Flüchtlinge haben Homberg fotografiert und zeigen damit ihre Sicht auf die neue Heimat

So sehen sie Homberg: Fitzum Bokurestion (links) und Samuel Elias aus Eritrea gehören zu den neun Flüchtlingen, die ihren Alltag fotografiert haben. Foto: Dittrich

Homberg. Ein Foto ist selten ein neutrales Abbild der Realität. Der Fotograf entscheidet, was er wann und wie fotografieren möchte. Er wählt aus, was ihm wichtig ist. Und jedem Menschen sind andere Dinge wichtig.

Das zeigt sich auch bei den Fotos, die Flüchtlinge in Homberg gemacht haben. Die Männer und Frauen aus Eritrea, Äthiopien, Afghanistan und Sri Lanka haben ihren ganz persönlichen Blick auf die Stadt und ihre Umgebung festgehalten. Die Bilder gibt es ab Samstag, 25. Oktober, in der früheren Engel-Apotheke in Homberg zu sehen.

Zwei der Fotografen sind Fitzum Bokurestion und Samuel Elias aus Eritrea. Der 22-jährige Bokurestion war auf der Straße unterwegs, als Deutschland im Juli Fußballweltmeister wurde. Die Flaggen, die Autokorsos - in seinen Bildern hat er versucht, die für ihn ungewöhnliche Feier festzuhalten. Aus seiner Heimat kenne er so etwas nicht, sagt er.

Bokurestion hat außerdem Skulpturen fotografiert - beispielsweise die Holzfiguren vor der Stadthalle. Fotografiert hat Bokurestion auch schon in seiner Heimat. Trotzdem sei das Projekt für ihn neu gewesen und habe ihm viel Spaß gemacht, betont er. Er lebt jetzt seit einem Jahr und drei Monaten in Homberg. Sein Antrag auf Asyl wurde noch nicht entschieden. Deswegen ist, wie bei vielen anderen auch, unklar, ob er in Homberg bleiben darf. Momentan macht er einen Schulabschluss und hofft auf einen Ausbildungsplatz.

Samuel Elias hat dagegen seine Mitbewohner in den Unterkünften portraitiert. Während des Ramadan, der muslimischen Fastenzeit, hat der 24-Jährige das Essen fotografiert, was nach Sonnenuntergang auf den Tisch kommt. Auf einem Foto ist ein Mitbewohner aus Afghanistan zu sehen, der eine Süßspeise mit Bananen und Nüssen zeigt. Er ist seit einem Jahr in Homberg.

Die Vielfalt der Motive ist groß: Fotos aus den Unterkünften, Portraits von Flüchtlingen, Bilder der Stadt Homberg. Ein Großteil der Fotos sei im Juli entstanden, erzählt Projektkoordinatorin Tanja Siebert-Moloko vom Verein die Soziale Stadt. Sie nutzte private Kontakte zum Hobbyfotografen Rolf Mänken, der den Teilnehmern im Alter von 16 bis 68 Jahren eine kleine Schulung gab. Danach zogen sie los und fotografierten sich, ihre Umgebung, ihren Alltag.

Zu sehen sind die Fotos von Samstag, 25. Oktober, bis Sonntag, 2. November, in der früheren Engel-Apotheke in Homberg. Ein Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung: Samstag, 25. Oktober, Dienstag, 28. Oktober, und Samstag, 1. November, werden Spielfilme gezeigt, die sich mit den Herkunftsländern und den Gefahren der Flüchtlinge beschäftigen. Am Donnerstag, 30. Oktober, gibt es einen Bildervortrag von Dr. Gangolf Seitz, der als Arzt viele Jahre in Eritrea war. Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenlos. Veranstaltungsbeginn ist jeweils ab 19 Uhr.

Von Benedikt Dittrich

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