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Das Korn der Inka wächst in Lendorf

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Von: Claudia Brandau

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Landwirt zu sein bedeutet für ihn vor allem, einen abwechslungsreichen Beruf zu haben: Agrarwirt Robin Bock aus Lendorf (21) Weizen und seit diesem Jahr auch Quinoa an.
Landwirt zu sein bedeutet für ihn vor allem, einen abwechslungsreichen Beruf zu haben: Agrarwirt Robin Bock aus Lendorf (21) baut Weizen und seit diesem Jahr auch Quinoa an. © Claudia Brandau

Das Experiment begann im vorigen Jahr mit einem Fernsehbericht: Als Robin Bock einen Beitrag über den Anbau von Quinoa sah, da wusste er gleich zwei Dinge. Erstens: Diese winzigen Körner wollte er auch anbauen, Und zweitens: Er würde es wohl ein bisschen besser hinkriegen als jener Anbauer im Fernsehen, dessen Feld voller Unkraut stand.

Lendorf - In diesen Tagen wartet der angehende Betriebswirt für Agrarwirtschaft aus Lendorf nun auf seine erste Ernte: Er hat seinen Plan umgesetzt und auf einer Fläche von einem Hektar erstmals das südamerikanische Pseudogetreide angebaut.„Das war eine echte Herausforderung: Pflanzenschutzmittel sind für den Anbau nicht zugelassen, es gibt aber auch weder ein Lehrbuch noch eine Anleitung“, sagt der 21-Jährige, der das Internet auf Suche nach Tipps durchforstete.

Robin Bock ist experimentierfreudig

Im Recherchieren hat er Übung, denn Robin Bock ist experimentierfreudig. Er hat schon - allerdings mit eher bescheidenem Erfolg - Tabak angebaut, und ist mit dem Anbau von Erdnüssen gescheitert, wie er selbst sagt: Nur zwei Pflanzen sind aus dem Samen aufgegangen, den er sich hat aus Ungarn hat schicken lassen. Gerade wachsen sie ein bisschen versteckt und verschämt nun im Bockschen Garten zwischen Bohnen.

Robin Bock lässt sich von solchen Kleinigkeiten nicht entmutigen. „Pflanzen sind faszinierend – jede hat ihre eigene Strategie zu überleben“, sagt er. Die zu entdecken, das ist sein Ding, nicht umsonst erprobt er sich an Sonderkulturen wie Quinoa. Und dafür nimmt er einiges in Kauf: Nach der Ernte mit dem herkömmlichen Mähdrescher müssen die winzigen Körner getrocknet und gereinigt werden. Die Maschinen aber, die Bocks am Hof haben, sind dafür nicht geeignet, Robin Bock hat nun eine umgebaut. „Wer Bauer ist, der ist immer auch zugleich Schlosser, Mechaniker und Bastler“, sagt er.

So sieht Quinoa aus: Das Pseudogetreide stammt aus den Anden und ist extrem anpassungsfähig – es kommt sogar mit der zunehmenden Trockenheit in unserer Region klar.
So sieht Quinoa aus: Das Pseudogetreide stammt aus den Anden und ist extrem anpassungsfähig – es kommt sogar mit der zunehmenden Trockenheit in unserer Region klar. © Brandau, Claudia

Suche nach Vertriebswegen

Ende August steht die Ernte an, im Herbst geht er auf die Suche nach Direktvermarktern und Unverpacktläden, die sein Quinoa als regionales, zukunftsfähiges, ohne Pestizide gezogenes Produkt kaufen. Bock rechnet mit einer knappen Tonne Ertrag, die er auf dem Feld am Rande von Lendorf ernten wird. Dass er sie gut verkaufen wird, daran hat er keinen Zweifel. „Quinoa boomt: Vor allem junge Leute interessieren sich dafür – vor allem dann, wenn es aus der Region kommt“, sagt er.

Rüdiger Bock unterstützt seinen Sohn: „Man muss heute flexibler in der Landwirtschaft unterwegs sein als früher“, sagt der Lendorfer. „Wir leben in einer solch schnelllebigen Zeit, dass man eigentlich immer erst das neueste Gesetzesblatt lesen müsste, bevor man auf den Acker fährt.“ Und auf dem Quinoa-Acker waren die Bocks oft: Sie sind mit der Hackmaschine durchgefahren um dem Wildwuchs Herr zu werden, haben händisch alles herausgezogen, was nicht in der Quinoa-Ernte landen soll.

Die Mühe und der Einsatz haben sich gelohnt: Wenn Robin Bock in diesen Tagen über den Acker geht, die winzigen Körnchen auf ihren Reifegrad hin prüft, ist er zufrieden – trotz fehlender Erfahrung ist es gut gelaufen. „Mein Feld sieht jedenfalls wesentlich besser aus als das damals im Fernsehen, wo man die Frucht nicht vom Unkraut unterscheiden konnte.“

Die Experimente mit Tabak und Erdnüssen sind gescheitert – aber das in Sachen in Quinoa ist Robin Bock geglückt. Im nächsten Jahr wird wieder Quinoa rund um Lendorf wachsen, da ist sich der 21-Jährige ganz sicher. (Von Claudia Brandau)

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