Kaufangebot von Krankenhaus-Konzern erlischt im Mai

Bis zu 200 Wohnungen im neuen Quartier? Homberg diskutiert Nachnutzung von Asklepios-Klinik

Die Gebäude der ehemaligen Kreisklinik in Homberg sind von einem Bauzaun umgeben, Sträucher und Büsche wachsen auf den Wegen.
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Umnutzung oder Abriss: Was mit den Gebäuden der ehemaligen Kreisklinik passieren soll, diskutierte die Stadtverwaltung mit Architekten und Bürgern.

Um eine Entscheidung für oder gegen den Kauf der ehemaligen Kreisklinik zu treffen, erarbeitet die Stadt Homberg ein Konzept. Das wurde online vorgestellt – und stieß auf großes Interesse.

Homberg – Nach zehn Jahren Leerstand und Verfall ist es Zeit für eine Belebung des Krankenhaus-Areals in der Kreisstadt. Was sich die Homberger dabei wünschen: Vielfalt – inklusive medizinischer Versorgung. Das zumindest spiegelte die Diskussion in der Online-Informationsveranstaltung am Mittwochabend wider, bis zu 80 Interessierte hatten sich daran beteiligt. Auch ein möglicher Investor kam zu Wort.

„Wir würden gerne auf dem Grundstück investieren, sagte Stefan Burkard, Betreiber des angrenzenden Seniorenwohnheims Papillon. Bereits 2016 habe er mit Asklepios über eine Nachnutzung gesprochen. „Wir wollen das Papillon gerne erweitern.“ Und zwar im Bereich Tagespflege und Betreutes Wohnen. Der Bedarf, Personal nach Homberg zu holen, sei groß – und damit auch der Bedarf an Wohnungen für die Arbeitskräfte. Außerdem brachten sie ein Quartierscafé ins Spiel. Zudem werde der Bedarf an Wohnungen im Betreuten Wohnen wachsen, die größer als 60 Quadratmeter seien.

Ideen, die auch vom beauftragten Planungsbüro „Bankert, Linker & Hupfeld“ aufgenommen wurden: Ihre Varianten sehen etwa den Bau von Plus-Energie-Siedlungen, Seniorenwohnungen und Mehrgenerationenwohnungen vor. Auch kleine Hofflächen und Hausgruppen seien denkbar. Zwischen den Gebäuden könnten Grünflächen das Quartier durchziehen. Auch der Bau von Gästehäusern, die als kleines Hotel und Gästezimmer für Besucher des Betreuten Wohnens nutzbar wären, sei vorstellbar, erklärte Architekt Michael Linker.

Dabei könnten etwa die Schwesternwohnheime übernommen werden, auch das Klinikgebäude sei in Teilen zu erhalten. Das Schadstoffgutachten steht allerdings noch aus. Eine Kostenschätzung für einen Abriss sei deshalb nicht abschließend möglich. Die Belastung sei nicht in allen Gebäuden gleich hoch, da einige der Häuser aus den 1960er-Jahren noch einmal renoviert wurden. „Manche Bereiche sind wahrscheinlich nahezu sauber“, sagte Heiner Specht von SIG Ingenieure, die sich um das Gutachten kümmern. Würde sich die Stadt ausschließlich auf Wohnbebauung konzentrieren, könnten auf dem vier Hektar großen Gelände bis zu 200 Wohneinheiten entstehen. Ob es sich dabei um Reihen- oder Doppelhäuser sowie um Mehrfamilienhäuser handelt, sei offen, so Linker.

Vorschläge, die die Homberger durchaus positiv aufnahmen. „Eine Nutzung als Plus-Energie-Siedlung wird sicherlich sehr attraktiv für junge Leute und eine positive Werbung für die Stadt sein“, sagte eine Teilnehmerin. „In Homberg werden kleine Eigentumswohnungen gesucht.

Ein doppelter Effekt könnte erzielt werden, da viele Einfamilienhäuser frei würden“, fand ein anderer. Junge Familien müssten sich so nicht ins Abenteuer Neubau stürzen. Auch Bürgermeister Dr. Nico Ritz wies daraufhin, dass das Gelände eine „Erweiterung für den Osterbach“ darstellen könne. Wohnraum zu schaffen, sei ein großes Thema für die Stadt, die mit anderen um Zuzüge konkurriere. „Wir müssen die Bevölkerungszahl mindestens stabil halten.“ Das Gelände stelle dafür eine große Chance dar.

Für die Homberger war eines jedoch noch wichtiger: die medizinische Versorgung. Es gehöre ein Versorgungszentrum in die Stadt. Die ärztliche Versorgung nach Dienstschluss der Praxen sei unzureichend. Wer kein Auto habe, könne abends keinen Arzt erreichen, so eine Meinung. Eine Praxis sei denkbar, so Linker. Die Strukturen könnten die Planer schaffen. „Aber es braucht auch Akteure, die so etwas betreiben.“

Entscheidung über Kauf der ehemaligen Kreisklinik in Homberg fällt im Mai

Asklepios hat der Stadt im vergangenen Jahr ein Kaufangebot über einen Euro für das Grundstück gemacht. Das Angebot erlischt am 31. Mai. Bis dahin muss die Stadt ein Konzept erarbeiten, auf dessen Grundlage die Stadtverordneten in ihrer Mai-Sitzung eine Entscheidung für oder gegen den Kauf treffen. Sollte die positiv ausfallen, will Bürgermeister Dr. Nico Ritz den Rückbau der Gebäude „mit hoher Geschwindigkeit“ angehen. (Chantal Müller)

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