Natur soll zum Aushängeschild werden

Experte sieht durch geplanten Naturpark Knüll Vorteile für die Region

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Schöne Mohnblüte: Bei Germerode wurden Mohnblütenfelder angelegt, durch die Wanderwege führen und Fotomotive wie ein Bett aus Stroh aufgestellt wurden. Das gefiel auch Emma (links) und Charly Koch. (ArchivFoto)

Die Planungen für einen Naturpark Knüll laufen. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Naturpark? Ein Gespräch mit Marco Lenarduzzi vom Geo-Naturpark Frau-Holle-Land im Werra-Meißner-Kreis.

Wenn es um einen möglichen Naturpark Knüll im Schwalm-Eder-Kreis geht, dann nennt der Vorsitzende des Zweckverbands Knüllgebiet, Dr. Nico Ritz, den Geo-Naturpark Frau-Holle-Land als Vorbild. 

Grund genug, um mit dessen Geschäftsführer Marco Lenarduzzi zu sprechen.

Herr Lenarduzzi, was genau ist ein Naturpark? Also: Was steckt ganz praktisch hinter dem Begriff?

Ein Naturpark ist ein Großschutzgebiet. Naturschutz und Landschaftspflege, Umweltbildung, Naherholung – also Tourismus – und nachhaltige Regionalentwicklung sind dabei die vier Bereiche, um die es geht. 

Es bedeutet aber nicht, was oft befürchtet wird, dass es zu Einschränkungen kommt und man zum Beispiel keine Baugebiete mehr ausweisen kann.

Was sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Wald zum Naturpark erklärt werden kann?

Dafür gibt es klare Regeln, es kann und soll ja nicht an jeder Ecke ein Naturpark entstehen. Der Wald muss zu vierzig Prozent aus Naturschutz oder Landschaftsschutzgebieten bestehen. 

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann man einen Naturpark gründen. Es geht um Nachhaltigkeit und um naturverträglichen Tourismus. 

Ich war schon im Knüll und mir hat es dort sehr gut gefallen. Ich glaube, die Region ist sehr gut geeignet für einen Naturpark.

Welche Vorteile bringt der Naturpark-Status für die jeweilige Region mit sich?

Naturparke sind hauptsächlich für die Regionalentwicklung wichtig. Es geht in erster Linie um einen naturverträglichen Tourismus. 

Und ein Naturpark kann zum Aushängeschild für eine Region werden. Man kann mit der besonderen Natur werben. Die Natur wird also zum Werbeträger und genau das ist derzeit ein mega Trend. 

Die Menschen entfernen sich immer weiter von der Natur und haben gleichzeitig den Bedarf, sie zu erleben. Sie steuern die Wälder direkt an.

Bei einer Infoveranstaltung zum Naturpark Knüll waren Landwirte, die Einschränkungen befürchten.

Diese Sorgen sind unbegründet. Natürlich müssen Naturschutzbelange im Auge behalten werden, aber im Bereich Land- und Forstwirtschaft würde sich nichts ändern.

Wie hat sich der Wald bei Ihnen seit der Ernennung zum Naturpark im Jahr 1962 verändert?

Wir sind langsam aber stetig entwickelt. Bei uns gibt es jetzt 24 neue Premiumwanderwege, die die Touristen dazu einladen, sie zu nutzen. Und tatsächlich begeben sich 100 Prozent unserer Besucher auch auf diese Pfade. 

Wir schaffen Erlebnisse für die Wanderer und lenken zudem durch unsere Beschilderungen und Wege die Besucherströme. So entsteht ein ausgewogenes Maß und wir behalten alles im Blick: Natur, Tourismus, Naturschutz. 

Nicht zuletzt die Umweltbildung – 5000 Kinder aus den Schulen des Werra-Meißner-Kreises kommen zu uns.

Es gibt im Schwalm-Eder-Kreis viele Direktvermarkter, welchen Nutzen könnte ihnen das Prädikat Naturpark bringen?

Sie können ihre Produkte mit dem Naturpark in Verbindung bringen. An den Wanderwegen liegen häufig Betriebe, an denen die Touristen regionale Produkte kaufen können. 

Es wird also auch Wertschöpfung betrieben, wenn man es richtig macht. Dafür muss nur Vernetzung entstehen, damit die Möglichkeit auch genutzt wird.

Und was haben die Menschen, die in der Region wohnen, von einem Naturpark vor ihrer Haustür?

Sie erhalten einen Mehrwert, weil ihre Region attraktiver und aufgewertet wird. Menschen sind Teil der Natur.

Gibt es Einschränkungen für Spaziergänger, Radfahrer und Co. durch die Ausweisung eines Naturparks?

Es gibt keine Einschränkungen, denn es gibt keine Verordnung, die besagt, was man darf und was nicht. Es soll sich ein sanfter Tourismus entwickeln, dafür wollen wir die Wanderer aktiv in den Wald holen. Die Natur ist ein Reiseziel, es geht darum, sie zu nutzen und zu erhalten.

Wird es durch den Naturpark-Status spezielle Schutzzonen für Tiere und Pflanzen geben?

Auch das nicht, allerdings muss man sich in einem Naturpark an die bestehenden Regelungen für Vogelschutzgebiete, FFH-Schutzgebiete und Naturschutzgebiete halten. 

Aber: Ein Naturpark ist kein besonderes Naturschutzgebiet, deswegen werden über die bestehenden Schutzzonen keine weiteren Gebiete eingerichtet.

Und wofür wird das Fördergeld in Ihrem Naturpark eingesetzt?

Wir haben viele spezielle Projekte. Es gibt zum Beispiel Barfußwege, es wurden neue Fahrrad- und Wanderwege bei uns angelegt. Auch bei der Umweltbildung wird viel getan. 

Wir bieten für Erwachsene und Kinder geführte Wanderungen an. Unser Ziel ist, die Besucher für die Region feinfühlig zu machen. 

Aushängeschilder sind die Kirschblüte und die Mohnblütenfelder, die zahlreiche Touristen zu uns bringen – aber auch sie werden gelenkt.

Sehen Sie nach all der Zeit auch Nachteile, die ein Naturpark mit sich bringt?

Nachteile gibt es keine. Es muss aber ein ganzheitliches Konzept bestehen, damit man aus der Marke Naturpark das Beste herausholen kann. 

Deshalb ist auch eine kommunenübergreifende Zusammenarbeit sowie die Kooperation der Akteure vor Ort wichtig. Obwohl, einen Nachteil gibt es: viel Bürokratie und die macht viel Arbeit.

Welche Fehler hat man im Naturpark Meißner-Kaufunger Wald gemacht, die die Knüll-Region vermeiden sollte?

Man sollte den Naturpark nicht mit zu geringen finanziellen Mitteln ausstatten. 

Das wäre ein Grundfehler. Wir haben mit einer halben Stelle und einem 450-Euro-Job begonnen, da kann man keine großen Sprünge machen. Man braucht eine Struktur, die arbeitsfähig ist. Einen Alibi-Naturpark kann man nicht brauchen.

Außerdem haben wir irgendwann die Kräfte gebündelt und die Werratal-Tourismus-Marketinggesellschaft wurde zum Teil des Naturparks, so ist es uns gelungen, Doppelstrukturen aufzulösen.

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