Flüchtlingsbeauftragte über Zeltstadt: „Müssen Zuflucht bieten."

Silvia Scheffer

Homberg. Binnen weniger Tage entsteht in Schwarzenborn eine Zeltstadt für Flüchtlinge.Silvia Scheffer vom Diakonischen Werk Schwalm-Eder überrascht das nicht.

„Die Ministerien stehen unter Hochdruck, sie müssen mit ganz heißer Nadel immer neue Lösungen stricken: Die Menschen kommen in immer größerer Zahl - und sie brauchen alle ein Dach über dem Kopf“, sagt Silvia Scheffer.

„Die Menschen, die nach der Flucht bei uns landen, sind an Leib und Seele erschöpft - sie brauchen mehr als eine Schmerztablette.“

Wenig Privatsphäre, aber viel Sicherheit: Das Bild zeigt aus Afrika stammende Flüchtlinge, die in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen angekommen sind. Foto:  dpa

Dass dieses Dach kein besonders schönes ist und kein dauerhaftes sein darf, ist derBeauftragten für Flüchtlingsfragen beim Diakonischen Werk Schwalm-Eder bewusst. Erstaufnahmelager, sagt sie, seien Durchlauferhitzer, auf Kurzfristigkeit angelegt: „Spätestens im Winter brauchen die Menschen beheizbare Quartiere, in denen nicht die Ratten durch die Ritzen kriechen.“

Dennoch bleibe angesichts des nicht versiegenden Flüchtlingsstroms gar nichts anderes übrig, als diese Zeltstädte zu errichten: „Deutschland hat die Fähigkeit zu helfen - und hat damit eine humanitäre Verpflichtung. Wir können nicht nichts tun.“

Quälende Erinnerungen

Doch das, was getan werden kann, ist oft zu wenig. Es gehe nicht nur darum, dass die ausgelaugten Menschen, die nach oft wochenlanger Flucht hier ankommen, nur satt und sauber sind: „Die meisten sind an Leib und Seele erschöpft - sie brauchen wesentlich mehr als nur eine Schmerztablette.“

Silvia Scheffer bezweifelt, dass die Lage des Erstaufnahmelagers in Schwarzenborn eine gute ist: Wenn dort nicht eine Buslinie eingerichtet werde, die mehrfach am Tag verkehre, säßen die Bewohner der Zeltstadt fest.

Zudem fehle es an Freizeit- und Sportangeboten. Es gehe dabei nicht etwa um Unterhaltungs-, sondern vielmehr um Ablenkungsmöglichkeiten. Die meisten Flüchtlinge, sagt Scheffer, würden nicht nur von den eigenen Erlebnissen und Erinnerungen gequält, sondern zusätzlich auch noch von der Frage, was aus ihren Angehörigen in den Heimatländern geworden ist.

An die Ministerien und Politiker hat Scheffer einen klaren Wunsch: Dass sie Verantwortung übernehmen, Informationen weiter geben, Transparenz schaffen. Denn bislang wisse niemand wirklich genau, wohin die Reise in der Flüchtlingsfrage gehe.

Es sei klar, dass der Strom derer, die Zuflucht in Deutschland suchen, vor dem Winter noch stark anschwelle. Noch völlig unklar dagegen sei, wie man ihn bewältigen könne.

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