Diese Liebe reicht bis in den Tod

Paar stirbt nach 67 gemeinsamen Jahren - binnen 24 Stunden

Bis zuletzt ein glückliches Paar: Ilse und Erwin Wolka aus Falkenberg feierten im Herbst 2013 ihre Eiserne Hochzeit, am Tag zuvor entstand das Foto. Am Heiligen Abend 2014 starb Erwin Wolka - seine Frau Ilse folgte ihm am Ersten Weihnachtstag. Foto:  Mangold/Archiv

Falkenberg/Homberg. 67 Jahre lang waren Ilse und Erwin Wolka unzertrennlich: Jetzt starben die beiden - an Weihnachten, binnen 24 Stunden.

Erwin Wolka (86) verschied am Morgen des Heiligen Abends, Ilse Wolka (87) folgte ihm am Vormittag des 1. Weihnachtstages. „Die beiden hatten eine unglaublich tiefe Verbindung", sagt ihre Tochter Gabi Michel aus Homberg. Eine Verbindung, die bis in den Tod reicht.

Die wichtigste Frage ihres Lebens stellte Ilse Gombert 1947 beim Theaterspielen auf der Bühne eines Mardorfer Gasthauses. „Wo ist denn mein Christian?“, fragte sie in ihrer Rolle das Publikum. Erwin Wolka gab Antwort: „Hier!“, rief der 17-Jährige damals laut und übermütig. Dieser Moment, so haben es die beiden immer wieder erzählt, war der Beginn ihrer großen Liebe.

So gesund und glücklich die Wolkas jahrzehntelang waren, so schnell verschlechterte sich ihre Gesundheit. Schon im November sei deutlich geworden, dass Weihnachten für ihre Familie eine schwere Zeit werden würde, sagt Gabi Michel. Ihre Mutter wurde krank und dement, sie kam ins Pflegeheim nach Ziegenhain, sie musste intensiv betreut werden.

Erwin Wolka litt sehr darunter, allein zu sein. Noch im Sommer hatte er zu seiner Frau gesagt: „Ich will nicht der Letzte sein, der von uns beiden übrig bleibt!“ „Aber Erwin, einer von uns wird der Erste sein“, habe seine Frau geantwortet. Erwin Wolka fiel es nach dem Umzug seiner Frau ins Heim schwer, allein im Haus in Falkenberg zu bleiben.

Jeden Tag setzte sich der 86-Jährige ins Auto und fuhr zu seiner Frau nach Ziegenhain ins Pflegeheim, auch wenn er es nur schwer ertragen konnte, dass seine Frau ihn immer seltener erkannte, am Ende gar nicht mehr mit ihm sprach. All das habe er aber nicht wahrhaben wollen: „Aber die Mama kommt doch wieder nach Hause, oder?“, habe er sie oft gefragt, sagt Gabi Michel. Doch schon da, Ende November, sei absehbar gewesen, dass ihre Mutter nie mehr nach Hause zurückkehren würde.

Jeden Morgen eine Todesnachricht 

Jung gefreit hat sie nie gereut: Ilse und Erwin Wolka bei ihrer Hochzeit im Oktober 1948. Foto: privat

In einer Nacht Anfang Dezember stürzte Erwin Wolka im eigenen Haus. Er zog sich dabei schwere Prellungen und Blutergüsse zu, kam ins Krankenhaus nach Kassel. Sein Zustand verschlecherte sich, es kamen eine Hirnblutung und Lungenentzündung hinzu.

Am Morgen des Heiligen Abends kam ein Anruf aus dem Klinikum Kassel mit der Nachricht: „Es tut uns leid: Ihr Vater ist heute früh gestorben“, teilte ihr ein Arzt mit.

Fahrt nach Ziegenhain 

Gabi Michel war schwer getroffen. Sie fuhr nach Ziegenhain, um ihre Mutter zu informieren. Doch da folgte der nächste Schock: Der Zustand ihrer Mutter habe sich über Nacht drastisch verschlechtert, sagten ihr die Pfleger. Gabi Michel setzte sich ans Bett, sah, wie ihre Mutter um jeden Atemzug rang. „Mama, der Papa ist heute früh schon vorgegangen, er wartet jetzt auf dich.“

Da habe sie das erste Mal an diesem Nachmittag die Augen geöffnet und sie lange angesehen. Am nächsten Morgen, am 1. Weihnachtstag, klingelte bei Gabi Michel in Homberg das Telefon. „Es tut uns sehr leid: Ihre Mutter ist heute früh gestorben“, sagte der Arzt.

Erwin und Ilse Wolka haben alles, aber auch wirklich alles im Leben zusammen geteilt - beinahe sogar den Todestag. Gestern wurden sie von Pfarrerin Sabine Koch auf dem Friedhof in Falkenberg begraben. Gemeinsam.

Von Claudia Brandau

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