Stahlträger sollen Gebäude stützen

Einkaufszentrum in Homberg: Nachbarhaus muss abgesichert werden

+
Derzeit ist ihr Haus sicher: Almuth und Volker Karger wohnen und arbeiten in dem Haus, das direkt an der Grenze zum Einkaufszentrum an der Drehscheibe steht.

Das gigantische Loch auf der Baustelle für das Homberger Einkaufszentrum wird tiefer. Dafür herrscht im Bereich zur Ziegenhainer Straße derzeit Stillstand.

Das Haus der Familie Karger muss abgesichert werden. Es ist eine schlimme Nachricht, die Familie Karger aus Homberg da erhalten hat: Ihr Haus steht direkt neben dem neuen Einkaufszentrum. Für die Bodenarbeiten wurden tonnenweise Erde ausgehoben – bis zum Gebäude der Kargers. Die Folge sind Risse im Haus. Und die Angst, ihr Heim könnte abrutschen. Doch dann gab es ganz schnell und unbürokratisch Hilfe.

Immer wieder hätten sie Kunden danach gefragt, ob sie keine Angst um ihr Haus habe, sagt Almuth Karger. Die hatte sie nie so recht. Bis ein befreundeter Bauingenieur sagte, sie müssten dringend etwas unternehmen. Besonders durch die lang anhaltende Trockenheit sei der Zustand riskanter geworden. Denn für die Arbeiten am neuen Einkaufszentrum wird tonnenweise Erde ausgehoben – bis zur Grundstücksgrenze der Kargers.

„Als wir der Stadt schrieben, dass wir Angst um unser Haus haben, wurde sofort reagiert“, berichtet Karger. Bauamt und ein Vertreter von Schoofs-Immobilien, Investoren des neuen Einkaufszentrums, hätten sich den Zustand angeschaut. „Unser Problem wurde sofort ernst genommen“, betont Almuth Karger.

Und es gab eine schnelle Lösung: Bis auf weiteres wurden die Arbeiten in der Nähe des Gebäudes eingestellt. Solange das Grundstück nicht abgesichert ist, wird dort laut Almuth Karger nicht weitergearbeitet. „Im Moment besteht keine Gefahr. Das entspannt uns“, sagt sie. Denn sie hätten eine Verantwortung. Eine Verantwortung ihren Mietern und Kunden gegenüber. „Unsere Existenz hängt da dran“, sagt die Hauseigentümerin.

Einige Türen lassen sich nicht mehr schließen

Auch wenn das Haus nun erst einmal sicher ist, reichlich Risse gibt es dennoch im Gebäude. Die gab es zwar auch schon durch den Bau der Kreissparkasse in den 1990er-Jahren, berichtet Karger. Nun ließen sich einige Türen nicht mehr schließen. „Es ist Bewegung im Haus. Das muss beobachtet werden.“

Das erledigen die Investoren. Laut der Hauseigentümerin hat Schoofs den Zustand des Hauses vor Beginn der Arbeiten dokumentiert, auch ein Seismometer sei aufgestellt worden, um Bodenerschütterungen zu messen. Die seien während der Erdarbeiten mitunter gewaltig gewesen, wenn Bagger Steine zertrümmern mussten. „Wenn ein Brocken fällt, vibriert das ganze Haus“, berichtet Karger.

Almuth Karger ist froh über die Hilfe. Dennoch kritisiert sie, dass die Menschen, die in direkter Nachbarschaft zum Einkaufszentrum leben, nicht über anstehende Arbeiten informiert werden – und wünscht sich eine Verbesserung. Als ein Schaltkasten vor ihrem Haus habe versetzt werden müssen, konnten viele Kunden das Geschäft nicht betreten. Hätten sie über die Arbeiten Bescheid gewusst, hätten sie in dieser Woche ihren Laden geschlossen, berichtet sie.

Karger betont aber, dass sie nichts gegen die Bauarbeiten hat. „Die Arbeiter sind klasse“, sagt sie und ist voller Bewunderung und Lob für deren Leistung auf der Baustelle.

Stahlträger sollen Haus absichern

Bis das Haus der Familie Karger abgesichert ist, wird im vorderen Bereich der Baustelle nicht weitergearbeitet. In Absprache mit einem Bodenmechaniker, Statiker und Geologen sei besprochen worden insgesamt 18 etwa fünf Meter tiefe Löcher am Fuße des Hangs zu bohren, berichtet Bau- und Projektleiter Peter Michael Willwacher. Dort hinein werden 30 Zentimeter dicke Stahlträger eingesetzt. „Die werden vier Meter tief eingelassen.“ 

Anschließend werden die Stahlträger etwa zwei bis zweieinhalb Meter aus den Löchern herausragen und laut Willwacher ausgefacht und mit Kanthölzern nachverbunden. „Wenn das steht, wird die Böschung angepasst und hinter den Trägern wird aufgefüllt.“ Dann sei das Haus der Kargers abgesichert. Die Arbeiten sollen voraussichtlich in dieser Woche beginnen.

Lesen Sie dazu auch: Arbeiten für Homberger Einkaufszentrum haben begonnen - Eröffnung für 2020 geplant

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.