Weiterbetrieb möglich

Dorfladen in Wernswig schließt: Förderverein soll gegründet werden

Vor dem Edeka-Markt Lotz steht Ware, die eingeräumt werden muss.
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Schließt am 1. Dezember: Die Familie Lotz gibt den Edeka-Markt in Wernswig auf. An dessen Stelle soll ein Tegut-Lädchen entstehen, ein Förderverein soll dafür gegründet werden.

In Wernswig soll man auch in Zukunft einkaufen gehen können: 40 Wernswiger waren am Freitag zur Bürgerversammlung ins Gasthaus Freund gekommen, um sich über den Erhalt ihres Lädchens zu informieren. Denn der seit vielen Jahren bestehende Edeka im Dorf schließt zum 1. Dezember. Familie Lotz gibt den Betrieb auf.

Wernswig - An dessen Stelle soll ein Tegut-Lädchen entstehen, das, unterstützt von den Einwohnern, von einer sozialen Betreibergesellschaft wie der Starthilfe geführt werden soll.

Seit elf Jahren führt der Familienbetrieb Lotz das Edeka-Lädchen im Ort. Durch die Coronakrise wurde es aber immer schwieriger durchzuhalten, berichteten Mike und Friedhelm Lotz: „Seit März sind 35 Prozent der Umsätze weggefallen“, sagte Mike Lotz. „Wir haben alles probiert, um das aufzufangen, aber es funktioniert nicht.“ Das Geschäft weiterzuführen sei nicht mehr rentabel, daher habe sich die Familie entschlossen, zu schließen.

Wernswig ist mit 1000 Einwohnern der größte Stadtteil Hombergs. Die umliegenden Dörfer Sondheim und Lenderscheid zählen ebenfalls zum Einzugsgebiet. „Der Laden ist ein sozialer Mittelpunkt und die Voraussetzung für das Leben im Alter im Dorf“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Thurau, der selbst in Wernswig lebt. Er sichere die Grundversorgung und sei auch für die Ansiedlung junger Menschen interessant. Für den Weiterbetrieb wird nun ein sozialer Träger wie die Starthilfe gesucht. Ziel sei es, einen Laden im Dorf zu erhalten, um die Versorgung der Älteren zu sichern, aber auch um einen wichtigen Treffpunkt der Dorfgemeinschaft zu erhalten.

Thurau hatte sich bei der Tegut-Gruppe informiert. Diese bietet ein Konzept für kleine Dorfläden an, die zwar nicht gewinnorientiert arbeiten, aber die Versorgung sichern. Schule im Kreisteil macht das Tegutlädchen in Kleinenglis. Der ehemalige Ortsvorsteher Werner Krell setzte sich dafür ein und stellte das Konzept vor. Der Laden komme in Kleinenglis an und werde rege genutzt. Betreiber ist die Starthilfe. Das Tegut-Konzept sei für einen Einzugsbereich von etwa 1500 Menschen geeignet und umfasse 4000 Artikel. Diese seien gut sortiert. Tegut sei flexibel, auch regionale Bäcker oder Metzger könnten sich ansiedeln.

Einige Wernswiger wünschten sich Bioware aus der Region im Sortiment. Das sei möglich. Krell sagte, dass der Laden angenommen werden muss, damit er kostendeckend arbeiten könne. Mehr sei nicht zu erwarten, so seine Erfahrung. Es reiche nicht, nur den im Discounter vergessenen Zucker dort zu kaufen. Das Ladengeschäft in Wernswig sei gut geeignet, es müssten etwa 50 000 Euro investiert werden, um die Bedingungen der Tegut-Gruppe zu erfüllen, sagte Thurau. Bürgermeister Dr. Nico Ritz verwies auf eine 50- bis 85-prozentige Förderung durch die Dorfentwicklung.

Die Wernswiger waren sich einig, dass der Laden nicht lange leer stehen solle. Familie Lotz stellt die Ladenfläche zur Miete zur Verfügung. Die Einrichtung – etwa 120 000 Euro – für Regale, Kassensystem und Kühlgeräte werde von Tegut gestellt und müsse zunächst gemietet werden. Die Ware wird auf Kommission geliefert.

Dorfladen Wernswig: Förderverein soll gegründet werden

Um das Lädchen in Wernswig aufrecht zu erhalten, soll ein Förderverein gegründet werden. Dazu werden alle Wernswiger aufgefordert, Mitglied zu werden und einen Beitrag von etwa 50 Euro als Startkapital zu zahlen. Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Thurau habe bereits einige Wernswiger angesprochen, die interessiert seien. Viele Einwohner seien wegen Corona nicht zum Treffen gekommen.

Bis der Laden läuft, ist viel ehrenamtliche Arbeit nötig. So muss das Geschäft saniert werden, es ist eine Organisation nötig und das Geschäft muss geführt werden. Thurau appellierte an die Wernswiger, sich für den Erhalt des Geschäftes einzusetzen und hinter dem Projekt zu stehen. Einige Teilnehmer der Bürgerversammlung im Gasthaus Freund erklärten sich spontan dazu bereit mitzuarbeiten. (Christine Thiery)

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