwister kümmert.

„Die Familie ist ja nicht hier, weil es hier so schön ist“, sagt Birgit Fennel-Trieschmann, die sich ehrenamtlich um die Xhemailis kümmert. Es sei beeindruckend, wie die Familie zusammenhält. „Sie passen aufeinander auf“, sagt sie. Doch reiche das nicht. „Sie brauchen Hilfe und ein sicheres Zuhause.“

Wichtiger als Schule 

Die Freude darüber, dass die Familie wieder da ist, sei bei den Freunden in Homberg groß gewesen. Jetzt gehe es darum, zu helfen und für sie zu kämpfen (siehe Hintergrund). Eine Notmutter vom Jugendamt wäre ein erster Schritt, sagt Tanja Fennel-Trieschmann. Oder jemand, der sich um die kleinen Kinder kümmert und die Mutter unterstützt - eine Ersatz-Oma. Dann könnte auch Arbin wieder regelmäßig zur Schule gehen. Die schwänzt er manchmal. „Es gibt im Leben Wichtigeres als Schule. Er sorgt sich sehr um seine Mutter“, sagt Fennel-Trieschmann. Denn Arbin hat Angst, dass sie ihm entgleitet. Weitere Artikel

Von Maja Yüce

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