Archäologen legen Brunnen aus 11. Jahrhundert frei

Ausgrabungen in Homberger Innenstadt: Details stehen fest

Ein Archäologenteam legt drei Brunnen und Gebäudereste auf einer Baustelle in der Innenstadt von Homberg frei.
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Während der Bauarbeiten für ein neues Multifunktionshaus in Homberg werden drei Brunnen und Überreste einer Gebäudemauer entdeckt. Das Team um Dr. Thilo Warneke beginnt im Oktober mit dem Freilegen der Funde.

Die Bauarbeiten für das neue Multifunktionshaus in Homberg nahmen Anfang Oktober eine überraschende Wendung: Beim Ausheben der Baugrube auf dem Grundstück an der Holzhäuser Straße werden zwei Brunnen und die Reste einer Gebäudebebauung unter dem ehemaligen Coop-Laden entdeckt. Jetzt gibt es weitere Erkenntnisse.

Homberg - Das Archäologen-Team der Wissenschaftlichen Baugrund-Archäologie um Dr. Thilo Warneke aus Ahnatal beginnt damit, die Funde freizulegen. Mit Schaufel, Eimer und Spachtel fördern die Archäologen die Funde zutage. Anschließend sichern sie sie in einer angrenzenden Garage.

Das alte Gebäude unter dem Marktplatz war bislang niemandem bekannt, erinnert sich Dr. Thilo Warneke. Und hat dafür eine Erklärung: „Es liegt daran, dass die Funde verfüllt waren, so war der Boden tragfähig.“ Neben der Mauer sind auch die zwei Brunnen eine Überraschung.

Mittlerweile gibt es mehr Erkenntnisse über die Ausgrabungen in Homberg: „ Es steht fest, dass es sich nicht um zwei, sondern drei Brunnen handelt“, sagt Warneke. Unter der Mauer sei während des Freilegens ein weiterer Brunnen zum Vorschein gekommen. Dieser wurde genau wie die anderen beiden Brunnen verfüllt, so die Theorie Warnekes. „Und über dem verfüllten Brunnen ist die Mauer errichtet worden.“ Noch unklar ist, wie das Gebäude einmal ausgesehen haben könnte. „Wir haben verschiedene Mauerstümpfe, aber diese geben noch keinen Aufschluss darüber, wie das Gebäude mal ausgesehen hat“, sagt Warneke.

Im dritten Brunnen seien nicht viele Überreste gefunden worden, da dieser ausschließlich mit Kies und Schutt verfüllt war – anders als die zwei anderen Brunnen. „In diesen haben wir neben Schutt noch Abfall gefunden“, berichtet Warneke. Heute steht fest, dass diese beiden Brunnen bis in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg bestanden und anschließend verfüllt wurden. „Wir haben nämlich keine typischen Funde, die auf das 19. und 20. Jahrhundert schließen würden.“

Unklar ist im Oktober noch, von wann die Funde letztlich stammen. Warneke schätzte sie auf das Mittelalter. „Homberg wurde 1231 erstmals urkundlich erwähnt – die Funde müssen also noch älter sein, mindestens 100 Jahre.“ Feststehe, dass die Mauer vor dem 12. Jahrhundert errichtet wurde und der dritte Brunnen demnach älter sei, als bisher angenommen. „Das haben wir anhand unserer Stratigraphie festgelegt“, erklärt der Experte.

Während der weiteren Untersuchungen sind Warneke zwei Besonderheiten aufgefallen: „In einer der unteren Schichten haben wir Lederreste mit Nähten gefunden, sie können eventuell auf einen Schuh schließen.“ Das Leder habe er in Wasser konserviert. Wenn es weiter erhalten bleiben soll, müsse es weiter restauriert werden. Neben dem Leder hat das Team außerdem einen vollständigen Krug aus Keramik entdeckt. „Das Material ist keine Seltenheit, jedoch ist es bemerkenswert, dass der Krug mit einem Fassungsvermögen von etwa einem Liter vollständig erhalten geblieben ist“, sagt Warneke.

Alle Funde werden aktuell gewaschen und katalogisiert. Damit sind zwei Mitarbeiter beschäftigt, ein weiterer kümmert sich um die Pläne, Warneke ist für den Bericht zuständig. „Wir haben viele Aufnahmen, weshalb 3D-Aufnahmen denkbar sind, die eine Rekonstruktion ermöglichen können“, sagt er. Mit den Funden wird das Team wohl noch bis zum Frühjahr beschäftigt sein.

Mit dem Abschlussbericht werden sie an das Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Marburg übergeben, so Warneke. Diese entscheidet dann darüber, ob die Funde in ein Zentrallager kommen oder möglicherweise zurück an die Stadt Homberg übergeben werden. Wie viele Funde es bislang sind, könne nicht genau gesagt werden. „Es ist eine ganze Menge. Wie viele Kilogramm ist unklar. Feststeht, dass in den zwei Brunnen viel Keramik, Schutt und Kies verfüllt wurde.“ (Linett Hanert)

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