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Einmalig in Hessen: Simulations-Rettungswagen in Homberg

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Von: Lea Beckmann

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Luca Gaedecke und Emilia Schultze mit einer Übungspuppe im Rettungswagen.
Luca Gaedecke und Emilia Schultze absolvieren eine Ausbildung zum Notfallsanitäter und sind im zweiten Lehrjahr. Mit einer Übungspuppe üben sie Notfälle im Rettungswagen (RTW). © Lea Beckmann

Das gibt es in Hessen nur in Homberg: Die DRK-Rettungsdienstschule Schwalm-Eder in der Homberger Drehscheibe hat einen Simulations-Rettungswagen.

Homberg – Herr Meier (56) hat plötzlich im Rettungswagen (RTW) einen hyperdynamen Kreislaufstillstand. Dieser Fachausdruck bezeichnet einen Kreislaufstillstand mit erhöhter Herzaktivität, das heißt mit Kammerflattern oder Kammerflimmern. Die Lehne der Trage, auf der Herr Meier liegt, wird zurückgeklappt und der angehende Notfallsanitäter Luca Gaedecke fängt sofort mit der Herzdruckmassage an. Er legt dafür seine Hände übereinander und drückt den Brustkorb in der Mitte ungefähr sechs Zentimeter herunter.

Zum Glück ist es kein realer Notfall, sondern eine Simulation. Herr Meier ist eine Übungspuppe. Die DRK-Rettungsdienstschule Schwalm-Eder in Homberg hat für die Praxisarbeit ihrer Auszubildenden einen Simulationsrettungswagen für 90 000 Euro angeschafft. „Der Rettungswagen ist einem echten Wagen getreu nachgebaut, außer dass er keine Reifen und keine Fahrgastkabine hat“, sagt Florian Weber, Dozent sowie stellvertretender Schulleiter.

Die Rettungsdienstschule Schwalm-Eder hat hessenweit als einzige Ausbildungsstelle einen Simulationsrettungswagen.
Die Rettungsdienstschule Schwalm-Eder hat hessenweit als einzige Ausbildungsstelle einen Simulationsrettungswagen. © Beckmann, Lea

Der RTW ist mit zwei Kameras ausgestattet, sodass die Lehrkräfte und die Schüler darin beobachtet werden können. „Im Nachhinein machen wir auch immer eine Nachbesprechung, mit dem, was gut lief und was schlecht lief – so können wir uns einzelne Stellen des Ablaufs noch einmal in Ruhe auf dem Video anschauen“, sagt Weber.

Herr Meier ist immer noch bewusstlos. Ursprünglich hatte er beim Rettungsdienst angerufen, da er Brustschmerzen verspürte. Nun muss er reanimiert werden. Luca Gaedecke ist als Leader im RTW. Er gibt die Anweisungen und koordiniert den Ablauf. Emilia Schultze ist die Helferin. Sie hört genau auf seine Instruktionen. „Weg vom Patienten“, ruft Gaedecke. Er hat den Defibrillator geladen. Dieser gibt mehrere Stromstöße an das Herz ab, damit dieses hoffentlich wieder normal schlägt.

Die Übungspuppe Herr Meier hat einen Kreislaufstillstand: Emilia Schultze macht eine Herzdruckmassage, Luca Gaedecke versucht, über das Stethoskop den Herzschlag zu hören.
Die Übungspuppe Herr Meier hat einen Kreislaufstillstand: Emilia Schultze macht eine Herzdruckmassage, Luca Gaedecke versucht, über das Stethoskop den Herzschlag zu hören. © Lea Beckmann

Doch das Kammerflimmern ist immer noch da. Nun übernimmt Schultze die Herzdruckmassage. Gaedecke schließt in der Zeit das Beatmungsgerät an. „Ab jetzt wird 30-mal gepumpt und zweimal beatmet“, erklärt Gaedecke. Es ist hektisch im RTW, aber die beiden wissen genau, was zu tun ist. Die Kommunikation verläuft reibungslos – ein eingespieltes Team.

Jetzt wird ein intravenöser Zugang gelegt. Eine Nadel wird dabei durch eine Vene des Patienten geschoben. So können ihm Medikamente verabreicht werden. Zunächst spritzt Gaedecke dem Patienten Adrenalin. „Es ist wichtig, dass man bei der Verabreichung den Arm hoch hält und bis 30 zählt, damit sich das Medikament im Körper gut verteilt“, erklärt Gaedecke. Schultze drückt weiterhin die Brust runter. Der Zustand von Herrn Meier bessert sich nicht. Nun bekommt er Amiodaron verabreicht – ein Medikament, das für einen geordneten Herzrhythmus sorgen soll. Und dann haben sie es geschafft. Herr Meiers Herz schlägt wieder regelmäßig, jetzt geht es für ihn ab ins Krankenhaus.

Die Rettungsdienstschule Schwalm-Eder hat hessenweit als einzige Ausbildungsstelle einen Simulationsrettungswagen.
Die Rettungsdienstschule Schwalm-Eder hat hessenweit als einzige Ausbildungsstelle einen Simulationsrettungswagen. © Beckmann, Lea

Die beiden Schüler sind im zweiten Ausbildungsjahr von ihrer dreijährigen Ausbildung zum Notfallsanitäter. „Dieser Simulations-RTW hilft uns sehr in der Ausbildung“, sagt Schultze. Es sei die Realität, die hier nachgestellt wird, aber „hier dürfen wir Fehler machen und lernen dazu“, sagt sie.

„Man weiß zwar, dass man beobachtet wird, aber es steht kein Lehrer direkt hinter uns und schaut uns über die Schulter“, sagt Gaedecke. Die Dozenten und Schüler kommunizieren über ein Head-Set miteinander.

Auf dem Bildschirm kann Florian Weber über die Kameras beobachten, wie die Schüler im Rettungswagen arbeiten.
Auf dem Bildschirm kann Florian Weber über die Kameras beobachten, wie die Schüler im Rettungswagen arbeiten. © Beckmann, Lea

Der Simulationsrettungswagen ist hessenweit der einzige an einer Rettungsschule. Die in Homberg im Einkaufszentrum Drehscheibe stationierte Schule gibt es seit Juli 2021. Derzeit werden dort 45 Notfallsanitäter ausgebildet, und auch Rettungssanitäter. Die nächsten Ausbildungen beginnen am 1. April und 1. September.

Weitere Einblicke gibt es auf der Instagram-Seite der Rettungsdienstschule drk.rettungsdienstschule.sek; Bewerbungen an rettungsdienstschule@drk-schwalm-eder.de (Lea Beckmann)

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