Coronakrise: Hermann-Schafft-Schule

Aufgaben per Video: Unterricht in Gebärdensprache 

Unterricht mit Kuscheltieren: Lehrerin Lena Poetter erstellt Videos in Gebärdensprache für ihre Schüler. 
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Unterricht mit Kuscheltieren: Lehrerin Lena Poetter erstellt Videos in Gebärdensprache für ihre Schüler. 

Wenn Lena Poetter mit ihren Schülern Kontakt aufnimmt, dann sitzen alle gebannt vor ihrem Computer.

Mit der Lehrerin warten ein kleiner Polizist, ein Monster und ein Käfer auf die Kinder, um mit ihnen gemeinsam in den Schultag zu starten, den derzeit jeder von zu Hause gestalten muss.

Das Besondere dabei: Da wo sonst gesprochen und gehört wird, wird bei Lena Poetter gezeigt. Sie unterrichtet Schüler der Homberger Hermann-Schafft-Schule mit Gebärden – und dreht in Zeiten von Corona kleine Videos für ihre Schüler. Und auch sonst muss die Schule für Schüler mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen ganz besonders kreativ werden.

Visuelle Brücke für Schüler schaffen

„Meine Schüler brauchen eine visuelle Brücke“, sagt Lena Poetter. Die Kinder in ihrer Klasse sind gehörlos. Mal eben miteinander telefonieren, um den Schulstoff zu erklären, funktioniert für sie nicht.

Deshalb schickt die Lehrerin jeden Morgen kleine Motivations- und Begrüßungsvideos an ihre Schüler. Mindestens zwei Mal in der Woche gibt es für jeden Schüler eine feste Videozeit mit der Lehrerin, etwa 1,5 Stunden hat Poetter wöchentlich pro Schüler, um Aufgaben zu erklären, und beim Lernen zu unterstützen.

Kontakt zu Kindern sei wichtig

Möglich ist das, weil die Klassen an der Hermann-Schafft-Schule deutlich kleiner sind, als an Regelschulen: „Ich betreue sechs Kinder in meiner Klasse“, sagt Poetter. Besonders die Aufbereitung des Lehrmaterials sei anders, als in normalen Zeiten, wenn die Lehrer in der Klasse unterrichten.

Gemeinsam mit den drei sogenannten Leitfiguren, die in jedem Video dabei sind, stellt Poetter ihren gehörlosen Schülern nun Aufgaben. Wenn diese bearbeitet wurden, werden sie an die Lehrerin zurückgeschickt. Mit den Kindern in Kontakt zu bleiben sei wichtig, berichtet Poetter. Umso mehr, wenn die Schüler in Haushalten lebten, in denen nur schwer mit ihnen kommuniziert werden könnte, weil Verwandte die Gebärdensprache nicht beherrschen. „Für die Schüler ist das schwer. Sie leiden wirklich unter der Situation“, so Poetter. Einige bräuchten die persönliche Bindung beim Lernen – andere hingegen kämen gut mit der neuen Situation zurecht.

Für die Lehrer der Hermann-Schafft-Schule ist das Unterrichten von zu Hause eine große Herausforderung.

Lernergebnisse per Mail

Einige schickten Arbeitspläne wöchentlich mit der Post zu den Schülern, andere kommunizierten über Messenger, per Mail, Videos und Fotos. Schüler schicken ihre Lernergebnisse als Foto oder Mail zurück. „Wir müssen sehr kreativ sein, weil unsere Schüler so heterogen sind“, sagt Poetter. Und: „Wir merken, dass Unterricht nicht durch Home Schooling ersetzt werden kann.“

Lern- und Arbeitsstrategien, soziales Verhalten – all das könne derzeit nicht vermittelt werden. Neue Inhalte in den Unterricht einfließen zu lassen, sei deutlich schwerer als zuvor. Die Hermann-Schafft-Schule unterrichtet nach demselben Lehrplan wie Regelschulen. Doch das sei in der jetzigen Situation kaum leistbar, sagt Poetter. Aufgabe der Lehrer sei es nun, die Schüler bestmöglich zu unterstützen.

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