Podiumsdiskussion zu Südlink

Bundestagsabgeordnete: Kaum Chancen, Südlink zu verhindern

Homberg. Große Hoffnung, die geplante Stromtrasse durch den Schwalm-Eder-Kreis zu verhindern, machten beiden Bundestagsabgeordneten Dr. Edgar Franke (SPD) und Bernd Siebert (CDU) den Gegnern von Südlink nicht.

Eher ernüchterten sie die 400 Menschen, die zur Diskussion der Bürgerinitiativen in die Homberger Stadthalle gekommen waren. Auch wenn beide gegen die Trassenführung sind, sehen sie kaum Möglichkeiten, das Verfahren aufzuhalten.

Am deutlichsten brachte es Bernd Siebert auf den Punkt. Er sieht nur drei Möglichkeiten, Südlink zu verhindern, keine davon sei aber realistisch:

1.: Eine Klage, die aber zu teuer für die Bürgerinitiativen sein könne.

2.: Andere politische Verhältnisse im Bundestag, die sind erst 2016 möglich.

3.: Man müsste die Hälfte der Abgeordneten überzeugen. Auch das sei nicht machbar: Nur 33 der 650 Bundestagsabgeordneten sind von der geplanten Stromtrasse durch das Land betroffen.

Also wird Tennet wie geplant am 12. Dezember den Antrag bei der Bundesnetzagentur einreichen und dann in die Feinplanung gehen. Da werden auch die drei Punkte, die Dr. Edgar Franke nannte, warum er gegen die Trasse ist, nichts helfen:

Ob eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgeschlossen werden kann oder nicht, ob eine Erdverkabelung die bessere Alternative ist und: dass Hessen gesetzliche Mindestabstände von der Bebauung zur Trasse erheben muss.

Beide Politiker waren sich einig über die missratene Planung von Tennet. „Das ist ohne Sinn und Verstand. So sei wie das im Schwalm-Eder-Kreis geplant ist, ist das abzulehnen“, sagte Franke. Doch in Berlin sei kein Durchkommen damit, sagte Siebert. „Wenn ich da sage, ich bin für die Erdverkabelung, dann bekomme ich zur Antwort. Das ist siebenmal so teuer.“

Wie schon in der Bürgerversammlung in Knüllwald stellte Claus Rennert von Infranetz die Erdverkabelung vor, die er für verträglicher hält und die kaum teurer als die Trasse sei.

„In Berlin gibt es zu viele Lobbyisten“, sagte Bernd Herbold von der Bürgerinitiative in Homberg. In den Netzen verdient man viel Geld, meinte Franke. Olaf Knierim von der Bürgerinitiative Knüllwald bot auch harsche Kritik: „Was können wir nun weiter machen, wie können Sie uns helfen? Sie reden um den heißen Brei herum und sind zudem schlecht informiert. Franke will Wahlkampf machen und Siebert wiederholt sich ständig.“

Der Unmut in den Reihen wuchs beständig: „Wir werden ganz schön verscheißert, wie können wir Betroffenheit erzeugen“, sagte Volker Steinmetz, Bürgermeister von Felsberg. Studien bewiesen, dass eine autarke Energiewende genauso möglich sei. Das unterstrich auch Dietmar Groß: Die dezentrale Energieversorgung und die Erdverkabelung ist eine echte Alternative. Die Energieversorgung von unten sei in der ländlichen Region die Lösung.

So sieht es auch der Homberger Bürgermeister Dr. Nico Ritz: „Hier ist Politik gefordert vom Land und vor allem vom Bund. Dezentrale Energieversorgung ist das Gift der Monopolisten.“ Weiterer Protest sei die einzige Möglichkeit, erklärte Karl-Heinz Ebers, Ortsvorsteher von Mörshausen. „Der größte Raumwiderstand sind die Bürgerinitiativen“ sagte er. Man dürfe nicht aufgeben.

Ralf Pfeiffer, Bürgermeister von Bad Emstal meinte, der Bundesnetzagentur müsse die Planung aus der Hand genommen werden. Der Bundestag sei übers Ohr gehauen worden und sie habe Fehler gemacht und müsse Rückgrat beweisen und die ganze Sache zurückziehen. „Wir müssen weiter Stimmung machen. Wenn wir nicht gemeinsam kämpfen, dann werden wir überrollt“, sagte er.

Von Christine Thiery

Gesundheitliche Folgen durch Gleichstrom sind möglich

Akute Wirkungen oder Langzeiteffekte: Professor Dr.Hans Martin, von der Universität Kassel meint, gesundheitliche Folgen durch die Trasse seien durchaus möglich. Der Experte für Arbeits- und Gesundheitsschutz erläuterte Details, wie sich die Gleichstromkabel mit 800 Volt auf die Gesundheit auswirken können.

Folgen könnten steigende Krebsraten wie Leukämie sein sowie DNA-Veränderungen. Auch psychische Folgen bis hin zu Alzheimer seien möglich, aber auch leichte Verstimmungen wie Übelkeit und Schwindel. Gefährlich sei die Feinstaubbelastung.

Implantatträger sollten sich nicht in die Nähe der Leitungen aufhalten. Er forderte: Es muss Forschung betrieben werden, sonst sind wir Versuchstiere. Die risikoärmere Technik ist das Erdkabel, fügte er hinzu. (zty)

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.