1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fritzlar-Homberg
  4. Homberg (Efze)

Die beiden Leiter der Tafel sagen Tschüss

Erstellt:

Von: Claudia Brandau

Kommentare

Leiter vor Obst
Nehmen Abschied von der Homberger Tafel: Barbara Redlich und Peter Laukner geben die Leitung ab und gehen nach 18 Jahren unentgeltlicher Arbeit in den Ehrenamts-Ruhestand. © Claudia Brandau

Homberg – Als sich Peter Laukner und Barbara Redlich im Jahr 2004 entschieden, bei der Homberger Tafel mit zu arbeiten, wusste keiner der beiden, worauf er sich einließ: „Wir hatten zwar viele Vorstellungen, aber keine Einblicke“, sagen die beiden Homberger. 18 Jahre später aber sind Laukner und Redlich echte Profis in Sachen Tafelarbeit: Koordinator Laukner und seine Stellvertreterin Redlich haben sich jetzt in den Ruhestand verabschiedet. Ein Festgottesdienst in der Homberger Stadtkirche würdigte ihre Verdienste und Leistungen.

Beide haben zusammen mit den anderen Gründungsmitgliedern abertausende Stunden Arbeit investiert, um ab Januar 2005 Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen. Anfangs zwar mit viel Motivation, aber mit sehr wenig Inventar: „Die Homberger Tafel ist quasi aus dem Nichts heraus entstanden“, erinnert sich Barbara Redlich an die erste Zeit in einer ehemaligen Schlachterei in der Oberstadt.

Dort schrubbten die Ehrenamtlichen erst einmal die Räume, die lange leer gestanden hatten, organisierten Tische, Arbeitsplatten, Kühlschränke, fragten sich unentwegt, wie sie denn an Spenden kommen könnten. „Ich bin viele Jahre abends mit der Tafel im Kopf schlafen gegangen und morgens mit der Tafel im Kopf aufgewacht“, sagt Barbara Redlich.

Peter Laukner ging es nicht viel anders. Der Homberger hatte sich „nur einfach einbringen und der Gesellschaft etwas zurückgeben“ wollen, begründet er seine Motivation. Aus einem kleinen Ehrenamt wurde schnell ein Vollzeitjob: Laukner übernahm die Leitung, kümmerte sich um neue Fahrzeuge, arbeitete in der Lebensmittelakquise mit. Auch wenn der Start schwierig war, sei der eigentliche Betrieb ab Januar 2005 im Rückblick doch eher leicht gewesen, sagt Barbara Redlich: „Damals haben wir 96 Menschen versorgt, heute sind es über 600.“ Zu den stets steigenden Zahlen der Bedürftigen kamen nicht vorhersehbare Krisen und Katastrophen: Die Flüchtlingswelle 2015 forderte die Mitarbeiter der Homberger Tafel extrem. „Wir brauchten nicht nur weit mehr Lebensmittel, sondern auch Dolmetscher – die Kunden hatten ja keine Ahnung, wie eine Tafel funktioniert“, so Redlich.

Dafür lernten dann sie und das ganze Team fünf Jahre später, wie man eine solch besondere Arbeit in einer Pandemie leistet. Der Ukrainekrieg ist die dritte nie vorstellbare Krise, die die Homberger Tafel nun bewältigen muss.

Die Tafel war für die beiden Koordinatoren an deren Spitze „wie ein Baby“. Nächstes Jahr wird dieses „Baby“ volljährig. „Es ist also Zeit, loszulassen“, sagen beide. Leicht fällt das nicht. „Es ist schwer, Verantwortung abzugeben“, sagt Peter Laukner. „Aber jetzt wird es Zeit.“ Laukner ist 86 Jahre alt – da darf man Verantwortung abgeben.

Barbara Redlich (72) ruft den Ex-Kollegen, die den Fototermin beobachten, ein fröhliches „Tschüss“ zu. Und wischt im Rausgehen noch mal ganz schnell mit einem Lappen über die Spüle. Manchmal ist das Loslassen doch schwerer als gedacht.

Auch interessant

Kommentare