Projekt "Europa macht Schule" 

Französischer Gaststudent an der Erich Kästner-Schule in Homberg 

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Bringen gemeinsam Frankreich und Europa ins Klassenzimmer: Der Gaststudent Thibaut Jacques (links) aus Metz mit dem stellvertretenden Schulleiter Ulf-Dieter Fink.

Homberg. Kraterlandschaften, Vaterlandsliebe und warum ein vereintes Europa wichtig ist: Diese Themen diskutierten die Schüler der Erich Kästner-Schule mit einem französischen Gaststudenten. 

„Wer Europa verstehen will, der muss über einen Soldatenfriedhof gehen.“Mit diesem Zitat von Jean-Claude Juncker fing an der Erich-Kästner Schule ein besonderer Unterrichtstag an.

Der französische Student Thibaut Jacques besuchte die Schüler im Rahmen des Projekts „Europa macht Schule“ und erzählte über einen solchen Soldatenfriedhof im Heimatort seiner Großeltern in Verdun.

Das Ziel des Projekttages: Herausfinden, warum ein vereintes Europa wichtig ist. Im Mittelpunkt stand dabei die Aussöhnung zwischen den zwei Erzfeinden Frankreich und Deutschland. Das Schlachtfeld von Verdun wurde damals zum Synonym für Krieg schlechthin.

„Es war ein schrecklicher Krieg, viele Tote“ erzählte Jacques und zeigt den Schülern Bilder von den dortigen Kraterlandschaften und dem Beinhaus, die an die gefallenen Soldaten erinnern. Der Wirtschafts- und Politikstudent aus Marburg stammt aus Metz, seine Großeltern aus Verdun.

Wenn sein Vater mit seiner deutschen Freundin zu Besuch kam, habe der Urgroßvater die Tür nicht geöffnet, erzählt Jacques. „Die Meinungen über Deutschland sind sehr unterschiedlich.“

Ob Franzosen stolz auf ihr Vaterland seien, wollten die Schüler wissen. „Mein Vater ist mehr stolz als ich, vielleicht bin ich auch kein guter Franzose“, sagt Jacques lachend.

Gerade Jüngere seien nicht mehr so patriotisch und der Europäischen Union gegenüber offener. Den Europagedanken ins Klassenzimmer zu transportieren – das sollte mit seinem Besuch erreicht werden.

Zusammen mit den Schülern recherchierten sie fünf wichtige historische Persönlichkeiten der deutsch-französischen Geschichte und schlugen den Bogen zur Gegenwart.

„Angst vor der Wahl“

„Natürlich habe ich Angst vor der Wahl in Frankreich“, sagt Jacques. Frankreich und Deutschland seien für Europa entscheidend. Wenn Frankreich von einer nationalistischen Partei beherrscht werde, könnte die EU zusammenbrechen, sagt Jacques.

Die ökonomische Situation mancher Staaten stärke die nationalistischen Parteien, genau wie bei Deutschland 1933. „Wir vergessen, was in der Vergangenheit passiert ist, deshalb gibt es heute wieder mehr Nationalismus“, so Jacques.

Auch den Schülern ist klar: Viele mussten für die Demokratie sterben. „Frieden“, „stabilere Wirtschaft“, „Gegenpol zu USA und Russland“ sind nur drei von vielen Argumenten, die sie an dem Tag für ein Pro-Europa gesammelt haben.

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