Aktion eines Homberger Künstlers

Auf einem abgeernteten Feld soll ein riesiges Luther-Porträt entstehen

Kunstprojekt: Der Homberger Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer wird zum Lutherjahr ein Luther-Porträt auf einem Feld bei Mardorf herstellen. Vom Burgberg aus werden zwei Laser die Verbindung zwischen dem Porträt, dem Burgberg und der Stadtkirche herstellen. Foto: Schmitt

Homberg. Auf einem 35.000 Quadratmeter großen Feld bei Mardorf, auf dem zurzeit Winterweizen wächst, soll nach der Ernte im August innerhalb von zwei Wochen ein Porträt des Reformators entstehen.

Nach den Plänen Bauers sollen bei der Ernte die Getreidestoppeln kürzer abgeschnitten werden als üblich. Denn das Bild wird noch zwei Farben haben: das Gelb des Getreides und das Braun der Erde.

„Von Luther lernen“ heißt das Land-Art-Projekt, das Dr. Hans-Joachim Bauer zum Lutherjahr in Homberg präsentiert. Das Projekt ist eine Kombination von Land-Art und Licht und soll die Bedeutung des Reformators für Hessen symbolisieren.

Mehrfach diente der Acker bei Mardorf als Land--Art-Projekt. Unter anderen entstanden auf dem Kunstacker, wie ihn Bauer nennt, von 1994 bis 1996 das Projekt „Genesis“ mit drei Einzelprojekten „Gott“, „Mensch“ und „Pax“. Zum Hessentag 2008 wurde die Titanic abgebildet und 2013 war das Projekt „Evolution. Zivilisation, Digitalisation“ zu sehen.

Nachdem das Feld abgeerntet ist, will Bauer mit einem Messtrupp anrücken, um die Details des Gesichts, der Mütze und der Schulter einzumessen. Dazu sind 140 Messpunkte nötig, die mit Pflöcken markiert werden. Der Boden wird im nächsten Schritt mit einem Traktor umgeackert, die Ränder werden mit einer Gartenfräse nachgearbeitet. Das Porträt aus Erde und Getreidestoppeln entsteht.

Der Lasereinsatz

Der zweite Teil des Projekts ist der Einsatz von Lasern, der für den 10. September und am 31. Oktober, dem Reformationstag, geplant ist. Dafür werden auf dem Burgberg zwei Laser installiert. Sie sollen eine Verbindung zwischen dem Porträt, der Burg als Keimzelle der Stadt Homberg, der Stadtkirche St. Marien, in der 1526 während der Homberger Synode die Reformation für die Landgrafschaft Hessen beschlossen wurde und dem Luther-Porträt, herstellen. Die beiden Laser werden zwischen 19 Uhr und ein Uhr strahlen. Während der Zeit darf das Porträt aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden, sagt Bauer.

Der Homberger Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer.

Zwischen Hut und Hirn

Neben den Laserstrahlen hat das Porträt eine weitere Besonderheit. Vom Rand des Hutes aus wird ein Pfad auf die andere Seite führen. „Die Besucher können zwischen Hut und Hirn über den Kopf des Reformators wandern“, sagt Bauer. Auf der anderen Seite des Pfades steht ein Schild mit einem Handy. Dort können die Besucher über ihre Empfindungen beim Durchgang des Pfades berichten. Die Berichte sollen in einer Dokumentation zusammengefasst werden.

Veränderungen

Dokumentiert werden sollen nach den Plänen von Bauer auch die Veränderungen des Porträts. „Wir werden den aufkommenden Bewuchs nicht beseitigen“, sagt der Land-Art-Künstler. Mitglieder des Segelflugvereins fliegen wöchentlich über das Porträt, um Fotos für eine Ausstellung zu machen.

Die Bedeutung

Die Veränderung des Lutherporträts soll symbolisieren, dass jedes Zeitalter den Reformator unterschiedlich bewertet und gesehen hat. Die Spannbreite reicht vom guten Deutschen bis zum Judenhasser. Doch auch Luther habe sich in Laufe seines Lebens verändert. Auch das spiegelt sich in dem lebenden Porträt wider. Und die Laserstrahlen sollen nicht nur die beiden bedeutungsvollen Punkte Hombergs mit Luther verbinden: Vielmehr zeigen sie, dass Luther geistige Wegbreiter hatte, deren Ideen sich in der Reformation wiederfinden.

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