41-Jähriger kandidiert für zweite Amtszeit

Bürgermeisterwahl in Homberg: Dr. Nico Ritz will Lebensbedingungen verbessern

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Will für weitere sechs Jahre ins Rathaus: Dr. Nico Ritz ist der einzige Bürgermeisterkandidat für die Wahl in Homberg. In seinem Büro sitzt er an dem Schreibtisch, den er von seinem Großvater geerbt hat.

Er wollte die Menschen stärker für die Stadt begeistern und Homberg als Ort zum Wohnen und Leben attraktiv machen: Dr. Nico Ritz ist seit knapp sechs Jahren Bürgermeister. Nun führt der parteilose Ritz ohne einen Gegenkandidaten allein Wahlkampf

Wir sprachen vor der Wahl am 9. Februar mit ihm über seine Arbeit und das Engagement der Homberger.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeit in den vergangenen fünf Jahren?

Insgesamt bin ich zufrieden damit, wie die Amtszeit gelaufen ist. Damit möchte ich aber weniger meine eigene Leistung bewerten. Wir haben gemeinsam mit vielen engagierten Menschen einiges auf den Weg gebracht.

Sie sind der einzige Kandidat. Bei der vergangenen Wahl waren es fünf. Das haben Sie sportlich genommen. Wird Ihnen nicht langweilig ohne Konkurrenz?

Ich muss zugeben, dass ich in den letzten fünf Jahren auch zu wenig Sport gemacht habe. Aber ernsthaft: Eine Wahl mit nur einem Kandidaten ist nicht im Sinne des Erfinders. Ich selbst hätte es auch besser gefunden, wenn es eine Auswahl gegeben hätte. Allerdings freue ich mich natürlich auch über die breite Unterstützung.

Sie glauben nicht, dass eine Wahl ohne Konkurrenz ein Nachteil ist?

Die Gefahr bei dieser Art von Wahl ist, dass die Wahlbeteiligung niedrig ausfällt. Möglich ist auch, dass in erster Linie die wählen, die dem Amtsinhaber einen „Denkzettel“ verpassen wollen. Insofern sehe ich erhebliche Nachteile in so einer Wahl.

Sie sprachen die Wahlbeteiligung an: Wie viel Prozent sind Ihr Ziel?

Wir hatten bei der letzten Wahl eine geringe Beteiligung. Sie lag bei knapp 49 Prozent. Wenn es gelingt, eine Wahlbeteiligung zu erreichen, die darüber liegt, wäre das ein Erfolg.

Die Fraktionen loben die politische Streitkultur, die sich verbessert hat. Wie ist Ihnen das gelungen?

Es ist wichtig, zu betonen, dass es bei uns eine echte Streitkultur gibt. Es sind sich nicht immer alle einig und wollen das Gleiche. Aber im Gegensatz zu früheren Jahren streiten wir konstruktiv in der Sache und nur selten persönlich. Es wird auch zum richtigen Zeitpunkt gestritten. Nämlich dann, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen. Wichtig ist, dass die Entscheidungsträger Vertrauen in die Arbeit des Bürgermeisters und der Verwaltung setzen können. Dafür müssen wir Dinge sorgfältig vorbereiten und mit transparenten Informationen hinterlegen. Ich denke, das ist uns gelungen.

Aus der Handwerkerkooperative, die Sie für das Gasthaus Krone gründen wollten, ist nichts geworden. Was ist der Grund?

Die von der Stadt angedachte Kooperative ist aus meiner Sicht noch immer ein tolles Modell. Es funktioniert derzeit aber nicht. Wir finden heute ja schon kaum Handwerker, die wir für ihre Arbeit bezahlen können. Da ist es noch deutlich schwieriger, jemanden zu finden, der ehrenamtlich arbeit will. Die gute Konjunktur hat uns da einfach einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Was passiert jetzt mit dem Gasthaus?

Die Krone ist ein besonderes Gebäude, mit ganz vielen Stärken, aber auch Schwächen. Die Veranstaltungsetage wird viel zu selten genutzt. Deshalb wollen wir es zu einem kulturellen Treffpunkt mit gastronomischem Angebot entwickeln. Dazu brauchen wir einen Fahrstuhl und neue Sanitäranlagen.

Sie wollten wieder stärker für die Stadt begeistern. Wie steht es um das „Wir-Gefühl“ in Homberg?

Mein Eindruck ist, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Ich bin begeistert davon, wie viele Menschen sich ehrenamtlich engagieren. Ich glaube, dieses Engagement hat zugenommen. Viele Menschen haben verstanden, dass niemand ihr Lebensumfeld für sie gestalten kann – sie müssen sich auch selbst einsetzen.

Wieso sollten junge Menschen in die Kreisstadt ziehen?

Homberg ist eine lebenswerte Stadt, insbesondere für Familien. Wir haben in den vergangenen Jahren mehr als 100 neue Kita-Plätze geschaffen. Das Kulturangebot haben wir erweitert, im Bereich Sport wollen wir ebenfalls neue Akzente setzen. Kurzum: Wir bieten ein lebenswertes Umfeld und arbeiten daran, dass es noch besser wird.

In der Altstadt herrscht nach wie vor Leerstand. Wie wollen Sie die Stadt weiter mit Leben füllen?

Die Talsohle in der Altstadt ist durchschritten. An vielen Stellen kann man erkennen, dass es aufwärtsgeht und dieser Bereich eine neue, zeitgemäße Funktion einnehmen wird. Entscheidend ist, dass viele Menschen erkannt haben, dass diese Entwicklung nicht von selbst stattfindet, sondern intensiv daran gearbeitet werden muss. Wir schaffen mit der Citta-Slow-Initiative(die zum Ziel hat, eine Stadt lebenswerter zu machen; Anmerkung d. Red.) etwa Voraussetzungen dafür, dass es attraktiver wird. Gerade in den Sommermonaten haben sich bereits andere Formate entwickelt, die den Leerstand etwas kompensieren: Ich denke da an die Nachtmärkte und den Wochenmarkt.

Sie haben mit einigen Altlasten Ihres Vorgängers zu kämpfen. Was musste aufgearbeitet werden?

Wir haben uns alles angeschaut und überlegt, was man tun muss. Deshalb wissen wir heute bei allen Themen, wo wir stehen. Diese Erkenntnisse sind nicht in allen Punkten zufriedenstellend. Speziell bei den größten Baustellen Kasernen und Ärztehaus haben wir eine Basis geschaffen, auf der sich aufbauen lässt.

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Es gilt, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Homberg weiter zu verbessern,

Was muss besser werden?

Wir müssen die Kräfte in unserer Region noch stärker bündeln, damit wir die Nachteile des ländlichen Raums gegenüber großen Städten noch besser kompensieren können. Wenn uns das gelingt, blicke ich sehr optimistisch in die Zukunft.

Zur Person

Dr. Nico Ritz (41) wurde in Marburg geboren und ist in Homberg aufgewachsen. Nach seinem Abitur an der Theodor-Heuss-Schule studierte Ritz in Konstanz Rechtswissenschaften. Das zweite juristische Staatsexamen legte er in Stuttgart ab. Bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister 2014 arbeitete er in einer Hamburger Sozietät für Insolvenzrecht und Sanierung als Rechtsanwalt. Ritz ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in der Homberger Altstadt.

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