Homberg ist Reformationsstadt, doch fehlt es an richtiger Strategie

Homberg. Die Erwartungen sind groß: Von einem neuen Sommermärchen spricht die Deutsche Zentrale für Tourismus mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017. Schließlich gibt es etwa 71 Mio. Lutheraner weltweit - in Deutschland 16 100 Gemeinden. Auch die Reformationsstadt Homberg würde dabei gerne eine Rolle spielen.

Homberg. Bis Reformationstouristen in Bussen nach Homberg kommen, ist es noch ein weiter Weg, sagt der Homberger Christian Utpatel, der unter anderem für die Lutherstadt Wittenberg als Berater arbeitet, in verschiedenen Projektgruppen für das Reformationsjubiläum aktiv ist und sich als Reiseunternehmer auf religiöse Gruppenreisen spezialisiert hat.

Christian Utpatel

„In Homberg hat man das Wort Reformationsstadt auf das Ortsschild geschrieben und danach passierte nichts“, sagt Utpatel im HNA-Gespräch. Vier Probleme macht er aus: In Homberg funktioniere das Stadtmarketing nicht richtig. Zudem sieht er bei der Idee für ein Haus der Reformation und der Arbeit des Stadtmarketings Überschneidungen. „Man muss Strukturen klären“, sagt Utpatel, der Zweifel am Erfolg eines Hauses der Reformation hat. Dieser Gedanke sei nicht innovativ. Man sollte sich darauf konzentrieren, das Vorhandene zu entwickeln. Die größten Probleme seien aber, dass die Reformation von den Menschen als kirchliches Spezialthema angesehen werde und, dass Homberg keine einzigartigen Reformations-Orte habe. „Es gibt bis auf die Stadtkirche nichts, was Reformations-Touristen fotografieren können.“

Engagement sei gut, aber es müsse gesteuert werden: Derzeit häkele eine Initiative ein Luther-Logo. Doch sei diese Aktion nicht mit anderen vernetzt. „Dann hat man einen gehäkelten Vorhang - und dann?“, fragt Utpatel. Das sei typisch für Homberg, es gebe gute Ideen und spannende Projekte, doch dieses Engagement verpuffe, weil es nicht flankiert werde von einer durchdachten, langfristigen Strategie. Es fehle an gesicherten Strukturen und letztlich an der politischen Unterstützung, sagt der FWG-Mann.

Vermarktung hakt 

Die Stadt müsse Netzwerke besser nutzen, fordert er. Sie sei zwar Refo500-Mitglied, von alleine kämen die Touristen noch lange nicht in die Stadt. „Eine Mitgliedschaft in einem Fußballverein macht mich nicht zum Profifußballer.“ Es hake bei der Vermarktung: Homberg habe zum Beispiel die Rechte an der Internetseite Reformationsstadt.de. Gibt man diese Adresse ein, macht sich Ernüchterung breit - man landet bei der Stadt.

Zielgruppe Konfirmanden 

Luther habe eigentlich nichts mit der Homberger Reformation zu tun und für 2017 sei man zu spät dran. Das sei nicht schlimm, weil bis 2026 weitere Jubiläen folgen und Homberg noch Chancen auf ein Stück vom Kuchen habe.

Die entscheidende Zielgruppe seien aber nicht Konfirmanden, sondern zahlungskräftige Gäste. Aber die hätten es schwer: Viel Leerstand und keine Gastronomie, die spontan 45 Leute gleichzeitig mit Kaffee und Kuchen versorgen könnte. Dabei müsse es für die Stadt darum gehen: Einzelhandel, Gastronomie und Beherbungsbetriebe stärken - Geld in die Stadt holen. „Selbst die spanischen Bettenburgen haben mal mit einem Hippie am Strand angefangen“, sagt Utpatel.

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