Video zu Hörbehinderung in der Ausbildung

Beim Dreh in der Mensa: Florentine Shabani als Auszubildende, Evelyne Althaus, Rainer Hartmann und die Kameraleute Lukas Kannenberg, Sebastian Zinngrebe und Adrian Beller. Foto: Thiery

Homberg. Wenn junge Menschen mit Hörbehinderung eine Ausbildung machen, dann läuft vieles anders. Wie das ist, zeigen Schüler der Hermann-Schafft-Schule in Homberg in einem Video.

Das Motto lautet „Meine Ausbildung, du führst Regie“, und wird vom Hessischen Rundfunk beurteilt. Die besten Videos werden prämiert und im Fernsehen gezeigt.

Im Mittelpunkt stehen die Probleme der Jugendlichen etwa in der Berufsschule. „Das sind alles Dinge, die normal Hörende nicht wissen“, sagte die Lehrerin Heike Wenderhold. Etwa, dass der Lehrer deutlich sprechen muss, damit man am Mundbild erkennt, was er sagt. Die Schüler dazu besser vorne in den Reihen sitzen sollten und der Lehrer ein eigens dafür entwickeltes Gerät tragen kann.

Auch wenn der Auszubildende von hinten angesprochen wird, sollten sich Lehrer und Ausbilder nicht wundern, wenn er nicht reagiert. „Darauf wollen wir mit dem Film aufmerksam machen.“

„Aber wir zeigen auch Lösungen“, sagte Wenderhold. Der Ausbilder kann das Licht ein und wieder ausschalten, um auf sich aufmerksam zu machen oder laut mit dem Fuß aufstampfen. Für viele schwierige Situationen gebe es Lösungen. Wenn jemand Kaugummi kaue, werde es kniffelig. Klare deutliche Sprache und kurze Sätze sind für die Kommunikation wichtig.

Kompliziert wird das Verstehen bei Bartträgern. Da erkenne man nichts mehr am Mundbild. Es helfe nur: Der Bart muss halt ab. Allenfalls funktioniere dann nur noch die Zeichensprache.

Eine Szene im Film behandelt den ersten Tag einer Auszubildenden in der Betriebskantine. In der Schlange bei der Essensausgabe steht ein Mann mit Bart, den die junge Frau nicht versteht, mit Handzeichen verständigen sie sich, welches Essen er möchte. In einer anderen Szene trifft sich eine junge Frau mit ihren Freunden und berichtet über ihr Ängste vor dem ersten Ausbildungstag.

Ob und welche Ausbildung die Schüler überhaupt machen können, sei immer von der Hörschädigung und der Lernbeeinträchtigung abhängig. Nicht alle könnten im Betrieb ausgebildet werden, es gibt auch eigens ein Berufsbildungswerk für Hörgeschädigte.

Die Arbeit beim Drehen sei für die Schüler auf jeden Fall sehr spannend gewesen, die Kreativität habe das Schulleben bereichert. Überall wurde gedreht und Szenen gestellt, auch in der Mensa.

Von Christine Thiery

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