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Dieter Kirchner aus Homberg erhielt den Hessischen Verdienstorden

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Von: Lea Beckmann

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Seine Verdienste werden gewürdigt: Dieter Kirchner (78) bekam den Hessischen Verdienstorden im Homberger Rathaus.
Seine Verdienste werden gewürdigt: Dieter Kirchner (78) bekam den Hessischen Verdienstorden im Homberger Rathaus. © Lea Beckmann

„Es ist eine besondere Ehre für mich – ich freue mich sehr und hätte damit wirklich nicht gerechnet“, sagt Dieter Kirchner. Der 78-Jähriger erhielt gestern im Homberger Rathaussaal den Hessischen Verdienstorden.

Homberg – Kirchner war 40 Jahre lang Leiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Homberg und damit der erste Ansprechpartner, wenn es um Schwimmkurse ging. Gefühlt hat er halb Homberg das Schwimmen beigebracht. „Ich kann nicht sagen, wie viele Menschen bei mir das Schwimmen gelernt haben“, sagt er. Aber es waren pro Winterhalbjahr zwei Kurse mit rund 20 Kindern und zehn Erwachsenen – und das über viele Jahre.

Doch wie ist Kirchner selbst zum Schwimmen gekommen? „Ich habe mir nie das Ziel gesetzt, irgendwann mal bei der DLRG zu sein“, sagt er. Der 78-Jährige wuchs in Sachsen-Anhalt in Hettstedt bei seinen Großeltern auf. Dort lernte das Schwimmen. „Damals hat keiner die Schule verlassen, bevor er nicht schwimmen konnte“, sagt er. Bei der Bundeswehr legte er dann 1964 das Deutsche Rettungsschwimmer-Abzeichen in Bronze ab. „Wenn dann irgendwo ein Rettungsschwimmer benötigt wurde, dann war ich da“, sagt er. Kirchner ist im Wasser in seinem Element.

Dieter Kirchner aus Homberg ist seit 53 Jahren verheiratet

Für die Bundeswehr zog er nach Hessen, nach Schwarzenborn. „Von da an war ich ein Hesse“, so der 78-Jährige. Und dort begegnete er auch seiner Frau Monika. „Ich war auf einer Hochzeit eines Kameraden eingeladen, Monika saß auf der Feier neben mir“, sagt er und lächelt seine Frau an. Seit 53 Jahren sind die beiden nun verheiratet, haben drei Kinder und vier Enkelkinder. „Denen habe ich natürlich auch das Schwimmen beigebracht“, sagt er stolz.

Mit 30 Jahren entschied sich Kirchner, eine Ausbildung bei der Polizei zu absolvieren. Später arbeitete er bei der Dienststelle in Homberg. Wohnte zunächst in einer kleinen Wohnung, dann in einem Reihenhaus und baute schließlich selbst ein Haus in Homberg, in dem er und seine Frau heute noch leben. Die Polizei wies ihm den Weg zur DLRG. „Ein Kollege machte mich auf sie aufmerksam und seitdem bin ich im Verein.“

Im Schwimmbad verbrachte und verbringt Dieter Kirchner viele Stunden.
Im Schwimmbad verbrachte und verbringt Dieter Kirchner viele Stunden. (Archivfoto) © Chantal Müller

Kurz darauf hatte er den Lehrschein gemacht, der ihn zur Abnahme aller Abzeichen bis zum Goldenen berechtigt ist. Kirchner holt den gelben Schein heraus, klappt ihn auf und erzählt: „Ich habe auch das Goldene Abzeichen, das war früher dieser Lehrschein.“

Danach widmete sich der 78-Jährige den Schwimmkursen. Die habe der Homberger natürlich nie alleine gemacht, „ich hatte immer tolle Unterstützung“, sagt Kirchner. Bis heute gibt er sie. Und in all dieser Zeit ist einiges passiert: Er hat Kindern aus der Homberger Partnerstadt Stolin bei deren Erholungsaufenthalten das Schwimmen beigebracht, genau wie muslimischen Frauen und auch hörbeeinträchtigten Schülern der Hermann-Schafft-Schule. „Das war nicht einfach – man musste viel Vertrauen aufbauen“, sagt er.

Beim Schwimmunterricht erlebte er unbezahlbare Augenblicke

Sein Erfolgsmoment, der ihn motivierte: „Egal wem ich das Schwimmen beigebracht habe, wenn derjenige dann plötzlich einen Zug schwimmen konnte und strahlte, das freute mich jedes Mal“, sagt er und diese Freude sieht man ihm in dem Moment auch an. Für ihn seien diese Augenblicke unbezahlbar.

Dieter Kirchner schwimmt mittlerweile selbst nicht mehr. „Die Zeiten, dass ich 36 Meter am Stück durchtauchen konnte, die sind vorbei“, sagt er. Doch aktiv ist der 78-Jährige immer noch. Mit seiner Frau Monika wandert und reist er gerne, die beiden sind riesige Dänemark-Fans. Zudem kümmert er sich um den Garten und das Haus. Außerdem ist er immer noch im Partnerschaftsverein Homberg-Stolin tätig. „Das bin ich seit 1998.“

Der Hessische Verdienstorden

Mit dem Hessischen Verdienstorden werden laut Staatskanzlei Verdienste um das Land Hessen und seine Bevölkerung gewürdigt. Jeder Bürger könne jemanden vorschlagen, der solch einen Orden verdient habe. Sich selbst zu benennen sei nicht möglich. Dr. Rolf Hennighausen hatte Dieter Kirchner vorgeschlagen. 1989 hat Ministerpräsident Dr. Walter Wallmann den Orden eingeführt. Ministerpräsident Hans Eichel hat 1998 den Hessischen Verdienstorden am Bande ergänzend eingeführt, als zweite, niedrigere Ordensstufe.

(Lea Beckmann)

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