"Baum-Kataster kein Gewinn": In Homberg wird darüber beraten

Protest gegen Baumfällung: Otto Pirn kletterte in die großen Kastanien im Schwenkenweg, um gegen deren Fällung zu protestieren. Die Kastanien gibt es mittlerweile nicht mehr. Archivfoto: Yüce

Homberg/Gudensberg. Große Bäume seien nicht nur für das Stadtbild wichtig, sie seien auch ein maßgeblicher Faktor für das Mikroklima in der Stadt, Lebensraum für Tiere, Vögel und Insekten, spendeten Schatten und Ruhe, regulierten den Wasserhaushalt des Bodens.

So argumentierte Klaus Bölling (Grüne) für eine Baumschutzsatzung.

Kritik an einer solchen Regelung gibt es auch: Karl Weiß, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Homberg, betont, dass dadurch hohe Kosten für die Stadt anfallen würden. Denn man müsse ein Baum-Kataster erstellen und überprüfen, ob sich an die Satzung gehalten werde. Demnach müsse jeder, der einen Baum von über 60 Zentimetern Umfang fällen wolle, sich das von der Stadt genehmigen lassen.

„60 Zentimeter, das entspricht etwa dem Umfang eines Speisetellers“, sagt Dr. Klaus Lambrecht von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Die Stadt wäre dann so etwas wie eine kleine Naturschutzbehörde, erklärt er. Das bedeute viel Arbeit - vor allem zu Beginn. Denn das Anlegen eines Katasters über den Baumbestand sei aufwändig und verursache Kosten. Es gebe in der Kernstadt und den Ortsteilen viele Bäume, die erhaltenswert seien. „Die Grundstücke müssten mindestens einmal besichtigt werden.“

Lambrecht gibt zu bedenken, dass man in das Eigentum der Bürger eingreife. „Wenn es die Satzung gibt, entscheidet die Stadt, ob bestimmte Bäume gefällt werden dürfen oder nicht.“ Andernfalls schaffe man einen zahnlosen Tiger.

Es gebe aber auch sehr viele Gründe, die für eine Grünschutzsatzung - wie die offizielle Bezeichnung lautet - sprechen, sagt Lambrecht. Bäume seien Sauerstoffproduzenten, sorgten für Schatten, seien Lebensstätten für Vögel und andere Tiere und wichtig für das Lebensumfeld sowie stadtbildprägend. Homberg sei noch eine grüne Stadt und das mache sie liebenswert, sagt Lambrecht und blickt auf ein Luftbild der Stadt.

Während in Homberg sich derzeit der Bauausschuss mit dem Thema beschäftigt, hat man in Gudensberg die Einführung der Baumschutzsatzung vor Jahren einfach in die Tat umgesetzt: Seit 2008 gibt es dort bereits eine solche Satzung - die einzige im Landkreis. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Büroleiter Ralf Lengemann. 2014 seien zehn Anträge zur Baumfällung eingegangen. „Das ist dann ähnlich wie bei einem Bauantrag für eine Garage. Wer bauen will, stellt einen Antrag. Wer einen Baum fällen will, macht das auch“, sagt Lengemann. Die Stadt prüfe dann. Gehöre der Baum in den Schutzbereich, gebe es einen Ortstermin. Danach entscheide die Stadt.

Prägende Bäume schützen

Ein Baum-Kataster gibt es in Gudensberg nicht: „Das wäre ein zu großer Aufwand, auch ein dauerhafter Pflegeaufwand und man würde Steuergeld ausgeben, ohne einen wirklichen Gewinn zu erzielen“, sagt Lengemann. Vielmehr bediene man sich anderer Hilfsmittel (vorliegende Luftbilder), anhand derer man den Baumbestand nachvollziehen könne. In Gudensberg gilt die Satzung für den Innenbereich der Kernstadt und der Ortsteile für Bäume, die in einem Meter Höhe einen Stammumfang von 90 Zentimeter haben. „Wir wollen nur wirklich große und das Ortsbild prägende Bäume schützen“, sagt Lengemann. Das begrenze den Verwaltungsaufwand für die Bürger. Obstbäume sind ausgenommen.

Durch eine Baumschutzsatzung erhalte Naturschutz einen anderen Stellenwert, sagt Lambrecht. Den sollte er auch haben. Derzeit habe er den Eindruck, dass man eher Bäume fälle, als sie zu erhalten.

• Termin: Öffentliche Bauausschuss-Sitzung, ein Thema ist die Baumschutzsatzung, Homberg, Rathaus, Montag, 20. April. 18.30 Uhr. 

Von Maja Yüce

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.